Full text: Hessenland (2.1888)

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frühern Kapitäns im RegimentSchenk, Wilhelm Mensing, 
zu erwähnen. Danach hatte dieser wider seinen Willen 
an die Spitze der etwa 5000 Mann zählenden hessischen 
Soldaten, welche sich in Spangenberg zum Aufstand 
vereinigt halten, treten müssen, und war vorzugsweise 
seinem umsichtigen Vorgehen die Proklamation des 
Lagrange, zu verdanken, in welcher es den hessischen 
Soldaten frei gestellt wurde, ob sie in französischen 
Dienst treten wollten oder nicht. Diese Proklamation 
und die weiter von Mensing im Verein mit den 
früheren hessischen Ministern von Waitz und von Baum 
bach an den früheren Garnisonsorten gehaltenen be 
ruhigenden Ansprachen hatten wesentlich zur Beendigung 
des immer bedrohlicher gewordenen Aufstandes bei 
getragen. 
Von besonderem Interesse waren dann noch die 
Mittheilungen über die bisher nicht erwähnten erfolg 
reichen Bemühungen des Bevollmächtigten der Stadt 
Hersfeld, P. Morchutt, zur Rettung dieser von 
Napoleon dem vollständigen Untergang bestimmten 
Stadt. Hiernach war es diesem gelungen, den mit 
Ausführung des Befehls Napoleons, Hersfeld auszu 
plündern und dann niederzubrennen, beauftragten 
französischen General Barbot mit 1000 Karolin 
zu bestechen und dadurch die Stadt mit Hülfe des im 
Einverständniß mit Barbot handelnden Kommandeurs 
des badenschen Jägerbataillons, Major Lingg, in der 
bekannten Weise vom Untergang zu retten. 
Der treffliche Vortrag des Redners erndete all 
gemeinen Beifall. 
Todesfälle. Am Sonntag den 15. April 
starb nach schwerem Leiden an einer sehr schmerz 
haften Krankheit (Lippenkrebs) in seinem 73. Lebens 
jahre zu Homberg der frühere Pfarrer von Reichen 
sachsen Ernst Neu der. Im Jahre 1873 hatte 
er sich den Renitenten angeschlossen und war in Folge 
dessen seiner Pfarrei verlustig gegangen. Seit jener 
Zeit lebte er in Homberg. Seine Freunde rühmen 
seinen Biedersinn und die Lauterkeit seines Charakters. 
— Am 22. April verschied zu Marburg in seinem 
79. Lebensjahr der lutherische Superintendent vr. tüeol. 
P hilip p Kü mm el. Geboren am 2. Dezember 1809 
zu Münchhausen (Kreis Marburg), wo sein Vater- 
Pfarrer war, studirte er auf der hessischen Landes 
universität Theologie; am 23. Dezember 1832 wurde 
er ordinirt und seinem Vater als Gehilfe beigegeben. 
1638 erhielt er eine Lehrerstelle am Seminarium zu 
Homberg und 1847 die erste Pfarrstelle an der lu 
therischen Kirche zu Frankenberg. Am 2. Mai 1858 
trat er sein neues Amt als Oberpfarrcr der lutherischen 
Kirche zu Marburg, Superintendent und Konsistorial- 
rath an, feierte am 23. Dezember 1882 sein fünfzig 
jähriges Ordinariatsjubiläum, bei welcher Gelegenheit 
ihm seitens der theologischen Fakultät zu Marburg 
der Doktortitel honoris causa verliehen wurde. — 
Seit Einführung der Reformation im Jahre 1527 
in Hessen war Kümmel der 25. Superintendent 
Oberhessens. Die längste Dienstzeit hatte unter der 
selben der Professor der Theologie 1)r. Karl Wilhelm 
Justi mit 44 Jahren (1802—1846); die zweit 
längste mit 31 Jahren der Professor der Theologie 
M. Adam Krafft (geb. 1493 zu Fulda) von 1527 
bis 1558; dann folgt Dr. theol. Ph. Kümmel 
mit 30 Jahren (1858—1888). I. Z. 
Am 28. April d. I. starb zu Kassel der Oberst 
lieutenant a. D. Karl Friedrich Ferdinand Helmrich 
Rabe von Baumbach aus dem Hause Baumbach-Ge- 
münden, ein wegen seiner militärischen Tüchtigkeit 
und seiner liebenswürdigen Persönlichkeit und seines 
ehrenhaften Charakters auch in weiteren Kreisen 
hochgeschätzter Offizier. 
Von einem seiner alten Kammeraden wird uns 
über dessen Lebenslauf Folgendes mitgetheilt: 
Friedrich von Baumbach, geboren am 17. Nov. 
1816 zu Marburg, war ein Sohn des im Jahre 
1806 in der Schlacht bei Jena schwer verwundeten 
königlich preußischen Hauptmanns Arnold von Baum 
bach, welcher seinen Abschied nahm und sich nach Ge- 
münden zurückzog. Vom Jahre 1826 an bis zu 
seinem im Jahre 1847 erfolgten Tode bekleidete dieser 
die Stelle eines Obervorstehers des Stiftes Kau 
fungen. Ein älterer Bruder Baumbachs war der am 
21. Januar 1885 zu Marburg verstorbene kur 
hessische General a. D. Wilhelm von Baumbach. 
Im Jahre 1831 wurde der Verstorbene, welcher 
von früher Kindheit an seine Neigung zum Militär 
stand kundgegeben hatte, in das Kasseler Kadettenhaus 
aufgenommen, nnb am 6. Dezember 1835 zum Of 
fizier befördert. Im Jahre 1847 erfolgte seine Er 
nennung zum Premierlieutenant, 1853 zum Haupt 
mann und 1863 zum Major im 1. Infanterie- 
Regiment Kurfürst. 
Bei dem Uebertritt der kurhessischen Offiziere in 
die preußische Armee im Jahre 1866 wurde er als 
Bataillonskommandeurin das l.westphälischeInfanterie- 
Regiment Nr. 13 nach Münster versetzt und noch in dem 
selben Jahre zum Oberstlieutenant befördert, schied 
aber schon in dem folgenden Jahre mit Pension und 
der Erlaubniß zum Tragen der Uniform aus dem 
preußischen Dienst. Vom Jahre 1872 an lebte er 
in Kassel. Sein am 30. April erfolgtes Leichen- 
begängniß gab Zeugniß, wie groß und allgemein die 
Liebe und Verehrung war, welche sich der Verstorbene, 
namentlich bei seinen Kameraden, zu jeder Zeit er 
worben hatte. Auch von seinen vielen, jetzt auswärts 
wohnenden Freunden und Kameraden wird sein Hin 
scheiden tief und aufrichtig betrauert. 
Sein echt ritterlicher Sinn, seine unermüdliche 
Pflicht- und Berufstreue, seine stete Bethätigung der 
treusten Freund- und Kameradschaft und sein stets 
gegen Alle gezeigtes wohlwollendes liebenswürdiges 
Benehmen sichern dem Verstorbenen, dessen letzte
        

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