Full text: Hessenland (2.1888)

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wurde und sich daran auch wirklich betheiligte. 
Dieser Fürst wollte eine regelmäßige Besteuerung 
der Städte durch Einführung eines sogenannten 
Umgelds einführen und hatte dieselbe gzich in 
den oberhessischen Städten bereits durchgesetzt. 
Die Städte in Niederhessen, voran Kassel, wollten 
sich aber diesem fürstlichen Begehren nicht fügen, 
sondern setzten demselben den entschiedensten 
Widerstand entgegen. Sie vereinigten sich zu 
einem förmlichen Bündnisse, welches am Freitage 
nach Sylvester 1376 zur Abwehr der Neuerung 
geschlossen wurde und auch Niedenstein war in 
dem Bunde. Der Landgraf warf ihren Wider 
stand zwar nach schweren inneren Kämpfen nieder 
und setzte seinen Willen zuletzt durch, aber aus 
ihnen erwuchs mittelbar der schwere Krieg, in 
welchen er dann mit dem Landgrafen von Thüringen, 
dem Herzog von Braunschweig und dem Erz 
bischof von Mainz verwickelt wurde und welcher 
bis 1390 das Land verheerte. 
Die Stadt Niedenstein, auch bald zum Ge 
horsam zurückgekehrt, stand in diesem Kriege in 
alter Treue zu ihrem Fürsten. Ihr schon oben 
erwähnter Zuzug nach Kassel im Jahre 1387, 
als diese Hauptstadt von den vereinigten Feinden 
bedroht und dann wirklich, aber erfolglos belagert 
wurde, ist ein Bewe s dafür, und obwohl Nieden 
stein — von seinen streitbaren Bürgern dadurch 
größteutheils entblößt — in Folge dessen dem 
von Kassel abgeschlagenen Erzbischöfe, welcher sich 
erzürnt auf Gudensberg und Niedenstein warf, 
ohne große Mühe in die Hände fiel und in 
denselben sammt der Burg volle 7 Jahre verblieb, 
so bewährte die Bürgerschaft doch nachher wieder 
ihre alte angestammte Hingabe an die Sache des 
Fürsten und des Landes.*) 
Sie wurde ihr durch Verleihung von Jahr 
märkten, Zollbefreiungen und andere Gnadcn- 
beweise vergolten, Wohlthaten, welche ihrem 
ferneren Gedeihen wohl zu statten kamen. — 
Schon 1367 wurde Niedenstein und Spangen 
berg der Landgräfin Elisabeth von Cleve, Otto's 
des Schützen Wittwe, zur Leibzucht mit angewiesen 
und beide Städte blieben in diesem Verhältnisse 
bis zu Elisabeth's 1382 erfolgtem Tode. Anno 
1471 wies Landgraf Heinrich der verwittweten 
*) Der Erzbischof hatte sich in diesem Kriege der Städte 
Niedenstein, Melsungen und Rotenburg bemächtigt und be 
kannte in einer Urkunde vom 2t. Septbr. 1387, daß er 
diese Städte argen den Landgrafen in Schutz nehme. Der 
Friede mit Mainz wurde zwar 1391 auf doniin. misericord. 
geschlossen und die Räumung und Rückgabe derselben an 
Hessen stipulirt, aber sie fand erst 1394 statt. (Hos- u. 
Sammt-Archiv.) 
Landgräfin Mechtilde die Gefälle von Niedenstein 
zur Morgengabe, diese behielt sie bis 1482, wo 
sie dieselben ihrem Sohne Wilhelm 1. wieder 
abtrat. 
Anno 1496 wurden Niedenstein, Felsberg und 
Rotenburg der Landgräfin Jolantha, gebornen 
Herzogin von Lothringen zur Versicherung ihrer 
Ehesteuer lind Morgengabe verpfändet. 
Diese Verschreibungen lassen darauf schließen, 
daß die landesfürstlichen Einkünfte von Nieden 
stein immerhin von Bedeutung gewesen sein 
müssen. 
Zu der Landsteucr, welche Landgraf Ludwig 
1471 den Städten und Gerichten im Lande auf 
erlegte, wurde die Stadt Niedenstein mit 200 
Gülden veranschlagt. — Vom Rathhause zahlte 
sie jährlich 6 Gülden 14 alb. Geschoß — 1536 
wurde sie mit 60 Gülden Landsteuer und 97 
Mann angeschlagen. 
Betreffs der landständischen Rechte und ihrer 
Ausübung Seitens der Stadt Niedenstein ist 
wohl nicht zu zweifeln, daß sie daran, wie alle 
hessischen Städte, Theil genommen habe, sobald 
überhaupt eine ständische Mitwirkung im Lande 
ins Leben getreten ist. Die ersten Spuren davon 
finden sich in der Zeit des Landgrafen Hermann, 
der 1372 einen Landtag in Kassel und 1387 
zwei solcher Landtage zu Spangenberg und Hom 
berg hielt. — Später, fast 100 Jahre darnach, 
berief Landgraf Ludwig II. 1468 die Städte 
Niederhessens zu einem Landtage nach Melsungen. 
Ihm folgten dann 1509 der Landtag am Spieß 
und 1514 der zu Treyßa. Erst in der Urkunde 
über diesen letzteren wird unter den vertretenen 
Städten Niedenstein ausdrücklich genannt, 
während in den Nachrichten von den älteren 
Landtagen seiner noch nicht erwähnt wird und 
überhaupt die Ueberlieferungen von denselben 
äußerst dürftig siud. — Daß aber Niedenstein 
schon sehr früh an den älteren Landtagen be 
theiligt gewesen sein müsse, läßt sich zuverläßig 
daraus schließen, daß es schon 1376 an dem zu 
Kassel errichteten Bunde der Niederhessischen Städte 
Theil nahm. An den späteren Landtagen des 
Landgrafen Philipp (1532, 1536, 1544, 1552) 
und seiner Nachfolger betheiligte sich unter den 
hessischen Städten auch Niedenstein regelmäßig, 
bis die neuere Zeit eine vollständige Umgestaltung 
in der landständischen Verfassung des Landes 
herbeiführte. — 
(Fortsetzung folgt.)
        

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