Full text: Hessenland (2.1888)

174 
4 
RuPPrecht: „Rechtgern! Adieu, HerrKurfürst!" 
Und damit endete die Zusammenkunft. Dem 
Kurfürsten hatie das von den ceremoniellen Hofformen 
weit entfernte, aber aufrichtige Benehmen des kleinen 
verwachsenen, selbstbewußten Mannes, wohl gefallen. 
Und da gerade er es liebte, den Künstlern, Hand 
werkern und Geschäftslenten seiner Residenzstadt 
Kassel seine Aufträge zu ertheilen, so wurden von 
nun an für den Kasseler Hof auch die Operngucker 
und sonstigen optischen Instrumente von Gustav 
Rupprecht bezogen. Ir. Z. 
Todesfälle. Wir haben bereits in der letzten 
Nummer unserer Zeitschrift gemeldet, daß am 9. Mai 
zu Wiesbaden der Generallieutenant z. D. Albrecht 
von B a r d e l e b e n, der älteste von den ehemals 
kurhessischen Offizieren, im 85. Lebensjahre gestorben 
ist. Dank der gütigen Mittheilungen eines hoch 
geschätzten Freundes unserer Zeitschrift sind wir 
heute in der Lage, folgende Einzelheiten aus dem 
Leben des Verblichenen bringen zu können. Albrecht 
Goswin Friedrich Heinrich von Bardeleben 
war geboren am 10. Juli 1803 zu Kassel als der 
älteste Sohn des am 2. April 1856 verstorbenen 
Generallieutenants a. D. A L. von Bardeleben, wel 
cher im Jahre 1848 kurze Zeit kurhessischer Kriegs 
minister war. Albrecht von Bardeleben besuchte von 
1815 an, zur Vorbereitung für den Militärdienst, das 
kurfürstliche Kadettenhaus zu Kassel, am 25. Mai 
1821 wurde er zum Secondelieutenant im 2. kur 
hessischen Husarcn-Regiment, welches in Hofgeismar 
stand, ernannt; am 1. Dezember 1828 wurde 
er zürn Premierlieutenant in demselben befördert und 
zum Adjutanten des Kommandeurs der Kawallerie- 
Brigade, Generalmajors Scheffer, ernannt. Am 23. 
Mai 1830 wurde er, unter Beibehaltung der Stelle 
als Brigade-Adjutant, zu der Division Garde du Korps 
versetzt. Am 30. September 1838 wurde Albrecht 
von Bardeleben zum Rittmeister und Eskadronschef 
im Leibdragoner-Regimeat zu Hofgeismar befördert, 
18-10 wieder in die Garde du Korps zurückversetzt und 
am 8. Dezember 1843 zum Major und Kom 
mandeur der Division Garde du Korps ernannt. Im 
Jahre 1846 in das 2. Husaren-Regiment versetzt, 
war er seit dem I I. Februar 1848 kurze Zeit als 
Flügeladjutant des Kurfürsten kommandirt und wurde 
am 28. Februar zum Oberstlieutenant befördert. 
1850 wurde er mit dem Kommando des 2. Husaren- 
Regiments beauftragt, am 22. Januar 1852, unter 
Beförderung zum Oberst, zum Kommanddur dieses 
Regiments ernannt und am 27. März 1854, unter 
Beförderung zum Generalmajor, zum Kommandeur 
der kurhessischen Kawallerie-Brigade ernannt. Vom 
September 1854 bis 1855 war er auch interimistisch 
1. Kommandant der Residenzstadt Kassel. Bei dem 
Uebergang der kurhessischen Offiziere in die preußische 
Armee wurde er am 16. Oktober 1866, unter Ver 
leihung des Charakters als Generallieutenant, mit 
Pension zur Disposition gestellt, worauf er seinen 
Wohnsitz von Kassel nach Wiesbaden verlegte. — 
Während einer nahezu fünfzigjährigen aktiven Dienst 
zeit hat der Dahingeschiedene sich hervorragende Ver 
dienste um Ausbildung der kurhessischen Kawallerie 
erworben und sich jederzeit durch strengste Pflicht 
erfüllung, unerschütterliche Anhänglichkeit au seinen 
Kriegsherrn, treueste Kameradschaft und die wohl 
wollendste Gesinnung gegen seine Untergebenen in 
hohem Grade ausgezeichnet. Die allgemeine Liebe und 
Hochachtung, welche ihm im Leben von seinen Kame 
raden und allen, die ihn kannten, entgegengebracht 
wurden, folgen ihm unverkürzt auch über das Grab 
hinaus. 
— Am 22. Mai verschied nach schwerem Leiden 
der Landrichter Heinrich Henkel zu Kassel. 
Geboren am 25. November 1649 als Sohn des 
Repositars Konrad Henkel in Kassel, besuchte er das 
Gymnasium seiner Vaterstadt, das er zu Ostern 1868 
absolvirte. Er trat hiernach als Einjährig-Freiwilliger 
bei dem 2. thüringischen Jnfanterie-Regimente Nr. 32 
ein, dessen Füsilier-Bataillon damals hier in Kassel 
lag, widmete sich hierauf dem Studium der 
Mathematik uiib der Naturwissenschaften auf den Uni 
versitäten zu Marburg und Berlin und wurde beim 
Ausbruch des deutsch-französischen Krieges im Juli 
1870 zum Dienste in dem I. niederschlesischen Jn 
fanterie-Regimente Nr. 46 einberufen. Beiin Angriffe auf 
die Weinberge in der Schlacht von Wörth wurde er 
verwundet und nach dem er gefallen, erhielt er noch zwei 
Schüsse in das rechte Bein. Diese schweren Verwun 
dungen machten eine Amputation des Beines oberhalb des 
Kniees nothwendig, die im Diakonissenhause zu Frank 
furt a./M. vollzogen wurde. Von nun an trug er 
ein künstliches Bein. Für seine Tapferkeit wurde 
ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Heinrich Henkel 
setzte nun seine Universitätsstudien in Leipzig, Göt 
tingen und Marburg fort, doch war er von bcui 
Studium der Mathematik zu demjenigen der Rechts 
wissenschaft übergegangen. Sein Referendarexamen 
bestand er 1874, sein Assessorexamen im November 
1879 mit der Qualifikation „gut". Zunächst war 
er hiernach bei dem Landgerichte zu Frankfurt a./M., 
dann bei der Staatsanwaltschaft in Hanau beschäf 
tigt. Im Jahre 1881 wurde er zum Amtsrichter 
in Kasselernannt und 1885 zum Landgericht daselbst ver 
setzt. Verheirathet war Heinrich Henkel seit Mürz 
1879 mit Victorine, geb. Wittich von Kassel, und 
nach deren 1881 erfolgten Tode, seit 1886 mit 
Clara, geb. Scherb, gleichfalls von hier. Jeder 
dieser beiden glücklichen Ehen entstammte ein Knabe. 
— Das hiesige Landgericht hat durch den Tod des 
Landrichters Heinrich Henkel einen schweren Verlust 
erlitten. Der Verblichene, welcher seiner Wissenschaft 
mit Leib und Seele ergeben war, zeichnete sich ebenso 
durch vortreffliche Persönliche Eigenschaften, wie durch
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.