Full text: Hessenland (2.1888)

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sollte und Ihnen dafür nur obiger Preis und zwar 
lediglich für die ausgeschriebene Quantität binnen 
6 Monaten, welches überhaupt der Termin zur 
Zahlung ist, bezahlt werden wird. 
Kassel, den i. November 1813. 
Municipal-Kommission: 
v. Meyerfeld. Jhringk. v. Starckloff. Fulda. 
Eskuche. v. Manger." 
Das Handelshans hat dann in späterer Zeit seine 
Forderung aus der Stadlkasse bezahlt erhallen. 
N.-L. 
Aus Heimath und Fremde. 
Er, der erhabene Monarch, der Lieb 
ling des deutschen Volkes schon von seiner 
Kronprinzenzeit her, der Friedensfürst, 
an den sich die größten Hoffnungen des 
Vaterlandes knüpften, ist seiner tückischen 
Krankheit erlegen. Schier unfaßbar 
klingt die Kunde, und doch war es nicht 
anders zu erwarten nach den trüben 
Nachrichten, die seit gestern über seinen 
Gesundheitszustand verlauteten. Ganz 
Deutschland trauert, jedes Haus, jede 
Familie ist vom tiefsten Schmerze be 
wegt, und nicht Deutschland allein, die 
ganze civilisirte Welt, wohin immer nur 
sein Name und der Ruf seiner Thaten 
gedrungen, wird das Schicksal dieses 
Fürsten auf das Tiefste beklagen. 
Heute Mittag 1 Uhr traf die Trauerkunde 
hier ein, zur Zeit, als wir die heutige Nummer 
unserer Zeitschrift schon geschlossen hatten. Wir 
müssen es uns daher leider versagen, dem er 
habenen Kaiser, der sich den Besten seiner Vor 
fahren anreiht, heute schon den Nachruf zu wid 
men, der ihm gebührt, werden dies aber in 
unserer nächsten Nummer nachholen. 
Kassel. Am Sonnabend den 9. d. M. beging 
unser hessischer Landsmann, der gefeierte Dichter 
Dr, Julius Rodenberg und dessen Gemahlin 
Justin a, geb. Schiff aus Triest, in Berlin 
das Fest der silbernen Hochzeit. Es 
war dies ein Familienfest in der schönsten Bedeutung 
des Wortes. Die nächsten und näheren Verwandten 
des Jubelpaares, die Freunde und Verehrer desselben 
waren herbeigeeilt, um ihm die Glückwünsche 
darzubringen und den Ehrentag verherrlichen zu helfen. 
Vom frühen Morgen an liefen Gratulations-Tele 
gramme und Geschenke ein, von welchen letzteren ganz 
besonders ein Prachtdruck in Silber hervorgehoben zu 
werden verdient. Er enthält ein bisher noch nicht gedrucktes 
Jugendgedicht Rodenbergs, ein Märchen „Fantasus" 
betitelt, das derselbe noch als Gymnasiast in Rinteln 
zur Feier der silbernen Hochzeit des nun verstorbenen 
Konduktors Meyers in Rodenberg verfaßt hatte und 
das seit 1851, in welchem Jahre es ausgeführt worden 
war, unterden Erinnerungsblättern verborgen lag, welche 
die Mutter und die Schwestern des Dichters gesammelt 
und aufbewahrt hatten. Es war rührend, wie der 
Poet nun die Worte seiner Jugend auf sich am 
wenden konnte: „Dichterwort, Prophetenwort". Das 
Festmahl fand bei Dressel unter den Linden statt, an 
welchem sich die intimsten Freunde des Jubelpaares 
betheiligten. Hanslick, der bekannte Musikkritiker, der 
Abgeordnete Bamberger, Dr. Frenzel, Redacteur der 
„Nationalzeitung", Literat Dr. Schlenther, der Ver 
leger Paetel feierten dasselbe in glänzenden Reden, 
worauf der Jubilar tiefgerührt und mit tiefgefühlten 
herzlichen Worten dankte. Während seiner Rede lief 
ein sinniges Telegramm in poetischem Gewände von 
einem Hamburger Neffen ein, welches großen Beifall 
fand und den Beweis lieferte, daß das Dichtertalent 
ein wahres Erbgut der Familie ist. Weitere poetische 
Gaben trafen von Stettenheim und anderen be 
freundeten deutschen und italienischen Dichtern ein. 
Das schöne Fest währte bis zum frühen Morgen und 
der Verlauf desselben zeigte recht, welches Ansehens 
und welcher Liebe sich das Jubelpaar erfreut. Möge 
es ihm vergönnt sein, in gleicher Weise nach fünf 
undzwanzig Jahren auch das Fest der goldenen 
Hochzeit zu feiern. — 
Eben, als wir zur Presse gehen wollen, ist 
folgendes prachtvolle Gedicht von Julius 
R o d e n b e r g eingetroffen, das wir freudigst be 
grüßen und um so lieber veröffentlichen, als es uns 
wie ein treuer Spiegel der schönen gemüthsvollen har 
monischen Gesinnung des Jubelpaares erscheint: 
An unsere Freunde. 
Freunöeswünsche, Freundesgaßen 
Schmückten uns so reich das Fest, 
Dast, was wir empfunden haben, 
In kein Wort sich fassen säht.
	        

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