Full text: Hessenland (2.1888)

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Beiträge zur Geschichte des Ktäötchens WLeöenstein und der 
Namilie Keß v. Wichdorff. 
Herausgegeben von Ernst Wolsgang Heß v. Wichdorff. 
' i »s Alle Rechte vorbehalten. 
(Fortsetzung.) a/u-v- (' /e- • 
11., Die Stadt Niedenstein, ans welche 
wir im Folgendem ausführlich zurückkommen. 
12., Schwasbach (Schwaßebach) ehemaliges 
Dorf, jetzt Wüstung am nordöstlichen Fuße des 
Sengelberges, war ein sehr alter Ort, von welchem 
sich ein adeliges Geschlecht, wahrscheinlich eine 
Seitenlinie der Herren v. Wichdorff, nannte. 
Ein T. von Schwasbach erscheint 1266 als Zeuge 
in einer zu Niedenstein ausgestellten Urkunde. 
Landgraf Heinrich I. gab das Dorf 1277 den 
Gebrüdern Hugo, Heinrich und Johann v. 
Wichdorff, genannt Hessen, zu Lehen, während 
die Wackermaul v. Wichdorff den dasigen Zehnten 
von Mainz zu Lehen trugen. Nach ihrem Aus 
sterben 1345 belieh das Erzstift die v. Dalwigk 
mit diesem Zehnten. 1373 gaben die Hessen 
v. Wichdorff Schwasbach pfandweise an Simon 
v. Homberg und 1384 wiederkäuflich an Albert 
v. Homberg. 
Später von den Hessen v. Wichdorff wieder 
eingelöst, wurde es nach der noch vorhandenen 
Original-Urkunde im Jahre 1441 von Frau Else 
Hessin v. Wichdorff und deren Söhnen Cnrth 
und Hans sammt dem Sengelberge und allen 
ihren Gerechtsamen vor der Wolfs-Eiche an 
Hermann Hund verkauft. Wenige Jahre später 
wurde der Ort in der Bundesherrenfehde zerstört 
und erscheint 1447 in einem Mainzischeu Lehn 
briefe für die Herren v. Dalwigk über den da 
sigen Zehnten schon als Wüstung. — 
13., Wichdorf, der Hauptort dieser Mark, 
dessen schon oben vorläufige Erwähnung geschah, 
liegt am südwestlichen Fuße des Niedensteiner 
Burgbergs am Wiehofbache, dessen Thal hier eine 
weite Mulde bildet, welche wohl schon in frühester 
Zeit zur Ansiedelung in dieser nach Süden ge 
öffneten geschützten Lage eingeladen haben mag. 
Wer die ersten Häuptlinge dieser Mark, die 
ursprünglichen Herren des Orts gewesen, ist nicht 
bekannt. Das im XII. Jahrhundert zuerst ur 
kundlich auftretende Edelgeschlecht v. Wichdorff 
entstammt einem fränkischeu Grafengeschlechte 
Heßi (auch Hesso, Hessico, Heß) welches von 
830 — 950 etwa im «Laalegan, Asch- und Sinn 
gau herrschte. (Kaiser Karl der Große bestätigt 
dem Grafen Heßico die dessen Vater dem Ost- 
phalenfürsten Heßi gemachte Schenkung des Be- 
zirks — Bivangs — von Hachborn — Haweca- 
brunno — im Nieder-Lahngau von 2 Meilen 
Länge, 2 Meilen Breite und 6 Meilen Umfang. 
„Data Aquisgrani in palatio regio VII. Ick. 
Maji anno DCCCXIII. in Domini nomine fe- 
liciter Amen.“ — Stiftsarch. in Corveh cfr. 
Falke Trad. Corbej. p. 377, ferner „Traditio 
Benedictae matronae nobilis ad ecclesiam Ful- 
densem coram Hesso comite in pago Sala- 
gewe facta. A. 837“ — Schannat. tradit. Fnld. 
p. 170.) Ein Seitenzweig dieses Grafengeschlechts 
war schon im X. Jahrhundert in der Wetterau, 
an der Lahn und in Obcrhessen seßhaft, hatte 
aber auch in Niederhessen an der Eder Besitzungen 
und war schon früh im XI. Jahrhundert am 
Rhein bis in den Elsaß verbreitet. 
Der als Miterbauer der Burg Niedenstein 
bereits genannte Hugo Hesso v. Wichdorff tritt 
zwar erst in einer Rotenbacher Kloster-Urkunde 
von 1169 (betreffend die Beilegung eines Streites 
zwischen ihm und dem Stift Fulda um Erb 
güter zu Lindheim, Treyß und Mark Rotenbach, 
es heißt in derselben: „Notum sit qua- 
liter quidam vir nobilis Hugo Hesso de Wiche- 
storph, de nobilissima progenie Hessorum 
quondam comitum in Bochonia oriundus etc. 
. .“ Winkelm. Diplomat, p. 13.) mit seinen 
Söhnen Reginher, Megingot, Lensried und 
Konrad auf, allein sein Geschlecht muß in und 
um Wichdorf bereits lange vorher seßhaft gewesen 
sein, denn er erbaute obige Burg in Gemeinschaft 
mit seinen Vettern Reinhardt Wackermaul und 
Konrad v. Gasscnhusen. Sein Geschlecht war
        

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