Full text: Hessenland (2.1888)

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Anwesenden mit kleineren Mauerresten vorgezeigt 
wurden,) lasse darauf schließen, daß es ein Sanunel- 
grab gewesen sei und würden sich bei weiterer Aus 
grabung noch eine größere Anzahl solcher Lagen auf 
finden lassen, nach der geringen Anzahl von Kohlenresten 
sei anzunehmen, daß sich die Brandstelle außerhalb 
des Grabes befunden habe. 
Nachdem die Anwesenden Herrn Dr. Pinder den 
Dank für seine Bemühungen ausgesprochen hatten, 
wurde die Fahrt durch die schöne, namentlich an 
prächtigen Aussichtspunkten reiche Gegend nach der 
alten Stadt Immen hausen angetreten, in welcher 
Kaiser Heinrich II. in Jahre 1015 das Pfingstfest 
gefeiert hat, von deren altem Glanze aber nur noch 
geringe Spuren sichtbar sind. Es galt hier haupt 
sächlich der Besichtigung der Kirche, bei welcher der 
dermalige Pfarrer, Herr Vilmar, in freundlichster 
Weise die Führung übernommen hatte. Diese Kirche, 
welche bereits im Jahre 1385 und dann im dreißig 
jährigen Krieg im Innern verwüstet wurde, ist be 
sonders dadurch bekannt geworden, daß nachgewiesener 
maßen in ihr zuerst in Hessen die Lehre Luthers gepredigt 
wurde. Wie nach einem Aufsatze A. S. B. Vilmars 
im B. II 17. S. der Zeitschrift des Vereins für- 
hessische Geschichte und Landeskunde anzunehmen ist, 
war dies der aus dem Dorfe Miest bei Gardelegen 
gebürtige Bartholomäus Rieseberg. Der Rath der 
Stadt hatte ihn zum Prediger berufen, der päpstliche 
Prädikant ihn aber in den Bann gethan, worauf 
Landgraf Philipp der Großmüthige, welcher die neue 
Lehre noch nicht angenommen hatte, am 12. Juni 
1523 ihn festnehmen und in Grebenstein in einen 
Thurm legen ließ, aus welchem er aber schon nach 
einigen Wochen mit Hilfe einer Frau entwich. Von 
den wenigen aus alten Zeit herrührenden, im Innern 
der Kirche befindlich gewesenen Gegenständen, ist am 
bemerkenswerthesten ein hoher, jetzt im Pfarrgarten 
befindlicher Taufstein aus Sandstein mit der Jahres 
zahl 1497, in dessen Rand Christus und die zwölf 
Apostel mit ihren Emblemen eingehauen sind. A. L. 
Auf der Ebern bürg wurde am 22. Mai der 
Grundstein des H u t t e n - S i ck i n g e n - D e n k m a l s 
gelegt. Das von Cauer entworfene Doppelstandbild 
wird auf der östlichen Plattform des Ebernburgberges 
aufgestellt werden und weit im Nahe- und Alsenz- 
thale sichtbar sein. Gerade gegenüber auf dem 
Niederwald, allerdings durch Bergzüge verdeckt, thront 
die Germania. Die Feier vollzog sich in programm 
mäßiger Weise; die Festrede hielt Professor von Gneist, 
der bemüht war, die Gegensätze, welche zur Zeit 
Huttens im Reiche herrschten, Gegensätze, aus denen 
heraus Hutten ja selbst geworden war, durch einen 
versöhnenden nationalen Gedanken zu überbrücken. 
Anwesend waren Vertreter der bayerisch und preuß 
ischen Behörden und zahlreiche Gäste aus Nah und 
Fern, darunter auch ein Nachkomme Sickingens, 
Graf Reccum, und ein Abkömmling deren von Hutten, 
Graf Bogdan Hutten-Czapski der (irren wir nicht) 
Offizier des in Kassel liegenden Husaren-Regiments' 
ist. Der eigentlichen Feier schloß sich ein Festessen 
in den Räumen der Ebernburg — die Ruine ist 
von einem Kreuznacher Bürger wieder lpohnlich ein 
gerichtet — an, das in jeder Beziehung die Theil- 
nehmer befriedigte. S. 
Kurfürst Friedrich Wilhelm u n d Op 
tik u s Gustav R u P p r e ch t. Kürzlich starb in 
Kassel im 88. Lebensjahre der Optikus und Mecha- 
nikus Gustav R u p p r e ch t, der durch seine vor 
trefflich geschliffenen Gläser und optischen Instrumente 
einen weit über unser engeres Vaterland hinaus 
gehenden Ruf genoß. Interessant ist eine Begegnung 
desselben mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm, die 
für beide, den Fürsten wie den einfachen schlichten 
Bürger, von charakteristischer Bedeutung ist. Wir 
schicken voraus, daß Gustav Rupprecht von zwerg- 
hafter, verwachsener Gestalt war, bei seinem einfachen Sinn 
sich um die konventionellen Formen der Welt, auch 
den Höchsten gegenüber, gar nicht kümmerte und darin 
seinen Ehrgeiz, wenn überhaupt jemals von einem 
solchen bei dem schlichten Mann die Rede sein konnte, 
suchte, ein ebenso tüchtiger Fachmann, wie wackerer 
Bürger zu sein Und nun zur Sache selbst: Der 
Kurfürst hatte in den 50. Jahren einen sog. Opern 
gucker zu dem theuern Preise von acht Louisdor in 
Berlin gekauft. Zu seinem Schaden sollte er bei 
seiner Rückkunft nach Kassel entdecken, daß die Gläser 
. des Instrumentes seinen Augen nicht passend waren. 
> Der Kurfürst klagte darüber bei einem seiner Hof 
diener und dieser machte ihn auf den Optikus 
Rupprecht in Kassel aufmerksam, der dem Uebelstande 
leicht abhelfen könne. Der Kurfürst ließ denselben 
rufen und dieser erschien dann auch sofort. Da soll 
sich dann ein Zwiegespräch entwickelt haben, das wir so 
wiedergeben, wie wir es früher schon gehört und neuer 
dings von unterrichteter Seite bestätigt erhalten haben. 
Rupprecht beim Eintreten in das Wohnzimmer 
des Kurfürsten: „Guten Tag, Herr Kurfürst!“ 
Der Kurfü rst: „Guten Tag, Herr Rupprecht! 
Ich habe in Berlin diesen Operngucker für acht Louis 
dor gekauft, kann ihn aber nicht brauchen, denn ich 
sehe nichts daraus." 
Rupprecht, den Operngucker untersuchend, er 
klärt : Herr Kurfürst, der Operngucker ist recht schön, 
nur die Gläser taugen nichts, das ist Fenster 
glas. Warum nehmen Sie nicht die von mir ge 
schliffenen Gläser, die ich für ihre Augen passend 
mache, die kann ich Ihnen mit gutem Gewissen em 
pfehlen „Herr Kurfürst", und Ihre Augen werden 
nicht darunter leiden." 
Der Kurfürst. Ja, das will ich auch thun. 
Aber wollen Sie mir in diesen Berliner Operngucker 
nicht andere Gläser einsetzend
        

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