Full text: Hessenland (2.1888)

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seiner braven Katten entgegensetzte, und da 
durch dem Einbruch in das Innere vvn Deutsch 
land den Weg versperrte; ja, daß inan diesen 
Heldenschaaren vorzüglich zu danken hatte, daß 
nach dein unglücklichen Feldzug in Champagne 
die Franzosen gleichwohl aus Frankfurt und 
von der diesseitigen Rheinseite zurück in ihre 
erschnappten Kurmainzischen Schlupfwinkel ge 
drängt wurden: das, — das werden wir 
Rheinländer und mit uns das dankbare Vater 
land sobald nicht vergessen." 
In Girtanner's Revolutions - Almanach von 
1796 lesen wir endlich folgende Aeußerung eines 
k. k. Rittnieisters von Nasty von Leopold Tos 
kana-Husaren : 
„Mt der größten Bewunderung habe ich oft 
die Standhaftigkeit und den unerschütterlichen 
Muth der Hessen beobachtet. Noch nie hat 
sich eine Nation vor so vielen ausgezeichnet, 
als diese edle streitbare Nation der Hessen. 
Mit uns haben sie den ganzen Krieg sin 
Holland) über gleichen Dienst gethan, obgleich 
ihre Regimenter nicht halb so stark waren, 
als unsere; also alles Ungemach, das doch ge 
wiß unglaublich groß war, doppelt getragen; 
alle» Elementen, Hunger und Durst mit der 
größten Munterkeit Trotz geboten; nie einen 
Ueberfall sich zu Schulden kommen lassen und 
erfolgte ein beabsichtigter, so waren sie zum 
Empfange bereit, was die Franzosen oft 
nöthigte, ohne einen Schuß zu thun, wieder 
umzukehren. Ein aus 100 hessischen Leib 
dragonern bestehendes Kommando machte die 
Arrieregarde ganze 7 Wochen lang. In dieser 
langen Zeit wurde kein Pferd abgesattelt und 
jeden Abend aufgezäumt. Jeder Officier und 
jeder Reiter legte sich neben sein Pferd, um 
auf den ersten Schuß bereit zu sein .... Wie 
sehr die Hessen auf Ehre halten, davon gab die 
Garnison zu Ppern einen auffallenden Beweis. 
Man sagt nicht zu viel, wenn mau behauptet: 
daß, wenn ihre Anzahl so groß gewesen wäre 
als ihr Muth, ihnen keine Nation in der 
Welt widerstehen könnte .... 
Her Aechtr. 
Hessische Dorfgeschichte von <£. Mentzel. 
II. 
Aus dem Bergwalde, dessen höchste Lichtung 
eine weite Fernsicht über das herrliche Lahnthal 
südlich von der alten Stadt Marburg in Hessen 
bot, trat an demselben Nachmittage ein stattlicher 
Bursche in grauer, jackenartiger Joppe und einem 
großen Strohhut. Bevor er in den mählich ab 
steigenden Weg nach Wildenborn einbog, wandte 
er sich noch einmal um und blickte nach der Stelle, 
wo hinter hohen Buchen der Kirchthurm vvn 
Elbengrund und das durch seine frisch ange 
strichenen Gefächer weithin leuchtende Wohnhaus 
des Jochenhofes verschwunden war. Der Bursche 
war so in seine Gedanken vertieft, daß er einen 
alten Mann gar nicht gewahrte, der ein Stückchen 
hinter ihm den Waldweg herabkam und schon 
mehrmals mit einem eisenbeschlagenen Stock gegen 
Steine schlug, um sich dem Vordermann bemerklich 
zu machen. Endlich, als der Alte noch einmal 
einen Versuch gemacht hatte, sah der Bursche beim 
Einbiegen in den Feldweg zurück und blieb, in 
dem er freundlich grüßte, stehen, bis der Greis 
in dem dunkelblauen leinenen Kittel und dem 
verschabten Filzhute herangekommen war. 
„Habt Ihr schwer zu tragen, Bast?" fragte 
der Bursche dann, auf eine Ledertasche des Alten 
(Fortsetzung.; '/ • ' 
deutend, die an einen breiten Gürtel angeschnallt 
war. 
„O nein, Berthold," versetzte der Angeredete. 
„Heut hab' ich nur noch 'en wink Thymian und 
Nießwurz gelaugt, die allezwci vor Jakobi ein 
gelegt werden müssen." 
Der Bursche lachte, indem sie weitergingen. 
„Na, Bast," sagte er dann, „es hätt' auch ganz 
gewiß nix gethan, wenn Ihr den Thymian und 
die Nießwurz nach Jakobi geholt hättet. Ihr 
thut's nur wegen dem dummen Volk; selber macht 
Ihr Euch doch wahrhaftig nix weis." 
Der Alte zuckte die Achsel und lächelte schlau. 
„Wer auf Gottes Erdboden macht sich dapn naut 
weis? Thust du's dann nit auch, Berthold?" 
„Ich?" fragte der Bursche ganz betroffen. 
„Ja, du. Glaubst ja auch, gingst nur den 
Sonntag 'en wink spaziern und laufst doch, wahr 
lich, aus ganz anderem Grund dort oben herum. 
Mau kann so hübsch vom lichten Gippel*) dem 
Jochenhaunes selig sein stolzes Gehöft liegen sehen." 
Bertholds sonnverbranntes männlich schönes 
Antlitz entfärbte sich, und in seinen braunen 
Augen spiegelte sich ein jäher Schrecken. Dann 
sagte er ernst: „Bast, wenn wir ferner gute 
*) Gipfel.
        

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