Full text: Hessenland (2.1888)

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„ttu Hort' er den wald, 
lute bellen einen Hunt. 
den bil tet ime leider kunt, 
daz Tristan und Kandin 
bei ime nahen sollten sin". 
Auch diese beiden Bedeutungen lassen sich im 
Grunde genommen unter den obigen Gesichtspunkt 
bringen, da für sie auch das Scharfe, Schneidige 
charakteristisch ist, und so bleibt vorläufig die zu An 
fang mitgetheilte Ableitung maßgebend. 
K. N. 
©in Kasseler Mietvertrag aus dem 
Jahre 1811. Die Errichtung des Königreichs 
Westphalen im Jahre 1807 hatte für die Stadt 
Kassel eine gar gewaltige Aenderung in den mannig 
fachsten Beziehungen zur Folge. Früher die Hauptstadt 
eines Landes von 188 Quadratmeilen mit etwa 500,000 
Einwohnern, war sie jetzt die Residenzstadt eines 
Königreichs von 688 Quadratmeilen mit 2 Millionen 
Einwohnern geworden und an die Stelle eines 
mehr als sparsamen Fürsten war ein im hohen 
Grade verschwenderischer König getreten. Die Er 
richtung eines wahrhaft großartigen Hofstaates 
und neuer Behörden, die Einwanderung einer 
großen Anzahl Franzosen, welche hier ihr Glück 
versuchen wollten, und der durch Gewährung der 
Gewerbefreiheit und Freizügigkeit veranlaßte Zuzug 
Gewerbtreibender jeglicher Art aus anderen Städten 
der Provinz, hatte gleich in den ersten Jahren die 
Zahl der Einwohner um mehrere tausend vermehrt. 
Eine natürliche Folge hiervon war der Mangel an 
Wohnungen und eine ganz außerordentliche Steige 
rung der Miethpreise, welche namentlich in den 
oberen Stadttheilen mehrfach die 3- und 4-fache 
Höhe erreicht hatten. 
Die allgemein über diesen Miethwucher laut ge 
wordenen Klagen hatten in hohem Grade den Un 
willen des Königs erregt und ihn während seiner 
Regierung unausgesetzt nach Mitteln suchen lassen, 
wie diesem Uebelstande am besten abzuhelfen sei. 
Als das geeignetste erschien ihm die Erbauung neuer 
Häuser; aber alle den Baulustigen gewährten Ver 
günstigungen hatten ebenso, wie die den wohlhabenden 
Besitzern von geeigneten Bauplätzen angedrohten 
Geldstrafen, um sie zur Erbauung von Wohn 
häusern zu zwingen, nur sehr geringen Erfolg. Es 
wurden nicht so viele neue Wohnhäuser in dieser 
Zeit in Kassel erbaut, als hier seit dem Jahre 1866 
neue Straßen entstanden sind. Der hauptsächliche 
Grund hierfür lag, abgesehen von der noch geringen 
Anzahl wirklich wohlhabender Bürger und den auf 
den Häusern namentlich durch die Einquartierung 
ruhenden Lasten, hauptsächlich in dem gerechtfertigten 
Mangel an Vertrauen auf den Bestand der 
Dinge. Von der damaligen Höhe der Miethpreise 
gibt auch ein mir im Original vorliegender Mieth- 
vertrag aus dem Jahre 1811 einen Beleg. Der 
selbe beginnt „Wir Hieronymus Napoleon, durch die 
Gnade Gottes und durch die Konstitutionen König 
von Westphalen, Französischer Prinz, allen Gegen 
wärtigen und Zukünftigen unsern Gruß zuvor, thun 
hiermit kund, daß vor dem Distriktsnotar Heinrich 
Ernst Koch in unserer Residenzstadt Kassel erschie 
nen sind." etc. 
Nach diesem Vertrag ist zwischen dem Herrn l/ 
Hofkupferarbeiter Christian Friedrich Fr. und dem 
Herrn Karl Wilhelm I., bisher in Wolfenbüttel, 
und dem Herrn Friedrich Martin H., bisher in 
Braunschweig wohnhaft, Folgendes verabredet: 
Francke vermiethet an diese beiden Herren in seinem 
am Schloßplatz in dem Kanton Oberstadt belegenen 
Hause die am Hauserden rechter Hand befindliche 
Stube, welche von den Herren Miethern nach ihrem 
Gefallen und auf ihre Kosten zu einem Laden ein 
gerichtet werden soll, nebst einer dahinter gelegenen 
Küche, welche zu einer Stube eingerichtet wird, mit 
darin befindlichen 2 Tischen und 8 Stühlen, auf 
vier Jahre für den jährlichen Miethpreis von 1010 
Francs und 10 Centimen (260 Thalern). Dabei 
wird den Miethern für diese Räumlichkeiten, welche in 
hessischer Zeit vielleicht kaum den 6. Theil dieser 
Summe einbrachten, die Bedingung auferlegt, zur 
Sicherung des Miethzinses ihr sämmtliches Hab ltub 
Gut zu verpfänden und den Laden stets mit einer 
mindestens dem jährlichen Miethpreis an Werth 
gleichkommenden Anzahl von Waaren besetzt zu 
halten. Die damals vor dem Schlosse für eine 
Handlung so günstige Lage verlor schon im ersten 
Jahre des Mietvertrags durch Abbrennen des 
Schlosses viel von ihrem Vorzüge, das hier ge 
gründete Geschäft ist aber dieser Straße trotz aller 
späteren Wandlungen, welche die Zeitläufe hier brachten, 
bis auf den heutigen Tag treu geblieben. 
Der große Brand zu Wetter am 23. April 
1649. Zu Ausgang des Mittelalters und zu Anfang 
der neuern Zeit zählte das Städtchen Wetter zu den 
gesegnetsten Ortschaften Oberhessens. Handel und 
Wandel blühten daselbst, die Bürger erfreuten sich 
des Wohlstandes, und berühmt war die dortige Ge 
lehrtenschule, die, um 1460 von der Äbtistin von 
Brück (f 1512) unter Mitwirkung der Herren von 
Dernbach und von Milchling, Burgmännern zu 
Melnau, und anderen Rittern an der Lahn gestiftet, 
die hervorragendsten Gelehrten jener Zeit zu ihren 
Schülern zählte. Wir wollen hier nur der Agricola, 
der Antrecht, der Crollius, der Dryander, der 
Kahler, der Orth, der Pinciers, der Soldau, des 
Sylburg, des Vigelius, vor allen aber der Dichter 
Euricius und Valerius Cordus, sowie der Rechts 
gelehrten Johannes und Hermannus Vultejus Er 
wähnung thun, die sämmtlich aus der Wetterer Schule
	        

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