Full text: Hessenland (2.1888)

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des Gipfels keinen Platz dazu übrig ließ und 
der zeitweise eintretende Wassermangel auf der 
Höhe — einige spärliche Quellen unterhalb der 
Kuppe verstechten im Sommer — namentlich keine 
Viehhaltung daselbst zuließ. So entstanden ohne 
Zweifel am westlichen Fuße des Berges bald 
einige Wirthschaftshöfe. Das zur Besorgung 
dieser ökonomischen Wirthschaften dienende Gesinde 
bildete daher wahrscheinlich die erste Bewohner 
schaft dieser ersten Niederlassung. Es mögen sich 
dann unter dem Schutze der nahen Burg nach 
und nach Handwerker und Krämer angesiedelt 
haben, auch schlugen in dem so entstandenen Orte, 
der schon 1229 Thal-Niedenstein genannt wird, 
einzelne der Burgbesitzer selbst oder deren Familien- 
Angehörige ihren Wohnsitz auf. 
Die schon erwähnten v. Heß'schen Familien- 
Nachrichten melden: 
„Daß das stettlein zu Nyedenstein damahlen 
(um 1170) noch nit erbawet geweßen, sondiern 
erst speterhin von denen leutten, so zur burgk 
gehörig, nach und nach unttern bnrgkberg ahn 
gerichtet worbten." — 
Es heißt dann weiter: 
„Anno 1229 hat Hugo Hesso d. jünger, Lent- 
sridi söhn, von Theodorico v. Gassenhausen 
dessen Kemnoden auffn Nyedenstein sambt ein 
hoff zu thal-Nyedenstein lind zubehoernng umb 
70 Mark erkansfet." 
Darauf findet sich die spätere Nachricht: 
„ Anno 1236 aufs St. Johannis abendt schlüge 
der Blitz in Heimeradi Wackermulen kemnoden 
anffn Nyedenstein undt verdürbe solche biß auffs 
gemäur, thät auch denen andteren gancrben 
schabten. Darvon Heimeradus schreckcns ver 
storben undt sein Burgkseß auf die v. Elben 
kommen alß ein erbe." 
In der That erscheint etliche Jahre später der 
damals mächtige Ritter Conrad v. Elben urkundlich 
als Mitbesitzer der Burg, denn er stellt 1254 eine 
Urkunde in Niedenstein (Nyhenstein) in Castro 
nostro — in stupa nostra“ aus. Sein Einfluß 
wurde aber auch für das „ThalNiedenstein", dessen 
Entwickelung lind politische Zukunft von ent 
scheidender Bedeutung, denn wir finden in obigen 
Nachrichten weiter: 
„Anno 1254 ist zur Vastnacht zu Thal Nyden 
stein ein groß fewer ahngangen, hat die höff 
allda meist verderbet, darauff man solche new 
aufigebawet undt ist auf ahnstifften Conradi 
v. Elben von Grafs Gottfrido von Reichenbach, 
so domahlen ein stadthaldter in Hessenlandt 
geweßen, ein stettlein darauß gemachet, auch 
ahnfenglich mit ein pfahlziegelwerck sambt schantz- 
graben ümbfangen. Obwohlen die andtern 
ganerben zur burgk Nydenstein übell darmit 
zuffrieden geweßen, hat es doch nichtß geholffen 
undt sind selbige mit etzlichen güthern undt 
zinßen zu Gudensberg undt Venndten abge- 
speyßet worbten." — 
Damit war die Erhebung des Dorfes Thal- 
Niedenstein zur Stadt und ihre Zuwendung an 
die Landgrafschaft Hessen bewerkstelligt und man 
darf annehmen, daß dies noch in den fünfziger 
Jahren des XIII. Jahrhunderts geschah. 
Im Jahre 1266 hatte Niedenstein bereits einen 
landgräflichen Stadtschultheißen, denn in einer 
snb ckato Nydenstein in die Tiburtii et Va- 
leriani über Güter zu Wagenhausen ausgestellten 
Urkunde wird als solcher Engelbertus genannt 
und als Rathsherren kommen H. v. Gran und 
C. v. Besse vor. Theodoricus, Pfarrer zu 
Wichdorf, erscheint dabei als Zeuge. 
Die Besitzer der Burg hatten aufgehört, Herren 
des Ortes zu sein und waren fortan, insofern 
sie Häuser und Höfe in der nunmehrigen Stadt 
besaßen, Bürger derselben geworden. 
Noch blieb zwar die neue Stadt in kirchlichen 
Dingen vom Mutterorte Wichdorf abhängig, 
denn sie blieb noch lange Filial der Mutterkirche 
daselbst, aber die Erwerbung des Stadtrechts, 
worüber leider keine Urkunde auf uns gekommen 
ist, verlieh der zur civitas erhobenen Tochter 
bald den politischen Vorrang über die Mutter- 
gemeinde und sie wurde fortan thatsächlich der 
Vorort dieser Mark. 
(Fortsetzung folgt.) 
)u Ualerfamilie Wschbein. 
Von Louis Nntzenstein. 
n der Geschichte der Malerei einzig dastehend 
ist es, daß nicht weniger als vierzehn Maler 
dieses Namens aus einem bescheidenen Hause 
hervorgingen und daß Alle mehr oder weniger 
zu Ruf und Ansehen in ihrer Kunst kamen. 
Der Ahnherr dieser Künstlerfamilie, Johann 
Heinrich Tischbein, geb. in Marburg 1682, war 
Hospitalsbäcker in Haina, wo er im Jahre 1764 
starb. Bei seinem prosaischen Gewerbe muß er 
ein Mann von einer, für die damalige Zeit nicht
        

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