Full text: Hessenland (2.1888)

192 
Wilhelm Kolbe. Der Tod ereilte ihn an demselben 
Tage, an welchem er vor 32 Jahren sein erstes 
Pfarramt angetreten hatte. Geboren war Wilhelm 
Kolbe am 7. August 1826 zu Marburg als Sohn 
des Regierungs-Probators Kolbe daselbst. Er besuchte 
das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte hiernach 
von 1847 an Theologie an der dortigen Universität, 
wurde am 29. Januar 1851 unter die Kandidaten 
des Predigtamtes aufgenommen und am 31. October 
1852 ordinirt. Nachdem er einige Jahre lang als 
Hauslehrer, Pfarrgchilfe und Pfarrverweser in Ra 
statt (Baden), Wetter und Goßfelden thätig gewesen 
war, wurde er 1856 als Subdiakonus nach Marburg 
berufen und wirkte daselbst zuletzt als Ekklesiast der 
lutherischen Pfarrkirche und Pfarrer von St. Elisabeth, 
bis er im vorigen Jahre zum lutherischen General 
superintendenten in Kassel ernannt wurde. Wilhelm 
Kolbe, ein Schüler A. F. C. Bilmar's, hat sich sehr- 
eifrig mit germanistischen und volksgeschichtlichen 
Studien beschäftigt; er galt für einen der besten und 
gründlichsten Kenner der hessischen Geschichte und des 
hessischen, namentlich oberhessischen Volkslebens, und 
als Schriftsteller auf diesem Gebiete hat er eine ebenso 
fruchtbare ^wie rühmenswcrthe Thätigkeit entwickelt. 
Seine letzte Schrift war u. W. das sehr empfehlens- 
werthe Buch „Hessische Volks-Sitten und Gebräuche 
im Lichte der heidnischen Vorzeit", dessen zweite, 
sehr vermehrte Auflage vor wenigen Monaten in der 
N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung zu Marburg 
erschienen ist. — Hervorragend durch seine geistige 
Begabung, durch seine trefflichen Eigenschaften und 
Tugenden als Mensch, gleich ausgezeichnet als Prediger 
wie als Seelsorger, hat er sich einen bedeutungsvollen 
Wirkungskreis geschaffen. Er war mit seiner Heimath, 
mit seinem Volke eng verwachsen, und das Volk liebte 
und verehrte ihn. Dort, wo seine Wiege stand, in 
seinem geliebten Marburg, werdenseine Gebeine ruhen. 
Sein Andenken wird allzeit ein gesegnetes bleiben. 
' A. Z. 
Marburg. Die Zahl der in diesem Sommer 
semester immatrikulirten Studirenden der alma Phi 
lippina beträgt 924 gegen 843 im vorigen Winter 
semester. Dieselben vertheilen sich auf die einzelnen 
Fakultäten wie folgt (die in Klammern angeführten 
Ziffern geben die Zahlen des vorangegangenen Winter 
semesters an): 
Theologie 245 (212), Jurisprudenz 127 (104), 
Medizin 233 (256) und Philosophie 319 (290); 
von letzteren studiren 155 (l 35) Philosophie, Philologie 
und Geschichte, 93 (98) Mathematik und Natur 
wissenschaften, und 69 (57) Pharmazie und Zahn 
heilkunde. Der Nationalität nach zerfällt die Ge- 
sammtzahl der Studirenden in 778 (722) Preußen, 
109 (111) kommen auf die übrigen Reichsländer 
und 37 (30) auf außerdeutsche Länder (Dänemark 
1, Frankreich ^Großbritannien 4, Oesterreich-Ungarn 
7, Niederlande 1, Rußland 2, Schweiz 13, Afrika 
4, Amerika 2, Australien 1). Außer diesen 924 
immatrikulirten Studirenden haben noch 36 (64) 
Personen die Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen 
erhalten und beträgt somit die Gesammtzahl 960. 
Eingesandt. 
Der hiesige Metzgermeister Ploch, Eigenthümer des 
vor dem Beinersdorfschen und noch früher dem Kürschner 
Schunke gehörenden Hauses hinter dem Judenbrunnen, hat, 
als er eben jetzt dasselbe anstreichen und zurecht machen 
läßt, an der einen Seite zwei lebensgroße Figuren, eine 
männliche und eine weibliche, sowie noch verschiedene Bild 
hauer-Arbeiten bloß legen lassen, welche bisher durch Holz 
stücke verdeckt gewesen und ihm gänzlich unbekannt gewesen 
sind. Namentlich die Figuren haben denselben zur Ueber 
zeugung gebracht, das Haus müsse in früheren, längst ver 
gangnen Zeiten Besitzthum einer hoch angesehenen, vielleicht 
berühmten Familie gewesen sein. Bielleicht ist einer der Leser 
des „Hessenlandes" im Stand, Auskunft über die früheren 
Schicksale dieses, sicherlich sehr alten und vielleicht höchst 
interessanten Hauses zu ertheilen.— E. W. 
Krieskasten. 
B. Kassel. Freundlichen Dank und, wie Sie sehen, gleich 
etwas benutzt. Schw. würde sich recht wohl zur Veröffent 
lichung im „ Hessenland “ eignen. 
H. M. Marburg. Wir haben nichts Derartiges erhalten. 
H. K.sl. München. Vesten Gruß u. Dank für das freund 
liche Anerbieten, das wir selbstverständlich annehmen. 
Schriftlich mehr. 
L. K. Hersfeld. l) Unbrauchbar. 2) Soll gelegentlich 
Verwendung finden. 
I. M. Berlin. Wir haben schon einmal an dieser Stelle 
darum gebeten, uns die Adressen von hessischen landsmann 
schaftlichen Vereinigungen im Auslande zu senden. Wir 
wiederholen diese Bitte, durch deren Erfüllung wir sehr 
verpflichtet würden. 
Inhalt der Nummer 12 des „Hessenlandes": „Heimweh", Gedicht von M. S.; „Beiträge zur Geschichte des 
Städtchens Niedenstein und der Familie Heß von Wichdorff", herausgegeben von E. W. Heß von Wichdorff, (Forts.); 
,,Die Malerfamilie Tischbein", von Louis Katzenstein (Fortsetzung); „Karl Herquet", Nekrolog, von F. Zwenger (Schluß); 
„Hessische Ehrentafel", von Joseph Schwank, (Schluß); „Der Rechte", Hessische Dorfgeschichte von E. Mentzel, 
(Fortsetzung); „Gefeit", Gedicht von W. Bennecke; „Das Weinjahr 1540 in Hessen", Gedicht von Karl Finck; Aus 
alter und neuer Zeit; Aus Heimath und Fremde; Eingesandt; Briefkasten. 
Zum Abonnement auf das 3. Quartal unserer 
Zeitschrift „Hesienland" laden ergebenst ein 
Kassel, im Juni 1888. Redaktion mtfc Uerlag. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.