Full text: Hessenland (2.1888)

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Lebenszeit durch ein schweres Leiden sehr getrübt 
war, bei Allen, die ihm im Leben näher getreten sind, 
ein bleibendes, ihn ehrendes Andenken. 
K. 
Am 9. d. M. starb zu Wiesbaden der General 
lieutenant z. D. Albrecht Friedrich von Barde 
leben, im 85. Lebensjahre. Er war der älteste von 
ben Offizieren der ehemaligen kurhessischen Armee. Als 
Kommandeur der kurhessischen Kawalleriebrigade, welche 
Stelle er von 1853 bis 1866 bekleidete, hat er sich 
das Verdienst erworben, die Ausbildung der hessischen 
Kawallerie auf jene Stufe zu bringen, durch welche 
sie sich so Vortheilhaft auszeichnete, und die ihr die 
allgemeine Anerkennung militärischer Fachmänner ge 
sichert hat. Wir hoffen in der Lage zu sein, in der 
nächsten Nummer unserer Zeitschrift Näheres aus dem 
Leben dieses ausgezeichneten Offiziers mittheilen zu 
können. 
Am 13. d. M. verschied dahier nach langem schweren 
Leiden der Hauptmann im 4. Garde-Regiment zu 
Fuß, Max von L'Estocq. Seit 1883 Platzmajor 
von Kassel, war derselbe ein sehr eifriges Mitglied 
des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 
in welchem er wiederholt Vorträge hielt. Er galt 
für eine Autorität auf dem Gebiete der Heraldik, und 
zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des genannten 
Vereins im Jahre 1884 gab er das treffliche Werk: 
^Hessische Landes- und Städte-Wappen" (Kassel bei 
Freyschmidt) heraus, das eine sehr günstige Aufnahme 
fand. — 
Der Nummer 9 unserer Zeitschrift war der Prospekt 
des kürzlich in der N.G. Elwert'schen Universitäts-Buch 
handlung zu Marburg erschienenen Werkes „Hessische 
Holzbauten/ herausgegeben von L.B ick ell beigefügt; 
der heutigen Nummer ist der Prospekt des im gleichen 
Verlage erschienenen Werkes: „St eitere Silb er 
arbeiten in den Königlichen Sammlungen 
zu Kassel/ herausgegeben von Dr. Professor C. 
Alhard von Dracke in Marburg, beigegeben. 
Auf beide Prachtwerke, auf welche wir noch zurück 
kommen werden, machen wir die Leser unsrer Zeit 
schrift ganz besonders aufmerksam. 
Hessische Kücherschau. 
Chladni's Leben und Wirken nebst einem 
chronologischen Verzeichnis seiner literärischen Arbeiten, 
dargestellt von Dr. Franz Melde, Professor an 
drr Universität Marburg. Mit einem Bildnisse 
Chladni's und fünf Figuren im Texte. Zweite Auf 
lage. Marburg. N. G. Elwert'sche Verlagsbuch 
handlung 1888. 
Es ist eine in schöner, flüssiger, auch dem Laien ver 
ständlicher Sprache geschriebene Schrift, die uns hier 
vorliegt. Zuerst im Jahre 1867 als Programm 
gelegentlich einer Marburger Universitäts-Feierlichkeit 
erschienen, ist jetzt eine zweite Auflage nothwendig 
geworden, bei welcher sich der Verfasser an der Hand 
Chladni'scher Schriften bemüht hat, die Darstellung 
zu erweitern und umzugestalten. Das vielbewegte 
Leben des weltbekannten Physikers, der sich durch seine 
epochemachenden Entdeckungen auf dem Gebiete der 
Lehre des Schalls, durch seine richtigen Ansichten 
über die F e u e r m e t e o r e unvergänglichen Ruhm 
erworben hat, bietet hochinteressante Momente. Ernst 
Florenz Friedrich Chladni war am 30. November 
1756 zu Wittenberg geboren. Die Familie stammte 
aus Ungarn, von woher ein Vorfahre im Jahre 1673 
nach Deutschland auswandern mußte. Der Vater, 
ein gelehrter Jurist in Wittenberg, erzog seinen Sohn 
sehr strenge. Früh schon trat bei dem jungen Chladni 
die Neigung für die Naturwissenschaft zu Tage, und 
diese, verbunden mit Medizin, wollte er auch, nach 
dem er die Fürstenschule zu Grimma absolvirt hatte, 
studiren, doch der unbeugsame Sinn seines Vaters 
hatte es anders beschlossen. Er sollte und mußte 
sich der Rechtswissenschaft widmen, er schrieb auch 
in Leipzig zwei Dissertationen und kehrte mit den 
vorzüglichsten Zeugnissen und dem juristischen Doktor 
titel nach Wittenberg zurück. Kurz darauf starb sein 
Vater (am 4. März 1782) und nun trat von neuem seine 
Neigung zu den Naturwissenschaften unwiderstehlich 
hervor, er hielt akademische Vorlesungen, und die 
Aufgabe, als Forscher auf dem Gebiete der letztern 
etwas Neues zu leisten, hatte er in ihrem ganzen 
Umfange erfaßt. Er eilte denn auch von Entdeckungen 
zu Entdeckungen. Eine der wichtigsten und schönsten 
ist die Entdeckung der Klangfiguren auf ebenen Scheiben, 
Figuren, die man nach ihrem Entdecker die Chlad 
ni'scheu Klangfiguren genannt hat. Interessant 
ist die Art und Weise, in welcher Professor Melde 
diese Entdeckung darstellt. Er schreibt: „Wie es 
so oft beim Verfolgen eines Gegenstandes geht: daß 
nämlich ein Umstand eine plötzliche Idee erregt, welche 
unmittelbar eine Entdeckung zur Folge hat, so geschah 
es auch hier. Im Jahre 1771 hatte der Göttinger 
Professor Lichtenberg gefunden, daß der elektrische 
Funke, wenn er auf einen Nichtleiter überspringt, 
eigenthümliche Spuren zurückläßt, die sichtbar gemacht 
werden können, dadurch, daß man die betreffende 
Gegend mit einem Pulver (z. B. Harzpulver) bestreut. 
War der überspringende Funke positiv, so ordnete 
sich dieses Pulver zu einer strahlenförmigen Figur, 
war er negativ, so entstanden mehr wolkenförmige 
Gebilde. Diese eigenthümlichen Figuren, welche den 
Namen Lichtenberg'sche Figuren erhalten 
haben, erregten auch die Aufmerksamkeit Chladni's; 
er machte verschiedene Versuche der Art nach, wobei 
ihm plötzlich der Gedanke kam, ob sich nicht auf 
ebenen Scheiben, sobald sie klingen, durch aufge
        

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