Full text: Hessenland (2.1888)

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Ds Keand säht's 26 ) wirrer 27 ) die Aller. 28 ) 
Däi säht: „aich waaß genungk!" 
E harr enn bihse Knüller 
Geraacht, deaß Alles stunk. 
Etzet 29 ) fachte 30 ) sich eawwer die Keann, 
's giht Kahns mihe eann Wahld eneann. 
Do wärt dr Voatter, die Mokier, — 
Herrhirnmilfoahrt eas joah doach bahl, — 
Met müsse, dann Sternweck wäi Botter 
Eann Kuhloppe 3 ')..hahn 32 ) se do fahl. 33 34 ) 
Läibhoawer 84 ) v' Äppilwein krihe 
Off alle Fäll aach ihr Genihe. 3ä ) 
Kahn Gloacke do zoum Läure, 
Kahn Thorn, wuoff se hungk! 
's hott naut se bedeure, 
's komme Len genungk. 
Eann Gläckilcher woase se weiß, 
Däi läure dm Froijohr gahnz leis. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Bilstein. Auf der General-Versammlung des 
Gesammt-Vereins der deutschen Geschichts- und Alter- 
thums-Vereine vom 27.—30. August 1882 war u. A. 
die Frage gestellt: 
„Welches ist die Bedeutuug des in Hessen für 
steile Höhen vielfach vorkommenden Namens Bilstein? 
wie weit ist dieser Name auch in anderen Gegenden 
nachweisbar?" und das Ergebniß der lebhaften Dis- 
cussion dahin gefaßt, daß die Erscheinung scharf und 
steil aufragender Felsmaßen ohne Rücksicht auf hohe 
Lage die Benennung Bilstein veranlaßt habe (s. Mit 
theilungen — I. 1882 S. X). 
Es kommt nun der Name Bilstein, soviel bis 
jetzt hat ermittelt werden können, vor: 
1) in Hessen und zwar sowohl im ehemaligen 
Kurhessen, insbesondere im Habichtswalde, im 
Langenberge, im Kaufunger Walde und im 
Höllenthal bei Albungen, als auch im Groß 
herzogthum Hessen im Vogelsgebirge; 
2) in Nassau im Westerwalde; 
3) in W e st p h a l e n im Sauerlande; 
4) in Braunschweigischen im Harz. 
Die meisten dieser Bilsteine sind nur als steile 
Gebirgsfelsen mit geringem Pflanzen-Wuchs auf der 
Höhe und dabei als beliebte Aussichtspunkte bekannt; 
einige von ihnen trugen einst stolze Burgen, wie der 
Bilstein im Höllenthal, dessen Grafen-Geschlecht durch 
seinen tragischen Untergang Verherrlichung in der 
3Ü ) fürchten. 31 ) Kugelhopf (Gebäck). 32 ) halten. 33 ) feil. 
34 ) Liebhaber. 35 ) Genüge. — (Ilm die völlig erhaltene 
Kirche des ausgegangenen Dorfes Sternbach, romantisch 
in einem Walde' der südlichen Wetterau gelegen, her 
findet alljährlich auf Himmelfahrt ein kleines 'Waldfest 
der umliegenden Orte statt.) 
Sage gefunden hat, und der Bilstein im Westerwalde, 
auf dem nach Merian's Topographie (S. 23) einst 
„ein altes Gräflich Nassauisches Schloß und Residenz 
in einem Thal zwischen lustigen Bergen" 
gestanden und u. A. Graf Georg der Aeltere von 
Nassau Hof gehalten und eine schöne Kirche beim 
Schloße aufgerichtet hat (1617). Andere Bilsteine 
sind für den Naturforscher von hohem Werthe, wie 
der Bilstein im Habichtswalde, welcher als erloschener 
Vulkan von einst gewaltiger Stärke bezeichnet wird, 
da dessen Ausbrüche sich bis in die Gegend von 
Wolfsanger erstreckt haben sollen, und die Bilsteine 
im Sauerlande und im Harze, in denen sich um 
fangreiche Höhlen mit großartigen Tropfsteingebilden 
befinden. 
Für alle genannten Berge paßt übrigens die 
obige Ableitung, als sich dieselben als spitz zulaufend 
und scharfeckig, wie Beile oder wie von Beilen ge 
hauen darstellen. Die Ableitung von einer Gottheit 
Bil oder Biel paßt nur auf einzelne, wie z. B. den 
bereits erwähnten Bilstein mit der Biels höhle im 
Harz bei Rübeland. Die angegebene Deutung paßt 
umsomehr, als das altdeutsche Wort Bil soviel wie 
Schwert bedeutet. Eine andere Ableitung hat noch 
Vilmar in seiner Abhandlung: „Die Ortsnamen in 
Kurhessen" (Zeitschrift des Vereins für Hessische 
Geschichte und Landeskunde a. F. Bd. I S. 247). 
Danach bezeichnet Bil auch Biel, Bil geschrieben) 
den Ort, wo der Hirsch von den Hunden gestellt und 
von den Jägern abgefangen wird, bezw. den Augen 
blick, wo der von den Hunden festgehaltene Hirsch 
vom Jäger mit dem Jagdmesser gelähmt (die Flechsen 
durchgehauen), abgefangen und gefällt wird, und wird 
eine Stelle aus Tristan und Isolde von Gottfried 
v. Straßburg (Vers 2757 fg.) angeführt, wo Tristan 
mit den Jägern seines Oheims Marks zusammentrifft, 
die auf der Hirschjagd begriffen sind, und wo es 
heißt: 
„Nu kam ez in kurzer stunde, 
sins oheimes Hunde, 
Markes von Kurnewale, 
die heten zu dem male, 
als uns daz Ware märe saget 
einen zitigen Hirz gejaget; 
zu der straze nahen, 
da liez er sich ergehen 
und stunt alda ze bile 
im hete flucht und ile 
alle seine kraft benommen", 
und weiter: „Tristan, da er den Bil ansah" — 
Dasselbe Werk^enthält noch eine andere Bedeutung 
von Bil: das Gebelle, vergl. Tristan und Isolde, 
Ulrichs Fortsetzung Vers 3208 fg.
        

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