Full text: Hessenland (2.1888)

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1781. Siegreicher Kampf bei Jamestown. 
„ Desgl. bei Guilford. 
Unvergleichlich waren die Leistungen der hes 
sischen Jäger unter ihren ausgezeichneten Führern 
v. Wurmb. v. Prüschenk,, Ewald im kleinen 
Kriege. 
Durch die bedauerliche Kapitulation des eng 
lischen Befehlshabers Cornwallis zu Porktown 
gingen Savannah und Charlestown verloren. 
Bei dem unglücklichen Vorfall bei Saratoga 
wurde leider auch das Hanauische Regiment Erb 
prinz mit betroffen; waren doch die Hanauischen 
Truppen zum größten Theile bei der Armee 
von Canada verwendet worden. 
Immer mit Ruhm und mit wenigen Aus 
nahmen siegreich haben die Hessen auch in diesem 
Feldzug gekämpft und dem alten Kriegsruhm 
ein neues Lorbeerblatt zugefügt. 
aöikalkur. 
Erzählung von Wilhelm DenneKe. 
(Fortsetzung.) 
Der Wille des Herrn Daniel Schröder war 
in seiner Fabrik ebenso maßgebend, wie in seinem 
Haushalt, gegen die Politik, welche er in seinen 
vier Wänden trieb, ließ sich nicht ankämpfen, 
er glich darin den berühmten Staatsmännern, 
deren einmal gefaßte Beschlüsse für das Reich, 
in welchem sie leben, unerschütterliche Satzungen 
sind. Dora blieb also in dem Schröder'schen 
Hause, aber ihre Lage war keineswegs eine an 
genehmere geworden; konnte ihr Frau Hulda im 
großen Ganzen auch nichts anhaben, so fühlte 
sie doch um so enipfindlicher die Nadelstiche, welche 
ihr täglich ertheilt wurden und gegen die sie 
wehrlos war. Der häusliche Ressort, welchem 
Dora vorzustehen hatte, war so vielseitig und 
beschäftigte so mancherlei Hände, daß sich oft 
genug die Gelegenheit bot, die Sünden der 
Untergebenen an der Aufseherin zu tadeln. Ob 
gleich Frau Hulda die wirklichen Schuldigen 
ganz genau kannte, so wies sie dieselben, jedoch 
nunmehr nicht auf direktem Wege zurecht, wie 
sie es früher stets gethan, sondern sie wandte 
sich an Dora und diese mußte die empfindlichsten 
Strafpredigten für Versehen hinnehmen, an denen 
sie völlig unschuldig erschien, die in vielen Fällen 
auch so aufgebauscht waren, daß bei einer näheren 
Untersuchung fast gar nichts Bemerkenswerthes 
übrig blieb. Diese Special-Untersuchungen aber 
mußte, wie es im Hause einmal üblich war, 
Daniel in eigener Person führen und trotzdem 
ihm dieses eine sehr verhaßte Beschäftigung war, 
ließ er sich das Amt eines Stuhlherrn in solchen 
Fällen nicht nehmen. Die letzteren häuften sich 
aber, Dank der Angeberei der Frau Hulda, 
welcher es hauptsächlich darauf ankam, nur 
Skandal zu verursachen, in einer solchen Weise, 
daß Schröder immer unwirscher gegen sein 
Hauspersonal wurde. Schließlich wurden einige 
Personen Knall und Fall entlassen und diese 
erhoben in dem Städtchen, welches zugleich ihr 
Heimathsort war, ein großes Geschrei über die 
ihnen bei Schröders widerfahrene Unbill, da sie 
wahrscheinlich die ihnen zur Last gelegten 
Handlungen gar nicht begangen hatten. Das aber 
lag gerade im Interesse Hulda's, in allen Gast 
wirthschaften, wo ihr Mann verkehrte, selbst beim 
„Geneverschatz" war die Rede von dem Vorge- 
gefallenen und wenn er im höchsten Grade ver 
drießlich über die an ihn gerichteten Interpella 
tionen nach Hause kam, so wußte die traute 
Gattin nach und nach in geschickter Weise einen 
Theil des Daniel'schen Aergers immer auf Dora 
zu lenken, sodaß das arme Mädchen in der 
letzten Zeit mehr verweinte Augen zeigte, als 
während der langen Jahre, die sie im Schröder- 
schen Hause zugebracht hatte. Daniel wollte im 
Grund seines Herzens ihr ja nicht wehe thun, 
da seine echt väterliche Zuneigung zu dem Mädchen 
dieselbe wie seither geblieben war, aber wenn er 
sich schwer geärgert und noch dazu mehr als ge 
wöhnlich getrunken hatte, so mußte dies seinen 
Ausstuß haben und auf ein paar Worte mehr 
oder weniger kam es ihm dann nicht an. Dachte 
er sich auch nichts dabei, so nahm Dora seine Reden 
sich doch mehr als nöthig zu Herzen, denn obgleich 
sie den Alten gut genug kannte, so berührte sie 
doch jedes auch im Rausche von ihm gesprochene 
Wort auf das Schmerzlichste. Mit dem häuslichen 
Frieden war es eben ganz und gar aus in dem 
Schröder'schen Hause. Dies hatte Hulda in ver- 
hältnißmäßigkurzerZeitdurchihre Manipulationen 
vortrefflich zu Wege gebracht. Herr Daniel war 
durch die ständigen häuslichen Nörgeleien, wie 
man zu sagen pflegt, aus Rand und Band ge 
rathen, früh morgens packte er schon ans, erledigte 
in der Fabrik die nothwendigsten Geschäfte und 
begab sich dann an das Trinken, welcher Be 
schäftigung er leider nicht mehr wie früher nur 
periodisch huldigte, sondern fast ausschließlich ob 
lag. Während Dora's Herz bei dem Anblick
        

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