Full text: Hessenland (2.1888)

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dem v. Wichdorff'scheu Geschlecht, kam aber im 
Jahr 1304 durch Heirath an die v. Wolfers- 
Hausen, doch verkaufte es Heinrich von Wolfers 
hausen 1325 wieder an Konrad Wackermaul und 
dieser veräußerte es einige Jahre später an Ludwig, 
v. Buchenau. Das Kloster Merxhausen erwarb 
den Ort 1344 und er kommt 1386 noch als 
Dorf vor. Aber 1389 war er nur noch ein 
Gutshof in landgräflichem Besitze, mit welchem 
Landgraf Hermann die Vettern Wilhelm Heß 
und Reinhardt Heß d. jüng. v. Wichdorf zu 
Samptlehn mit Otto Schaden v. Reimbolds be- 
lieh. Diese Belehnung wurde dem v. Wichdorff'schen 
Geschlecht Heß'scher Linie anno 1414 1442 
1485 1489 1517 1567 und 1593 erneuert und 
nach Daniel Wilh. Hessen d. jüng. Ableben 1631 
auf die v. Papenheim übertragen. Seit 1630 
ist der Ort wüst. 
5. Ermatheis. („Ermedissen, Jrmendissen, 
Ermentheus") Dorf am südöstlichen Fuße des 
Niedensteiner Burgbergs, ist ein sehr alter Ort, 
der schon 1145 in einem Fritzlarer Register unter 
dem Namen „Jrmendissen" vorkommt, aber be 
reits vor 1300 wüst wurde. Später wurde das 
Dorf wieder angebaut und erscheint 1344 als 
Eigenthum der Familie v. Hund, welche es in 
diesem Jahre an den Landgrafen Heinrich ver 
tauschte, der 1353 der Gemeinde ein eigenes 
Gericht verstattete. Landgraf Hermann verpfändete 
1376 den Ort für 366 Pfund Heller an die 
Hessen v. Wichdorff, löste ihn aber später wieder 
ein und belieh die Familie Hund mit einem 
Viertel des Dorfes. Im 30jährigen Kriege wurde 
dasselbe 1631 von den Croaten eingeäschert und 
erst nach demselben wieder angebaut. 
6. Falk enstein, alte verfallene Burg nord 
östlich der oben erwähnten Altenburg auf dem 
gegen Elmshagen gerichteten Vorberge des Waldes 
Reichenbach. Sie ist erst späteren Ursprungs, 
denn sie wurde 1346 mit Unterstützung des Land 
grafen Heinrich d. Eisernen von der Familie Hund 
zu Kirchberg erbaut und von dieser zu Lehen 
getragen. Als Hermann Hund d. ältere 1371 
gestorben war, hätte die ihm zugestandene Hälfte 
der Burg seinen Vettern, denen v. Holzhausen, 
welche die andere Hälfte besaßen, zufallen müssen, 
allein Landgraf Hermann, welcher auch hier, wie 
auf der Burg Niedenstein und andern Burgen, 
an welchen er Lehnrechte besaß, die Politik übte, 
sie in getheilten Besitz verschiedener Familien zu 
bringen, um ihrer desto sicherer zu sein, zog jene 
Hälfte ein und gab sie dem Ritter Eckebrecht 
von Griffte zu Lehn. Die Burg, von welcher 
nichts Erhebliches weiter bekannt, wurde seit 
1500 allmählig verlassen und dem Verfalle preis 
gegeben. 
7. Frankenrode, ursprünglich ein Dorf, 
später Hof, lag nordwestlich von Niedenstein vor 
dem Walde Reichenbach am Holzborn. Der Ort 
wurde 1342 von Hermann Hesse „gesessen zu 
Niedenstein" dem Kloster St. Catharinen wieder- 
känflich überlassen, jedoch in der Bundesherren 
fehde um 1440 verwüstet. 
8. Gassenhusen, ein Dorf südöstlich von 
Wichdorf am südlichen Fuße des Niedensteiner 
Burgbergs gelegen, gehörte ursprünglich einer 
davon benannten Linie des Geschlechts v. Wich 
dorff. Der Ort wurde 1387 im Mainzischen 
Kriege zerstört und nicht wieder aufgebaut, da 
die erwähnte edle Fanlilie mit ihren Unterthanen 
theils nach Niedenstein, theils nach Wichdorf zog. 
Reinhard v. Gassenhausen, der letzte des Geschlechts, 
lebte noch 1442 auf dem Niedenstein, wo er 
einen Burgsitz hatte. 
9. Hausen — eigentlich zwei Dörfer, Ober 
und Niederhausen, welche dicht bei einander süd 
lich von Wichdorf an der Wiehof standen, wo 
die Ortslage noch „zu den Hausen" genannt 
wird. Oberhausen gehörtederHeß'schen,Nieder 
hausen der Wackermaul'schen Linie der Herren 
v. Wichdorff. Ersteres trugen die Gebrüder 
Hugo, Heinrich und Johann von Wichdorff, die 
Hessen genannt, mit anderen von ihrem Groß 
vater Reinhard v. Wichdorff ererbten Gütern 
dem Landgrafen Heinrich I. 1277 zu Lehen auf 
und wurden von ihm damit wieder beliehen, 
diese Belehnung auch ihren Nachkommen 1414 
1442 1485 1489 1517 1567 und 1593 er 
neuert, obwohl der Ort seit 1400 Wüstung war. 
— Niederhausen hatten die Wackermaul v. 
Wichdorff dein Erzstift Mainz zu Lehen auf 
getragen und als solches wieder empfangen. 
Nachdem Widukind Wackermaul 1345 ohne 
Manneserben verstorben, belieh Erzbischof Heinrich 
v. Mainz dessen nächste Blutsverwandte, die v. 
Dalwigk mit Niederhausen sammt Gericht und 
Zehnten. Auch Niederhausen war seit 1447 
wüst und die Ländereien beider Orte wurden 
zur Wichdorfer Feldmark gezogen. 
10. Die Burg Niedenstein lNeydenstein). 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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