Full text: Hessenland (2.1888)

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Heß v. Wichdorff hatte drei Frauen: 1. Ka 
tharina v. Gudenburg, 2. Marie v. Hardenberg 
und 3. Anna v. Papenheim. 
1631 „sind die Krawaden durch inarolliret, 
haben Niedenstein die stadt eingenommen, ge 
plündert, gesenget undt gebrannt, an alt undt 
jung mordt undt todtschlag, frevel undt unzucht 
geübet, darob fast die gantze stadt in schütt undt 
aschen gelegen. Mel der leut haben sich in die 
Wälder undt bergklüfft salviret, ein theil auch 
anst die alte burgk gelosten undt im gemäuer 
verkrochen, undt da die soldaten auch dahin ge- 
volget undt nian sich zur wehr stellen wollen, 
ist damahlen das meiste von den noch stehenden 
mauern vollendß darniedder geworffen worden. 
Daniel Heß v. Wichdorff, der jüngere ist da 
zumahlen von den sehnen tvdtkrank in eine Felß- 
klufft auffn Senghelbergk verstecket wordten undt 
darinnen elendiglich verstorben." — 
Damit schließen die Heß'schen Familien-Nach- 
richten über die Burg, von welcher auch nach 
vorerwähnter Katastrophe noch ansehnlicheTrümmer 
übrig geblieben waren. Da aber die Bewohner 
t 
ie Stadt Kassel hatte das seltene Glück, daß 
das hessische Land im Zeitraume eines 
Jahrhunderts von 4 Fürsten, den Landgrafen 
Karl, Wilhelm VIII., Friedrich II. und Wilhelm 
IX. regiert wurde, welche unausgesetzt bestrebt 
waren, ihre Residenzstadt zu erweitern, und mit 
ihrer Umgebung zu einem der schönsten und an 
ziehendsten Orte Deutschlands zu erheben. Ein 
nicht minder großes Glück war es aber, daß diese 
kunstsinnigen Fürsten auch die zur Ausführung 
ihrer Ideen geeigneten Männer fanden, und so 
unvergessen wie ihre Verdienste selbst werden auch die 
Namen ihrer Baumeister Du Rh Vater, Sohn 
und Enkel bleiben. Zuerst war es Landgraf 
Karl, welcher seinen großartigen Plan zur Er 
weiterung Kassels verwirklichte, und gar seltsam 
fügte es das Schicksal, daß ihm ein französischer 
König durch seine Religionsverfolgungen dazu 
die nächste Veranlassung und zugleich die Ge 
legenheit bot, einen Baumeister zur Ausführung 
seiner Ideen zu finden. 
der nahen Orte nach und nach alle brauchbareil 
Steine von der Ruine wegholten, um sie zu 
ihren Gebäuden zu verwenden, so verschwanden 
allmählig auch die letzten Mauerreste bis auf 
einen niedrigen Mauerrand an der Westseite, 
der noch ein Kellerloch enthält. Die Burgstätte 
ist noch auf der Süd-, West- und Nordseite mit 
der Spur des Wallgrabens umgeben. Ein hoher 
Schuttkegel auf der Südost-Ecke bezeichnet den 
Standpunkt des ehemaligen Wartthurms und 
die Grundmauern der Eingebäude des au sich 
nicht geräumigen Burggehäuses sind noch erkennbar. 
Von der südlich gestandenen Vorburg ist bis auf 
das in den Basaltgrund ausgehauene Fundament 
eines kleineren Thurmes — südöstlich von dem 
Schuttkegel des Wartthurms — keine Spur mehr 
vorhanden. Ein in der Kasseler Biblothek auf 
bewahrter roher Prospekt der Stadt und Burg, 
anscheinend aus dem Anfang des XVI. Jahr 
hunderts datirend, läßt die letztere schon in sehr 
ruinösem Zustande erkennen, gibt aber noch ein 
ziemlich anschauliches Bild der alten Veste. 
(Fortsetzung folgt.) - .Ju . V< 
Als Ludwig XIV., dessen Nachahmung auch in 
Deutschland dein Sinn für die schönen Künste und 
namentlich die Baukunst nur förderlich war, durch 
die Aufhebung des Ediktes von Nantes im Jahre 
1685 die Hugenotten aus Frankreich vertrieb, 
war Landgraf Karl staatsklug genug, sein Land 
mit einer großen Anzahl dieser ihrer Religion 
wegen flüchtigen, in manchen neuen Gewerben 
erfahrenen Männer zu bevölkern. Da eine große 
Anzahl derselben und namentlich die reichsten 
und angesehensten Kassel zu ihrem Aufenthalt 
gewählt hatten, so beschloß er ihnen in einem 
neuen mit breiten geradlinigen Straßen versehenen 
Stadttheil eine neue Heimstätte zu gründen und 
seine Residenzstadt zugleich zu einer Fabrikstadt 
zu machen. Um einen geeigneten Baumeister zu 
finden, hatte er sich an den Statthalter der 
Niederlande Wilhelm III., in dessen Landen die 
Baukunst in hoher Blüthe stand, gewendet und 
dieser hatte ihm den aus Paris gebürtigen Paul Du 
Rh empfohlen, welcher als Hugenotte sein Vater- 
iessische Kaumeister. 
Von 
W. Kogge-Ludwig. 
I. Die Familie Du Ry.
	        

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