Full text: Hessenland (2.1888)

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Anträge zur Geschichte des Ktäötchens Webenstein und der 
Uamilie Keß v. Wichdorff. 
Herausgegeben von Ernst Wolfgang Hetz v. Wichdorff. 
(Fortsetzung.) ->czr> 
III. Die Stadt Niedenstein. 
I. Lage. 
Die Stadt liegt am westlichen Fuße des 
Niedensteiner Burgbergs auf einer sich sanft bis 
an die Wiehof herabziehenden Vorstufe desselben, 
die dann steil in den Rinnsal des Baches abfällt, 
so daß die Stadt durch diesen steilen Uferabhang 
gegen die Westseite eines natürlichen Schutzes 
genoß. Einen gleichen Vortheil bot ihr der nörd 
liche Abhang der natürlichen Terrasse, auf welcher 
sie erbaut ist und die Südseite der Stadt ist 
durch eine ziemlich tief eingeschnittene schmale 
Bodenfalte, welche das vorliegende Terrain ab 
schneidet und einen natürlichen Graben bildet, 
ebenfalls geschützt. Auf der Ostseite steigt die 
Stadt allmählig gegen den Burgberg hinan, der 
sich unmittelbar vor dem an dieser Seite liegenden 
Oberthore steiler erhebt und in einer 1518' hohen 
Basaltspitze gipfelt. 
Der so begrenzte Stadtrauin ist ziemlich be 
engt, selbst für ihre bescheidene Größe sehr be 
schränkt; die Straßen sind abhängig und schmal 
und man sieht allenthalben, daß man der von 
der Oertlichkeit gebotenen Sparsamkeit der räum 
lichen Benutzung des gebotenen Terrains schon 
von Anfang an hat Rechnung tragen müssen. 
Die Umgebung der Stadt bietet viele land 
schaftliche Reize. Zwar ist der Niedensteiner 
Burgberg, der früher um den Gipfel her mit 
einem dichten Bnrghaine bewachsen war, schon 
seit langer Zeit völlig abgeholzt und entbehrt so 
seines ehemaligen Waldschmuckes, aber seine Rasen 
decke verleiht ihm doch wohlthuende Farbentöne 
(neuerdings hat man übrigens damit begonnen, 
den Berg stellenweise mit jungem Fichteubestand 
wieder aufzuforsten) und sein kühn emporstrebender 
Basaltgipfel verleiht ihm eine imposante Krönung. 
Nordöstlich der Stadt erhebt sich ein anderer 
schroff aufsteigender Basaltkcgel, welcher aber noch 
Alle Rechte vorbehalten. 
bewaldet ist, der Sengelberg, und an diesen reiht 
sich dahinter nach Norden wie ein Zwillingsbruder 
ein gleichfalls noch bewaldeter Basaltpik, der 
Steinbcrg, hinter welchem nordöstlich aus waldigem 
Thäte die Wiehoft hervorkommt. Nach Nordwesteu 
ragt der Reichenbachswald, welcher die Stätte der 
Altenburg trügt, und davon südwestlich der hohe 
Einßerberg empor, während sich durch das nach 
Süden geöffnete Thal die Aussicht nach der Ebene 
von Gudensberg mit ihren vereinzelten Basalt 
gipfeln, dem Wartberg, Nacken- und Leuchtenberge 
erschließt. Aber wahrhaft großartig ist die Aus 
sicht von der Kuppe des Niedensteiner Burgberges, 
denn sie beherrscht nicht nur das nächst umliegende 
Berg- und Thalgelände, sondern sie erstreckt sich 
weit über die ganze nach Nord und West gelegene 
Bergregion und man sieht von da die Riesenburg 
init dem Herkules bei Wilhelmshöhe, den Hasuuger 
Berg mit seiner Thurmruine, den Weidelberg 
mit seinen Burgtrümmern und die hinterliegenden 
Waldeck'schen Gebirge. Nach Süden hin schweift 
das Auge über die Ebene von Gudensberg bis 
zu den fernen Höhen des Knüllgebirges und selbst 
bis zum Vogelsberge. 
2. Entstehung der Stadt. 
Die ersten Anfänge fallen ohne Zweifel noch 
in die letzte Hälfte des XII. Jahrhunderts, wohl 
schon in die ersten Jahrzehnte nach Erbauung 
der Burg Niedenstein. Die Besitzer derselben 
unterhielten, wenn sie auch selbst nicht alle ihren 
Wohnsitz auf derselben hatten, sondern zum Theil 
auf anderen Burgen hausten, ihre Vögte und 
Burglcnte darauf. Die Bedürfnisse der Burg- 
bewohner machten gewiß schon früh etwas Land- 
wirthschaft und die Errichtung dazu erforderlicher 
Gebäulichkeiten unterhalb der Burg nöthig, da 
die hohe Lage und schwierige Zugänglichkeit der 
selben einem landwirthschaftlichen Betriebe da oben 
hinderlich war, auch die beschränkte Räumlichkeit
	        

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