Full text: Hessenland (2.1888)

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Trinken, und ihm ist auch das geflügelte Wort vom 
vielen Trinken und vom großen Durst zuzuschreiben, 
das uns Victor von Scheffel in seinem Gedichte vom 
Roden stein „Die drei Dörfer" in dem Verse wieder 
gegeben hat: 
Man spricht vom vielen Trinken stets, 
Doch nicht vom vielen Durste. — 
Im Jahre 153(5 war Eoban ns von dem Land 
grafen Philipp dem Großmüthigen als Professor der 
Dichtkunst und Historie an die Universität Marburg 
berufen worden. Hier traf er viele alte Freunde 
von Erfurt wieder. In hohem Grade erfreute er 
sich der Gunst seines Landcsfürsten, aber schon vier 
Jahre nach seiner Berufung ereilte ihn der Tod, er 
starb am 4. Oft. 1540. Der Schmerz um das frühe 
Hinscheiden des Dichters war ein allgemeiner. Mit seiner 
Familie trauerten Fürst, Schule und Stadt und die 
zahlreichen Freunde in der Nähe und Ferne. „Weinet 
ihr Musen," so begann der Rektor der Universität 
Ferrarius seinen Bericht im akademischen Album über 
den Tod des größten Poeten der Zeit. Am andern 
Tage wurde er auf dem Friedhöfe, welcher die 
Elisabethkirche umgab, beerdigt. Sein Freund Johann 
Drach hielt die Leichenrede. Von dem Charakter des 
Verblichenen hieß es in derselben, er habe, ein Löwe 
ohne Klauen, Niemanden je muthwillig verletzt oder 
betrübt. Von seinem letzten Werke, das er auf dem 
Siechbette vollendet (Uebersetzung der Iliasi, würden 
die Gelehrten singen und sagen, so lange die Sonne 
scheine. — Eoban hat nur ein Alter von 52 Jahren 
9 Monaten erreicht. Groß ist die Anzahl der 
Schriften, die er herausgegeben hat. Sie finden sich 
verzeichnet in Strieder's hessischer Gelehrtengeschichte 
Bd. IV S. 392 bis 409. Daß auch die Literatur 
über Helius Eobanus Hessus keine geringe ist, ver 
steht sich bei dessen Bedeutung als Dichter und Ge 
lehrter von selbst. Von den neueren Schriften über 
ihn sind hauptsächlich zwei hervorzuheben, deren Ver 
fasser geborene Kurhessen sind: die von l)r. G. 
Schwertzell (Marburg 1873) und das bereits citirte 
vortreffliche Werk von vr. Karl Krause, Helius 
Eobamis Hessus, sein Leben und sein Wirken. Ein 
Beitrag zur Kultur- und Gelehrtengeschichte des 16. 
Jahrhunderts." (2 Bde., Gotha bei Perthes 1879.) 
A« I. 
Das gestörte Banket. Episode aus dem 
dreißigjährigen Kriege. Es war zur Zeit 
des „Hessenkrieges* (1645 — 1648), jenes mit 
größter Erbitterung zwischen Hessen-Kassel und Hessen- 
Darmstadt um das Marburgische Erbtheil geführten 
Kampfes, in welchem sich die Niederhessen wie ihre 
Gegner, die Oberhessen, abwechselnd je nach den 
Chancen des Krieges in den Besitz von Marburg, 
der Hauptstadt des Oberfürstenthums, setzten Ein 
hessen-darmstädtischer General, der greise Christian 
Willich, war wegen Uebergabe des kaum haltbaren 
Marburgcr Schlosses an den niederhessischen General 
Geyse am 16. Januar 1646, vor ein Kriegsgericht 
gestellt, zum Tode verurtheilt und am Markte zu 
Gießen enthauptet worden. Es soll Rache bei diesem 
Urtheil im Spiele gewesen sein, nicht Gerechtigkeit. 
Den Oberbefehl über die Hessen - darmstädtischen 
Truppen, an deren Seite die Kaiserlichen kämpften, 
übernahm der kaiserliche Feldmarschall Peter Melander, 
Graf von Holzapfel, der von 1633 bis 1640 als 
Generallieutenant und Oberbefehlshaber in hessen- 
kasselschen Diensten gestanden hatte, nachher aber in 
kaiserliche Dienste übergetreten war. Kommandant 
von Marburg war der tapfere niederhessische Oberst 
Stauf. Am 29. November 1641 begann die Be 
lagerung Marburgs durch die Hessen-Darmstädter. 
Melander, welcher eine Reise an den Rhein unter 
nehmen mußte, hatte die Belagerungsarbeiten dem 
kaiserlichen Feldzeugmeistcr Fernamont übertragen. 
Dieser ließ die Stadt aus drei Batterien beschießen 
und nach dreimaligem Sturm ging dieselbe über. 
Oberst Stauf zog sich nach heißem Kampfe un 
erschrocken ans das Schloß zurück, entfernte hier 
Weiber, Kinder und Greise, vereitelte die mit Hilfe 
Hessen-darmstädtischer Burgknappen gelegten Minen 
durch Gegenminen und vertheidigte das Schloß über 
haupt mit ebensoviel Tapferkeit wie Geschick. In 
zwischen war Melander zurückgekehrt und hatte zu 
Marburg in der Wohnung des Wirths Daniel Seip 
am Grün — nachmals dem Regierungsdirektor Hast, 
jetzt dem Weinhändler Pfeiffer zugehöriges, freilich 
umgebautes Haus Nr. 4 der Grüner Straße — 
Quartier genommen. Auf den 18. Dezember 1647 
hatte er daselbst ein Banket veranstaltet. Dies war 
dem Oberst Stauf verkundschaftet worden. Stauf 
ließ zu der bestimmten Stunde, als Melander sich 
mit seinen vornehmen Gästen, unter denen sich auch 
der junge Markgraf Leopold Wilhelm von Baden 
befand, unter Trompetenschall zur Tafel begeben 
hatte, die Kanonenkugeln einer ganzen Batterie auf 
genanntes Haus abfeuern. Diese Schüsse waren mit 
solcher Sicherheit abgegeben, daß sie ihr Ziel nicht 
verfehlten. Melander selbst wurde durch einen los 
geschossenen Balken an Kopf und Brust verwundet, 
der Markgraf von Baden einiger Backenzähne be 
raubt und der Schildwache des Tafelzimmers der Kopf 
abgeschlagen; dem Wirthe fuhr eine Kugel, ohne ihn 
zu verletzen, zwischen den Beinen hindurch. Fast 
zwei Jahrhunderte lang hat dieser Schuß, wie Vilmar 
in seiner „Hessischen Chronik" berichtet, zu den 
bekanntesten hessischen Denkwürdigkeiten des dreißig 
jährigen Krieges gehört; so lange das Grüner Thor 
bestand, wurde die durch jenen Schuß heraus 
geschlagene Ecke jedem Kinde gezeigt und eine von 
den Kugeln, welche in Melanders Zimmer gefahren 
waren, war noch in den 30er Jahren dieses Jahr 
hunderts dort vorhanden. Ein Marburger Student 
hat ein Spottgedicht auf Melander verfaßt, in welchem
        

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