Full text: Hessenland (2.1888)

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Jordan! Deine Dämme brechen, Deine Schleusen 
alle, alle! 
Strömen nur des Weges nieder, gleich wie einst in 
freiem Falle, 
Tränk' mit lang versagter Labung rings umher das 
dürre Land, 
Bring ihm keine neue Sündflnth, doch noch minder 
alten Sand! 
Du der Letzte im Kalender alten Stiles, mein 
Sylvester, 
Oeffne nun des Jahres Kreislauf, sei der Tage erster, 
bester; 
Du ein Fremdling meiner Heimath, bleib' ihr treu, 
verlaß sie nie, — 
Hast Du doch so viel gelitten — für die Mutier — 
und durch sie! 
Neue Stürme werden kommen, tosen wird die 
wilde Brandung, 
Und wir sind entfernt noch alle vom ersehnten Ziel 
der Landung; 
Stehe fest am Steuer, Lootse, durch die Klippen 
führ das Schiff, 
Welches Dich an Bord vertrauend in der Schreckens 
stunde rief! 
Freundes-Gruß aus weiter Ferne Deinen roth und 
weißen Fahnen, 
Die mich, froh im Winde flatternd, an vergangene 
Jugend mahnen! 
Halte mir sie stets in Ehren, schirme Flaggenstab 
und Mast; 
'ist ein wacker Volk, die Hessen, das Du zu geleiten hast! 
Und wenn einst auf offenem Meere unsre Kurse 
sich begegnen, 
O die Stunde will im Herzen ich, als hochbeglückte 
segnen: 
Gehen wir dieselbe Richtung, führt Dein Schiff doch, 
wie mein Boot 
Ueber zwei verschiednen Wimpeln Einen großen: 
Schwarz-Gold-Rot h! 
Stuttgart, 21. März 1848. 
Kranz Airigetstcdt. 
Heute, den 15. April, find siebenundzwanzig Jahre 
verflossen, seit Sylvester Jordan das Zeitliche ge 
segnet hat. Schon zu Anfang des Jahres 1861 
befiel ihn eine schmerzliche Krankheit, welcher er er 
liegen sollte. Unter außerordentlich großer Bethei 
ligung der Kasseler Bürger fand seine Beerdigung 
auf dem neuen Friedhofe statt. Der Leichenzug bewegte 
sich bei dem Ständehause vorbei, und brachte damit 
dem Todten für seine parlamentarische Wirksamkeit 
in Hessen so zu sagen noch eine Huldigung dar. Am 
Grabe hielt der katholische Pfarrer von Kassel, Dechant 
Konrad Hahne, von der Macht des Augenblicks ergriffen, 
eine freimüthige Rede, die Widerklang in ganz 
Deutschland fand. Als Dank für dieselbe wett 
eiferten die Bürger Kassels dem unverzagten Priester 
ob seiner muthigen Haltung den Dank durch Ueber- 
sendung von Bouquets, Guirlanden und Blumen 
kränzen auszudrücken, so daß seine Pfarrwohnung 
einem Blumengarten glich. — Die Bürger Kassels 
ehrten den Verblichenen durch ein Grabdeükmal auf 
dem neuen Friedhofe, das lebhaft erinnert an die 
Felsen seines Heimathlandes Tyrol. 
K. Z. 
Aus Heimath und Fremde. 
Kassel. Der seitherige Oberlehrer an der hiesi 
gen Realschule Dr. Karl Ackermann ist au Stelle 
des am 27. Oktober v. I. verstorbenen Professors 
Dr. Karl Buderus zum Direktor dieser Lehranstalt 
gewählt worden. Diese Wahl kann als eine sehr 
glückliche bezeichnet werden. Dr. Ackermann erfreut 
sich des Rufes eines eben so tüchtigen Schulmannes, 
wie Gelehrten und über die Gediegenheit seines Cha 
rakters, seine humane Anschauungsweise und seine 
persönliche Liebenswürdigkeit herrscht blos eine Stimme. 
Dr. Ackermann ist geboren zu Fulda am 2. März 
1841. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt 
mit vorzüglichem Erfolge, studirte hiernach von 1860 bis 
1864 an den Universitäten Marburg und München 
Mathematik und Naturwissenschaft; 1864 wurde er auf 
Grund seiner Dissertation über „Inhalt und Ober 
fläche an Rotationskörpern" in Marburg zum Doktor 
der Philosophie promovirt. Sein Probejahr bestand 
er am Gymnasium zu Fulda. Zu Michaelis 1865 
wurde er Lehrer an der Realschule zu Hersfeld und 
von da im Jahre 1875 als Oberlehrer an die Real 
schule in Kassel berufen. Um den hiesigen „Verein 
für Naturkunde" hat sich Dr. Ackermann als lang 
jähriger Geschäftsführer desselben große Verdienste 
erworben. Auch in schriftstellerischer Beziehung hat 
er eine sehr beachtenswerte Thätigkeit entfaltet. 
Am 26. März verschied zu I o k o h a m a im rüstigsten 
Mannesalter plötzlich in Folge eines Herzschlages 
unser Kasseler Landsmann, der Kaiserliche General- 
Konsul für Japan, Eduard Zappe. Derselbe war 
der Sohn des Telegraphen-Direktors Chr. Zappe 
dahier, welcher viele Jahre dem hiesigen Telegraphen 
wesen vorstand. Der „Reichsanzeiger" widmet dem 
Verblichenen einen warmen Nachruf, dem wir folgende 
Stelle entnehmen: 
„Seit 1870 dem auswärtigen Dienste angehörig 
und vom Jahre 1871 ab mit der konsularischen Ver 
tretung des Deutschen Reichs in Uokohama betraut, 
hat der Verewigte sich in seiner hervorragenden dienst-
	        

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