Full text: Hessenland (2.1888)

130 
»eiträge zur Geschichte des Mtäötchens Weöenstein und öer 
Aamilie Deß v. Wichdorff. 
Herausgegeben von Ernst Wolsgang Heß v. Wichüorfs. 
(Fortsetzung.) 
Motto: 
Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt 
(Goethe.) 
Die Burg Niedenstein (Neydenstein) wurde 
(nach den alten Familien-Nachrichten der Hessen 
v. Wichdorff) in den Jahren 1160 — 1164 von 
Hugo Hesso v. Wichdorff und dessen Vettern 
Reinhard Wackermaul und Konrad v. Gassen 
hausen auf dem gleichnamigen Spitzberge (östlich 
der Stadt Niedenstein) aufgeführt und zwar 
„mit Vergunst des ertzbischoffen von Meentze." 
Ob darunter blos die Zulassung des Baues, 
oder der oberherrliche Konsens dazu zu verstehen, 
ist fraglich, letzeres aber wahrscheinlich, da zu 
jener Zeit das Erzstift in dieser Gegend noch 
prädominirte und erst 1277 die Burg zum An 
theil der Hessen v. Wichdorff landgräfliches Lehn 
wurde. - Die Burg, auf der nördlichen höheren 
Ecke des Berges erbaut, war von beschränktem 
Umfange, doch enthielt sie drei Kemnaden oder 
Burgsitze der Hessen, Wackermaule und der von 
Gassenhausen. Der Wackermaul'sche Ansitz ge 
langte 1236 als Erbe an die v. Elben, nachdem 
Heimerad Wackermaul gestorben war. Der 
Gassenhausen'sche Antheil war schon 1229 von 
Hugo v. Heß d. jüng. Lenfried's Sohn, käuflich 
erworben worden, die v. Gassenhausen müssen 
aber später wieder einen Ansitz auf der Burg 
erlangt haben, da 1412 eines solchen auf der 
Vorburg (die 1283 von den Ganerben aus den 
wohl schon früher vorhandenen Scheunen und 
Ställen auf der südlichen Hälfte des Berggipfels 
eingerichtet und mit Mauer und Thorhaus ver 
wahrt worden war) gedacht wird. Die v. Elben, 
von denen Konrad ein mächtiger und einfluß 
reicher Mann seiner Zeit, auf der Burg Nieden 
stein gewohnt oder sich doch öfter da aufgehalten 
zu haben scheint, behielten ihren Antheil lange 
im Besitz und scheinen denselben bis ins XIV. 
Jahrhundert behauptet zu haben. — 
Erwähnter Konrad v. Elben gab — wie weiterhin 
ersichtlich — um 1255 den Anlaß zur Gründung 
der Stadt Niedenstein. 
1260 verbürgt sich Reinhardt v. Wichdorff, 
Ritter, für Konrad v. Elben, als sich dieser mit 
dem Stift Fritzlar aussöhnt. (Falckenheiner 
Excerpte I. p. 69) 
1263 hat die Herzogin, Frau Sophia v. 
Brabant, so daß Hessenland geerbet, mit Ertz- 
Bischoff Wernern zu Meentze Krieg geführet 
undt in Herbst st iebten zu Langstvrff mit selbigem 
gemachet, wobei Henrieus v. Heß nebst viel 
andtern z Herren in Hessenlandt mit ein Bürge 
wordten. (Onckenus T. I. p. 706, auch bei 
Wenck). 
Die Gebrüder Hugo, Heinrich und Johann v. 
Wichdorff, die Hessen genannt, trugen 1277 dem 
Landgrafen Heinrich ihren Burgsitz ans Niedenstein 
nebst Zubehör zu Thal Niedenstein (der nachherigen 
Stadt) nebst Gütern zu Diffenbach, Treyß und 
Hessenau zu Lehen ans und wurden damit nebst 
halb Schwasbach wieder bcliehen. Heinrich und 
Johann, die Hessen, wurden 1317 wieder damit 
bcliehen, auch Ersterem 1322 von Landgraf Otto 
sein Burglehen mit 5 Mark gebessert. 
1315 — 1322 nehmen die Hessen v. Wichdorff 
an dem Wahlkriege zwischen Kaiser Ludwig v. 
Bayern und Friedrich dem Schönen v. Oesterreich 
Theil. Zuni Andenken ist ihr Wappen an der 
berühmten Ritterkapelle zu Haßfnrt (Nordseite 
9. Pfeiler) mit eingehauen. (Vergl. v. Eye, 
Ritteralbum der Marianischen Kapelle zu Haß 
furt Nr. 195 u. S. 69) 
1344 ladet Hermann v. Wichdorff, „der frey- 
hegreue, den man Hesse nennt", den Rath und 
ganze Stadtgcmeinde zu „Nuwenstaidt" vor den
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.