Volltext: Hessenland (2.1888)

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Dem Gedächtniß Kaiser Friedrich». 
So ist er selig heut denn heimgegangen 
Zur letzten Ruhe in ein Friedenshaus! 
Wie er gewollt, ganz ohne Glanz und Prangen, 
Trug man den edlen Dulder still hinaus. 
Wie treu an ihm die Herzen stets gehangen 
Im Sonnenscheine und im Sturmgebraus, 
Das zeigt sich nun, wo wir verklärt ihn schauen, 
Allüberall in Deutschlands weiten Gauen. 
Ein Märztag war's mit kalten Winterschauern 
Da stieg er auf der Väter stolzen Thron; 
Hoch aus der Thürme altersgrauen Mauern 
Um Kaiser Wilhelm klang der Klageton, 
Und in des Volkes Wehmuth, in sein Trauern, 
Da mischten sich Gebete für den Sohn: 
Den neuen Kaiser, der von Leidens Banden 
Erlösung suchte in des Südens Landen. 
Er kehrte heim, dem Volke schlug entgegen 
Sein Herz, das nie tm Wohlthun hat geruht, 
Dem Vaterland zu schenken Glück und Segen 
Strebt froh er an als höchstes Königsgut. 
Was mühevoll erkänipft auf blut'gen Wegen, 
Das hält er hoch und nimmt's in treue Hut. 
Wie auch die Leidensmächte mit ihm ringen, 
Er reget frei des Geistes kühne Schwingen. 
Ach, allzu kurz ist's ihm vergönnt gewesen, 
Zu wirken nach des Herzens warmem Drang! 
Es kam der Lenz, doch mit ihm kein Genesen, 
Nur neue Schmerzen, neuer Marterzwang. 
Den Geist, der zu dem Höchsten auserlesen 
Des Leidens finstrer Dämon bald bezwang. 
Es brach sein Herz, das reich an edlem Triebe 
Und mit ihm starb ein seltner Schatz von Liebe. 
Gleich einem Frühling, der sich kaum entfaltet 
Und bald von Wetterstürmen ward verschneit, 
Dem gleicht die kurze Frist, da er verwaltet 
Sein hohes Amt in reiner Menschlichkeit; 
Doch, was sein edler Sinn erstrebt, gestaltet 
Stirbt mit dem Lenze nicht, der kurz gemait! 
Wie eine Saat in guter Ackerkrume 
Keimt es empor dem Sämann stets zum Ruhme. 
Ist Kaiser Weißbart unserm Volk geworden 
Ein Genius, auf den wir hoffend sehn, 
So wird von seinem Sohn vom Süd zum Norden 
Wie eine Sage einst die Kunde gehn: 
Er war ein Held im Kampf am Rheine dorten, 
Er sah voll Stolz des Reiches Glanz erstehn, 
Doch größer war er noch im Leid — wie Recken 
Der alten Zeit konnt ihn der Tod nicht schrecken. 
Er sieht dem Tod iu's Auge jede Stunde 
Und bleibt doch immer wie im Glücke mild, 
Aus seiner Seele wie aus tiefem Grunde 
Manch mächtiger Gedanke sprudelnd quillt. 
Von deutscher Art in Freud' und Schmerzen Kunde 
Giebt uns sein männlich edel schönes Bild. 
Wie stolze Eichen, die im Sturm nicht zittern, 
So bleibt er fest, kein Leid kann ihm erbittern. 
Dein Leben ist verglüht, du zweiter Kaiser -- 
Des jungen Reichs, an dem du mitgebaut, ■ 
Bald tönt die Trauerkunde leis und leiser- ^ 
Dieweil im Ost ein neuer Morgen graut! 
Au deinem Stamme grünen junge Reiser, 
Auf die dein Aug' von jenen Höhen schaut, . '-j 
Sie' werden baun Alldeutschland zum Gewinne 
In künft'ger Zeit des Tempels stolze Zinne. 
Du aber, der wie Moses aus der Ferne - 
Nur durfte schaun das heißersehnte Land, 
Du, guter Kaiser, blickst gleich einem Sterne 
Aus uns hernieder segnend unverwandt! — . 
Wir gönnen dir den Frieden, ach, so gerne 
Und klagen dennoch, daß dein Geist entschwand. 
Der Himmel will dem Schmerze Trost gewähren 
Und weint mit uns viel tausend helle Zähren. 
Frankfurt 18. Juni 1888. 
H. Wentzcs. 
Spanische SaUade. 
Er war in wilder Liebe 
So sehr für sie entbrannt, 
Daß nichts ihn an das Leben 
Als sie allein nur band. s 
„Was immer Du auch wünschest," 
Sprach er, „versprech ich hier; 
Die Perlen meiner Mutter, 
Willst Du? ich bring sie Dir." 
Und sie so schön als sühllos 
Entgegnet hart wie Erz: 
„Die Perlen sind zu wenig, 
Bring Deiner Mutter Herz!" 
Zur Mutter jählings eilt er, 
Und blind, sich unbewußt, 
Mit scharfem Dolche reißt er 
Das Herz aus ihrer Brust. 
Und dann zurück so eilends 
Er das Verlangte trägt, 
Daß auf dem Pfad er strauchelt 
Und jäh zu Boden schlägt. 
Da sieh, dem Mutterherzen 
Ein Tropfen Blut's entrinnt. 
Und fragt mit weicher Stimme: 
„That'st Du Dir weh mein Kind?" 
M e x i k o. Ricardo Jordan.
        

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