Full text: Hessenland (2.1888)

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Die Schlacht, die er geschlagen, zwölf Monde 
voller Graus, 
Gs pritf sie helöenhsfier wohl nie ein Kampe 
aus, 
Gs harret sein Allvaker im blauen Himmels 
zelt, 
Heerschsarenherr, blickt mW er auf ihn, öen 
kobesmukh'gen Held. 
Dort in öer ew'gen Halle, an Gottes lichtem 
Thron, 
Begrüßt mit stiller Vehmukh öer Vater seinen 
Sohn, 
Dem er öa§ Deich gegründet, so mächtig und 
so groß, 
Gr zog nach wenig Tagen öer Herrschaft schon 
öas dunkle Loos. 
Auf alle Grdengualen sieht lächelnd er herab, 
Vir aber stehen klagend um unsres Helden 
Grab- 
D Kaiser Friedrich, wache auch fürder über's 
Reich, 
Hilf zu öer guten Sache, das fleh'n wir brünstig 
allzugleich I 
M. Ucnneckk. 
^ie Malerfamilie Mschhein. 
Von Louis Kshensiein. 
(Schluß.) 
Einflußreiche Freunde wünschten daß sich Joh. 
Heinrich Wilhelm Tischbein in Neapel 
um die Stelle des Direktors der Malerakademie 
bewerben möchte, welche damals der nicht sehr 
bedeutende Maler Bonito inne hatte. Tischbein 
wurde hier bekannt mit Lord Hamilton, dem eng 
lischen Gesandten, einem großen Kunstkenner und 
seiner Gemahlin, der berühmten Lady Hamilton, 
welche damals eine so große Rolle am Hofe des 
Königs beider Sicilien spielte. 
„Lady Hamilton", sagte Tischbein, „hatte eine so 
charakteristische Physiognomie, daß sie die leb 
haftesten Leidenschaften und Empfindungen mit 
der größten Wahrheit ausdrücken konnte. In 
jeder Stellung, sitzend, stehend, liegend, immer 
hätte man sie malen mögen." 
Tischbein, für den sie ein unvergleichliches Modell 
war, benutzte ihren Kopf für verschiedene Gemälde. 
Unter vielen Portraits, die er in Neapel malte, 
war das herrliche Bildniß von Charlotte Camp 
bell, Tochter des Herzogs von Argyle, die damals 
für Englands größte Schönheit galt. Auch die 
reizende Prinzessin von Monaco, welche unter 
der Schreckensherrschaft in Frankreich guillotinirt 
wurde, saß zu ihrem Portrait. 
Aber von größerer Bedeutung war die Anregung 
welche der klassisch gebildete Engländer dem 
deutschen Maler zu neuen Kompositionen gab. 
Hamilton hatte eine große Sammlung von an 
tiken bemalten und gravirten Vasen, über tausend 
Exemplare, angelegt und veranlaßte Tischbein nach 
diesen Malereien Umrisse zu den Gesängen des 
Homer zu entwerfen. Schon während seines 
Aufenthalts in Zürich im Jahre 1781 hatte der 
Dichter Bodmer Tischbein auf das Studium 
Homer's als Fundgrube bildnerischer Stoffe hin 
gewiesen. In Neapel erhielt diese Richtung durch die 
Anschauung antiker Bildwerke reiche Nahrung. 
Tischbein überzeugte sich, daß die meisten antiken 
Kunstwerke den Schilderungen Homer's entnommen 
seien. Diesen Schöpfer der Kunst daher nicht 
allein durch antike Darstellungen zu illustrieren, 
sondern gewissermaßen des ehrwürdigen Sängers 
Worte in Bildwerke umzusetzen, wurde jetzt die 
originelle Aufgabe des Künstlers. 
So erschien das Prachtwerk, „Homer", nach 
Antiken gezeichnet von H. W. Tischbein, mit 
Erläuterungen von Chr. Gottlob Heyne. Göt 
tingen 1801. Dem klassischen Alterthume, dessen 
Studium bisher fast nur auf architektonische und 
plastische Ueberreste beschränkt gewesen war, wurde 
durch die Anzahl der entdeckten Vasengemälde eine 
neue Seite abgewonnen, die malerische, so wie das 
antike Leben durch den Umfang des dargestellten 
Jdeenkreises, der selbst das Genre der stillen 
Gemüthswelt und Häuslichkeit umfaßte, der mo
        

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