Full text: Hessenland (2.1888)

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todter Feindt gelegen, die erden und ringsumb 
die Wende undt gewelbe gantz roth von Blut 
geweßen, indeß das newe Gattier allererst 
herab gelaßen und gantz weiß dazwischen ge 
henget, alß hat er Henrichen gar sehr geehret 
undt ihme gnediglich verliehen, daß er zu einem 
ewigen ahndenken sothanes weiß schuß-Gattier 
in rothem feldt in sein Wappen mit aufnehmen 
auch die zwo lantzen, so er in solchem streit 
zerbrochen, benebst einem rüedten zu einem 
Wahrzeichen seiner Wachtsambkeit alß ein helm- 
Kleynod gebrauchen dörffen. Undt ist soviel 
gewiß, daß von der Zeitt an seine Nachkommen 
solch Wappen mit geführt, zuletzt aber in der 
linea zu Wichdorff gantz alleine bei behaldten 
haben." — Das Wappen der Heßen v. Wich 
dorff war in dem Fürstensaal des Schlosses 
zu Rotenburg unter den hessischen Adelswappen 
in der ersten Reihe in der 49. Stelle mit an 
gebracht. Weßelins in seinem hessischen Wappen 
buche — Kassel 1625 — begleitet es mit dem 
Distichon: 
„Hesseni binas in vertice cassidis hastas 
Atque catarrhaetam eum cane signa tenent. “ — 
nach Winkelmann lautet ein alter Wappenreim: 
„(Sin Heß v. Wichdorff führt als Wappcnzier 
in rothen schildt ein selber schuß-Gattier; 
bedeutet scharffen Schutz, der Rüd' gar scharffe 
wacht, 
Die Lantzen scharffe wehr: Das nimb Dir wohl 
in acht!" — 
Der Wahlpruch der Familie heißt: 
„Weder Unrecht thun, noch Unrecht 
leiden.") 
Nahe bei dem Gute, in früherer Zeit wohl 
noch im Bereiche der Burg liegend, steht die 
Kirche auf dem ummauerten alten Kirchhofe. 
Sie war in die Ehre St. Johannis geweiht und 
obwohl sie sicher eine der ältesten Dorfkirchen in 
dieser Gegend ist, so hat das Gebäude, schlicht 
und einfach mit niedrigem Thurme, kein hohes 
Alter und geht in seiner jetzigen Gestalt nicht 
über das XVII. Jahrhundert zurück. Sie wurde 
im Mittelalter wiederholt ein Raub der Flammen 
und erlitt dieses Schicksal noch im 30jährigen 
Kriege, als 1631 der ganze Ort eingeäschert wurde. 
Im Innern enthält sie das sehr schöne Epitaphium 
mit den lebensgroßen Gestalten des Rittmeisters 
Daniel Heß. v. Wichdorff und seiner zweiten 
Gemahlin Marie geb. v. Hardenberg aus dem 
Jahre 1586 umgeben mit den Wappenschildern 
von 16 Ahnen, außerdem verschiedene Grabsteine 
der Familie Heß v. Wichdorff und in einer 
Mauernische das steinerne Bild der ersten Ge 
mahlin des Rittmeisters Daniel, Catharina geb. 
v. Gudenberg, welche bei ihrem Kirchgänge vom 
Blitz erschlagen wurde. Die Inschrift besagt, 
daß dies am 26. Oktober 1576 geschehen ist. — 
Im Jahre 1787 fand noch eine durchgreifende 
Reparatur der Kirche ini Aeußern und Innern statt, 
welcher sie wesentlich ihre jetzige Gestaltung verdankt. 
Das Patronat stand in alter Zeit denen Heß 
v. Wichdorff zu, gelangte aber später an die 
Herren v. Löwenstein welche bis in die neuere 
Zeit im Besitze desselben geblieben sind. 
Die Kirche zu Wichdorf war die Mutterkirche 
dieser Mark und blieb es noch Jahrhunderte, 
nachdem die Stadt Niedenstein enstanden war, 
deren Capelle iittb spätere Kirche St. Mariae 
Filiale waren, bis sich späterhin dieses Verhält 
niß umkehrte und Wichdorf zum Filial von 
Niedenstein gemacht wurde. 
(Fortsetzung folgt.) 
»esstsche Kaumeister. 
Von 
W. Kogge -Tuöwig. 
II. Georg Gottlob Ungewitter. 
Das große Glück, welches unter hessischen Re 
genten der Familie Du Rh zu Theil geworden, 
sich durch zahlreiche Kunstbauten ein bleibendes 
Andenken zu sichern, ist in diesem Jahrhundert 
einem Meister der Baukunst, welcher in seiner 
speciellen Richtung ohnstreitig zu den bedeutendsten 
seiner Zeit gehörte, nicht beschieden gewesen. Es 
war dies Georg Gottlob Nngewitter. Sein Ver 
(Forlsetzung.) 
dienst ist deshalb um die Baukunst in seinem 
hessischen Vaterlande kein geringeres. Sein Streben 
war darauf gerichtet, die echtdeutsche Baukunst, 
die Gothik, wieder zu erwecken, und uner- 
müdet hat er sein Ziel als Lehrer und Schrift 
steller in vielfachen Kämpfen gegen Unverstand, 
Eigennutz und ihm offen gezeigte Geringschätzung 
bis an das Ende seines nur kurzen Lebens "ver 
folgt.
	        

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