Full text: Hessenland (2.1888)

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bekannt sei, was ja auch aus seiner Handlungs 
weise hervorgehe. Uebrigens wohne er nur zur 
Miethe, ihm selbst könne kein Haus angezündet 
werden, wohl aber könnten Häuser unschuldiger 
Nachbarn mit abbrennen. Der Oberst nahm den 
Befehl wegen Anzündens des Hauses zurück, mit 
dem es ihm wohl überhaupt nicht Ernst gewesen 
sein mochte. Es wollten zwar einige meiner 
Landsleute von lebhafter Phantasie schon die 
Pechkränze gesehen haben, die aus dem Pulver 
wagen genommen seien, aber ich habe weder Pulver 
wagen, noch Pechkränze gesehen und bin dabei doch 
keinen Augenblick vom Kriegsschauplätze entfernt 
gewesen. Wohl ober nahm ich zu meiner großen 
Freude davon Kenntniß, daß der Oberst den 
Befehl gegeben, es sollten achtzig Mann dieser 
prächtigen Kürassiere als Exekutions-Kommando 
in der Stadt zurückbleiben. Doch auch dieser 
Befehl wurde zurückgenommen, als der Onkel 
immer neue Batterien gefüllter Burgunderflaschen 
auffahren ließ, und das schon aufmarschirte Kom 
mando rückte zu meinem großen Bedauern wieder 
ab. 
Unterdessen zogen Abtheilungen aller Waffen 
gattungen mit Geschützen gegen Eschwege durch. 
So viel ich weiß, ist es dort zu keinem Gefecht 
gekommen. Die Stadt wurde den Franzosen 
übergeben und die entwaffneten hessischen Soldaten 
gingen nach Hause. Das Kurfürstenthum war 
unterworfen und wurde vom General Lagrange 
solange verwaltet, bis Napoleon durch den Frieden 
von Tilsit aus Hessen, Braunschweig, Süd-Hannover 
und den auf dem linken Elbufer gelegenen preußischen 
Landestheilen das Königreich Westfalen bildete 
und die neue Königskrone seinem Bruder Jorüme 
verlieh. (Fortsetzung folgt.) 
Das Kloster In Uordshonftn 
bei Kassel. 
Als der mächtige Geist Luther's das Land durchzog, 
Auch im hessischen Gau stürmisch im Fluge drang 
Durch die Pforten der Kirche, 
Traf das Kloster ein gleiches Loos. 
Hochaltar und das Kreuz, Kerzen und Bild 
verschwand, 
Meßbuch, Kelch und Monstranz wanderten in 
den Schrein 
Zn antikem Geräthe, 
Oder in der Zerstörer Hand. 
Und das Becken von Stein, welches zur Taufe einst 
Diente, ward als Altar anderem Brauch geweiht, 
Einem Trauergewande 
Glich die Decke, die schwarze, jetzt. 
Stürme nagten gar bald an dem verlass'nen Haus 
Mit der Zelle, in der einsam die Braut des Herrn 
Einst ihr Ave Maria 
Beim Geläute der Vesper sprach. 
Ein verwitterter Stein kindlicher Bildnerkunst, 
Seinem Grabe entrückt, deutet dem Wand'rer nur, 
Daß die heilige Stätte 
Frommer Schwestern Asyl einst war. 
Doch kein anderer Stein zeigt uns die Gräber heut, 
Wo vermodert ihr Staub, Schleier und Ordenskleid, 
Unter welchem das Herz, der 
Welt entsagend, für Gott nur schlug. 
Nur die Kirche allein mit dem zerfall'nen Thurm 
Und ein altes Gebänd', das mit dem Thurm vereint, 
Sind die einzigen Zeugen 
Eines Klosters vergangener Zeit. 
Oed', versunken in Schutt, lieget die Sakristei, 
Dornen, Nesseln und Gras sprossen aus ihr empor, 
Und die Spinne umwebt des 
Tabernakels geweihten Raum. 
Scheiben, wettergetrübt, füllen die Fenster, die 
Einstmals Bilder gezieret, herrlich im Farbenspiel, 
Das die Betenden hüllte 
In ein magisches Dämmerlicht. 
Jahre haben zerstört gothischer Fenster Zier, 
Blinder Eifer verbannt jegliches Heil'genbild; 
Graue Tünche der Wände 
Spottet früherem Bilderschmuck. — 
Nimmer wieder ersteht, was da verschwunden, doch. 
Ein empfänglich Gemüth findet Ersatz und Trost 
Für das Untergegang'ne 
In dem Gemälde der Gegenwart: 
Freundlich schmiegt sich das Dorf an das geweihte 
Hans, 
Und im sonnigen Thal ringsum erfreu'n das Aug' 
Dörfer, blühende Felder 
Und bewaldeter Berge Pracht. 
An der Kirche empor bis zu dem Dachgebülk, 
Rankt im ewigem Grün mächtiger Epheu sich, 
Mit den« grünen Gewände 
Gab Natur ihr erneu'ten Schmuck.
        

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