Full text: Hessenland (2.1888)

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Ich vermied es zu antworten und sprach über 
Homer, und immer wieder von Homer, so daß 
Paskal schließlich glauben mußte, daß ich nichts 
anderes kenne; dann brachte ich die Sprache auf 
einen gewissen da Luca, den ich sehr lobte, und 
so ließ man mich endlich in Ruhe. 
Im Frühling 1799 verließ Tischbein Neapel in 
Gesellschaft der beiden Brüder Hackert und ging zu 
nächst nach Kassel. Ein Versuch in Hamburg 
eine Zeichenschule zu gründen hatte keinen Erfolg. 
Endlich im Jahre 1808 bot ihm der Herzog 
Peter von Oldenburg eine sichere Existenz in 
Eutin an, und hier konnte der alternde aber 
schasfenskräftige Künstler in aller Ruhe und 
Muße ausführen, was seiner Seele vorschwebte. 
Es enstand eine Reihe von reizenden Aquarell 
bildern idyllischen Inhalts, wie sie schon die Seele 
des Jünglings erfüllt hatten. 
Von seinen Zeitgenossen wurden sie mit Be 
geisterung aufgenommen, wie denn überhaupt 
die damalige weicher gestimmte Zeit den Tisch- 
bein'schen Schöpfungen weit mehr als die Nach 
welt entgegenkam. Man nannte den Meister 
den „Dichter mit der Palette" und die Rühr 
seligkeit der romantischen Zeit äußerte sich in 
übertriebener Begeisterung von seinen Werken. 
Selbst Männer wie Göthe und Wieland blieben 
darin nicht zurück, aber selbst die rühmenden 
Urtheile des Erstern über die Leistungen seiner 
Zeitgenossen Tischbein und Hackert, haben vor 
der Kritik der Gegenwart nicht bestehen können. 
Göthe begleitete die Jdyllenbilder mit Versen 
die den Genius des großen Dichters nicht immer 
auf seiner Höhe zeigen. Eines der Bildchen be 
singt er mit den Worten: 
„Glücklicher Künstler, in himmlischer Luft 
„Bewegen sich die schönen Weiber; 
„Versteht er sich doch auf Rosendust 
„Und appetitliche Leiber." 
Im Jahre 1829 starb der Künstler in Eutin, 
78 Jahre alt. Der kunstsinnige Fürst, welcher 
ihn dahin berufen, hatte den Lebensabend des 
greisen Malers zu einem glücklichen und sorgen 
freien gestaltet. Die Thätigkeit Tischbeins war eine 
ganz außerordentliche und ist nur zu erklären 
durch die geradezu wunderbare Schnelligkeit mit 
der er arbeitete. 
Die gewaltige reformatorische Bewegung, auf 
dem Gebiete der bildenden Kunst im ersten 
Dezennium dieses Jahrhunderts, welche mit dem 
Eklekticismus und mit dem akademischen Formel 
kram brach und auf die Herrlichkeit der altdeutschen 
Meister hinwies, hat Tischbein mit anbahnen 
helfen. Er wies in seiner Lehrtätigkeit wieder 
energisch auf das Studium der Natur und der 
alten Meister hin und seine vielseitige Bildung 
arbeitete der neuen Schule wirksam vor, welche 
in Carstens; Overbeck und Cornelius ihre ausge 
zeichnetsten Repräsentanten fand. 
Als Letzter der Gruppe, den wir in diese Be 
sprechung ziehen müssen, sei nun noch Joh. 
Friedrich August erwähnt, der im Jahre 1812 
in Heidelberg 62 Jahre alt starb. Als Maler 
hatte er sich ganz und gar der französischen 
Schule angeschlossen und that es den besten Künstlern 
von Frankreich an Grazie der Auffassung nnd 
an bezauberndem Kolorit gleich. Seine Vorbil 
dung hatte er seinem Onkel, Joh. Heinrich dem 
Aeltern, zu danken, ebenso wie seine Begeisterung 
für französische Kunst, so namentlich für den 
liebenswürdigen Grenze, dessen Bilder heute nahezu 
unbezahlbar sind, für Frau Vigoe-Lebrün, 
die berühmte Portrait-Malerin, und Angelika 
Kauffman. — Obgleich längere Zeit in dem Atelier 
von David studirend, verstand er es doch ganz 
seinen eigenen Weg zu gehen und sich den weichen 
und lieblichen Zug zu wahren, der seinen Bildnissen 
einen hinreißenden Zauber verlieh. David bestand 
vor Allem auf strenge Zeichnung und auf Studium 
der Anatomie, die freilich, wie der geistreiche Künstler 
behauptete, schwer zu erlernen, aber noch schwerer zu 
vergessen sei. Die Schöpfungen dieses großen Künst 
lers bekunden eine Wandlung des Urtheils, wie 
sie schroffer nicht gedacht werden kann. Zur Zeit 
ihrer Enstehung in den Himmel gehoben, werden 
sie heute mit wenigen Ausnahmen kaum noch be 
achtet, während die lieblichen Bilder Tischbeins 
den Beschauer immer aufs Neue erfreuen. Nach 
langem Aufenthalt in Italien wurde Tischbein vom 
Fürsten von Waldeck zum Hofmaler und Rath 
ernannt, blieb indessen wegen der langen Ab 
wesenheit des Fürsten nur kurze Zeit und ging 
zu seiner Familie nach Holland. Einige Jahre 
später beschäftigte ihn der Herzog von Anhalt- 
Dessau und endlich im Jahre 1800 ernannte ihn 
der Kurfürst von Sachsen, Friedrich August III., 
von dem Napoleon später sagte, „das ist der ehr 
lichste Mann der jemals ein Königsscepter ge 
halten" zum Professor und Direktor der Kunst 
schule in Leipzig. 
Ueberblicken wir schließlich die Kunstthätigkeit 
der hervorragenden Träger des Namens Tisch 
bein, bedenken wir, daß sie in einer, dem künst 
lerischen Schaffen nichts weniger als günstigen 
Zeit lebten und nur durch angestrengten Fleiß 
und nie erlahmende Energie zu Ruf und Ansehen 
gelangten, halten wir vor Allem fest, daß sie 
der Mode und dem Zeitgeschmack in der Malerei 
huldigen mußten, so ist ihnen eine ehrenvolle, wenn 
auch nicht hervorragende Stelle in der Kunstgeschichte 
sicher. Vor den Leistungen der modernen Malerei mit 
der mächtigen Entwickelung ihrer Technik müssen 
die Meister jener Epoche zurücktreten und so hoch
        

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