Full text: Hessenland (2.1888)

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scheu Heere gegenüber die alte hessische Tapferkeit und 
Ausdauer zu beweisen. 
Die verbündete Armee führte in 3 Colonnen 
ihren Umgehungsmarsch aus. Zwischen der 2. und 
3. Colonne zog die französische Reserve-Artillerie. 
Als dieselbe nebst der französischen Infanterie-Reserve 
zurückblieb und dann später wieder nacheilte, schob 
sie sich zwischen das französische 1. und 2 Treffen, 
wodurch eine heillose Unordnung entstand. Nur die 
deutsche Infanterie unter dem Prinzen Georg 
Wilhelm von Hessen-Darmstadt hatte Ord 
nung und Richtung bewahrt. Indessen war das 
preußische Heer abmarschirt und Seidlitz hatte sich 
mit der Reiterei, völlig unbemerkt vom Feinde, der 
die Preußen auf dem Rückzüge begriffen glaubte, 
hinter dem sog. Janus-Hügel so aufgestellt, daß seine 
Front die Marschrichtung der Verbündeten durchschnitt. 
Ebenda waren auch die schweren Geschütze aufgestellt. 
Plötzlich gaben dieselben das wirksamste Feuer ab auf 
die beiden, 16 und 17 Schwadronen tiefen Colonnen, 
welche die Spitze bildeten. Gleichzeitig warf sich 
Seidlitz mit 20 entwickelten Schwadronen auf die 
dichten feindlichen Reitermassen und faßte sie an der 
Spitze und in der Flanke. Wenn auch die die Spitze 
bildenden österreichischen Kürassiere und die Reserve- 
Kavallerie unter Broglie vorübergehenden Erfolg 
hatten, so war doch der ganze Kampf bald durch das 
rasche Eingreifen des preußischen zweiten Treffens 
entschieden. Auch gegen die Reichsinfanterie richtete 
ein Theil der preußischen Reiterei seinen Angriff bei 
der Verfolgung der geschlagenen französischen Regi 
menter. Dieselben ergossen sich in regelloser Flucht 
auf die Colonuen der Reichsinfanterie, an deren Spitze 
sich das kaiserliche Regiment Würzburg und das 
hessen-darmstädtische Prinz-Georg-Regiment befanden. 
Während die vier übrigen Regimenter der Reichs 
infanterie (6 fränkische Bataillone und zwei von 
Kur-Trier) die Flucht ergriffen, hielten die beiden 
vorderen Stand. In Folge ihrer vereinzelten Lage 
konnten sie nicht mehr in den eigentlichen Ent- 
scheidungskampf eingreifen. 
Mitten jedoch in der allgemeinen Auflösung traten 
die Hessen einen geordneten Rückzug an und bildeten 
die äußerste Nachhut. Oberstlieutenant von Löwen 
feld, dem an Stelle des Obersten Stutzer das Kom 
mando übertragen worden war, besetzte das südöstlich 
von Penstadt gelegene Gehölz; auf dem linken Flügel 
ließ er die Geschütze auffahren. Hier blieben die 
Hessen noch längere Zeit stehen, indem sie die feind 
lichen Angriffe abwiesen. Erst nachdem alle Hoff 
nung auf einen günstigen Ausgang des Gefechtes ge 
schwunden war, räumten die Hessen auf den beson 
deren Befehl des Prinzen Georg von Hessen ihre 
Stellung. Hierbei ließ derselbe noch mehrere Male 
gegen den heftig nachdrängenden Feind Front machen 
und in langsamem Marsche den Rückzug fortsetzen, 
unter beständigem abwechselnden Feuer der beiden 
Geschütze. — 
Wer also von uns jene bekannten Verse: 
„„ltnfc wenn der große Friedrich kommt 
Und klopft nur auf die Hosen, 
So läuft die ganze Reichsarmee, 
Panduren und Franzosen 
hört oder liest, der sei sich mit Stolz bewußt, daß 
die Hessen auch da nicht gelaufen sind. — 
Laubach in der Wetterau. 
Dr. August Uoeschen. 
Aus Heimach und Fremde. 
Kassel. Die diesjährige Hauptversamm 
lung des Vereins für hessische Geschichte und Landes 
kunde wird am 16., 17. und 18. Juli zu H ers f eld 
abgehalten werden. 
— Bei dem in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift 
kurz erwähnten, am 30. v. M. in dem „Verein für 
hessische Geschichte und Landeskunde" von W. Rogge- 
Ludwig gehaltenen Vortrage hatte sich Redner die 
Aufgabe gestellt, auf Grund neuer Quellen, namentlich 
der erst im Jahre 1663 durch Veröffentlichung der 
Korrespondenz Napoleons I. bekannt gewordenen In 
struktion, welche dieser dem Marschall Mortier bei 
Besetzung Kurhessens ertheilt hatte sowie auf Grund 
bisher unbekannt gebliebener Aufzeichungen von Zeit 
genossen, frühere Darstellungen des Aufstandes der 
hessischen Soldaten zu ergänzen bezw. zu berichtigen. 
In der erwähnten Instruktion hatte Napoleon das 
gegen das Land einzuhaltende Verfahren in allen 
Punkten sehr genau vorgeschrieben, und aus seinen später 
erlassenen Anordnungen ergab sich, daß er, durch be 
sondere Kundschafter von allen Vorgängen im 
Lande unterrichtet, mit dem milden Vorgehen, 
welches der von ihm als Generalgouverneur eingesetzte 
Divisionsgeneral Lagrange gegen die Aufständischen 
beobachtet hatte, höchst unzufrieden war und ihn zu 
den später von diesem ergriffenen strengen Maßregeln 
veranlaßt hat, wobei es aber anzuerkennen ist, daß 
Lagrange trotzdem die bestimmten Befehle Napoleons 
nicht vollständig zur Ausführung gebracht hat. So 
beruhte zunächst die Anordnung des Generalgouverneurs, 
welche den nächsten Anlaß zum Aufstand gab, aus 
den hessischen Soldaten drei französische Bataillone 
zu bilden, um sie aus ihrem Vaterlande zu entfernen, 
nicht, wie Piderit angibt, auf dem Rath eines Deutschen, 
sondern auf dem direkten Befehl Napoleons, welcher 
diese Truppen für den Dienst des Königs von Neapel 
bestimmt hatte. 
Von dem auf Grund der Aufzeichnungen von Zeit 
genossen neu Vorgebrachten ist insbesondere die nament 
lich von Lynker in seiner Geschichte dieses Aufstandes 
nicht erwähnte, von großem Einfluß gewesene Thätig 
keit des als Retter des kurfürstlichen Schatzes bekannten
        

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