Volltext: Hessenland (2.1888)

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Nora, Phalara, u. s. w. Gegen etwaige Einerleiheit 
von Mattium und Maden streitet sowol das Gesetz 
der Lautverschiebung als die Lehre aller Wortbildung. 
Ich habe darüber sowol in meinem Nachtrags- 
Bande zu Vilmars Idiotikon als in dem jüngst er 
schienenen Anhange zu meiner Chattischen Stammes 
Kunde an mehreren Stellen eingehends gehandelt. 
Mattium ist Mazzi, Metze. Uud genau wie 
Ptolomäus die chattische Hauptstadt in erweiterter 
Form Mattiakum nennt, begegnet in heimischen Ur 
kunden des achten Jahrhunderts als Name des Dorfes 
Metze abwechselnd Mazzi und Mazziachi, Metzich, 
Metzach u. s. w. 
Als die chattischen Franken starke Ansidlungen nach 
Gallien aussandten, ward auch die einst keltische Stadt 
Diviodurum an der Mosel von ihnen, in Erinnerung 
an die alte Heimat, in Mattiach, später Metzich — 
nach Eintritte der Lautverschiebung — umgetauft. 
Die mittelalterische französische Form Mettis verhält 
sich regelrecht zu Mettich, Metzich, wie ebenwol z. B. 
Clovis zu Clodwich. 
Wir dürfen stolz darauf sein, daß die alte chattische 
und die austrasische, dann lothringische Hauptstadt einen 
und denselben Namen tragen. — 
Übrigens bleibt die Abweisung der Einerleiheit von 
Mattium und Maden für unsere heimatliche Geschichte 
doch ohne allen Belang. Denn der jüngere Ort 
Maden erwuchs, mit zufälliger Namens-Ähnlichkeit, 
in der ursprünglich weit erstreckten Gemarkung von 
Metze. 
Daß dieses Dorf vor uralten Zeiten eine große 
Stadt gewesen sei, ist noch heute in dortiger Über 
lieferung erhalten, wofür ich auf mein Büchlein 
„Sagen und Aberglaube in Hessen und Naßau“ ver 
weise. Kermann v. AMer. 
Zu dem Artikel „Erinnerungen aus dem Leben 
einer vergessenen Schriftstellerin" von Emilie Wepler 
in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift ist uns 
folgende Bemerkung zugegangen. 
„Philippine von Mettingh ist c. 1788 als 
Tochter des Wittgensteinischen Geheimen Raths 
Johann Jakob Gerhard von Mettingh in Berleburg 
(geb. c. 1740 1- 1823 zu Gießen) und einer gebornen 
Fech geboren. Ihr Vater zog nach seiner Pensionirung 
nach Gießen. Später lebte Philippine Mettingh mit 
ihrem c. 9 Jahre jüngeren Bruder Karl auf einem 
Landgute zu Appenrode bei Homberg an der Ohm. 
Deshalb knüpfen sich ihre Romane häufig an Oert- 
lichkeiten und Geschichten der Familien dieser Gegend." 
S. r. S. 
Aus Heimat!) und Fremde. 
Kassel. Gestern Abend hielt W. Rogge-Ludwig 
in dem Verein für hessische Geschichte uud 
Landeskunde den angekündigten Vortrag über den 
„Aufstand der hessischen Soldaten im Jahre 1806“ 
nach neuen Quellen. Der Vortrag des beliebten 
Redners wurde von den Anwesenden beifälligst auf 
genommen. Bericht folgt später. 
— Zu Soden-Stolzenberg fand am 21. 
April, dem 400jährigen Geburtstage Ulrichs von 
Hutten, eine Feier dieses Gedenktages statt. Burg 
Stolzenberg ist ein alter Stammsitz der Ritter von 
Hutten und befindet sich seit einigen Jahren im Be 
sitze der Badeverwaltung von Soden (bei Salmünster). 
Die Badeverwaltung Soden's hatte alles aufgeboten, 
um die Ennnerungsfeier zu einer des berühmten 
Dichters und Ritters würdigen zu gestalten. Gustav 
Kastrostp, bekanntlich ein geborenerSalmünsterer, hielt 
die nach Form uud Inhalt gleich vorzügliche Festrede. 
Fulda. Am Freitag den 27. April wurde das 
25jährige Dienstjubiläum des Gymnasialdirektors Dr. 
Eduard Göbel, als Leiters der altberühmten Ge 
lehrtenschule, durch einen feierlichen Schulaktus in er 
hebender Weise begangen. Große Verdienste hat sich 
der Jubilar während dieser Zeit um die Anstalt er 
worben, sein Wirken war ein segensreiches, und zu 
aufrichtigstem Danke sind ihm seine Schüler verpflichtet, 
denen er stets ein humaner, für ihr Wohl in hohem 
Grade besorgter Direktor war. Ueber seine wissen 
schaftliche und Praktische Thätigkeit besteht in atleu 
Kreisen nur eine Stimme, die der vollsten Aner 
kennung. Ein Fuldaer Blatt charakterisirt seine Wirk 
samkeit mit folgenden treffenden Worten: „Strenge 
uud Nachsicht läßt er stets zur richtigen Zeit walten, 
so daß ihm das Lob gerechter Amtsführung gebührt, 
wie es denn auch niemals unter seiner Leitung nöthig 
gewesen ist, den Charakter des Fuldaer Gymnasiums 
als eines paritätischen besonders zu betonen. Mit 
Genugthuung darf er sagen, nur das Beste gewollt, 
mit aller Kraft dasselbe gefördert und bis zum 
heutigen Tage alles das gethan zu haben, was Staat, 
Kirche und Familie von ihm erwarten konnten.“ 
Fügen wir hinzu, daß er, der geistvolle Interpret 
der alten Klassiker, es namentlich sich angelegen sein 
läßt, die Liebe zur deutschen Muttersprache zu wecken 
und das Studium derselben zu fördern, gewiß ein 
Verdienst, das man nicht hoch genug anschlagen kaun. 
Ueber seine pädagogische Laufbahn berichtet das 
„Fuldaer Kreisblatt": 
Eduard Göbel, geboren am 1. März 1831 zu 
Hillesheim in der Rheinprovinz — studirte vom 
Jahre 1650 bis 1854 in Bonn Philologie und be 
stand darauf mit glänzenden Zeugnissen die üblichen 
Staatsprüfungen, wirkte bis Ostern 1856 an dem
        

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