Volltext: Hessenland (2.1888)

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seinem Blick den ihren zu Boden senken mußte 
und ihr bleiches Gesicht urplötzlich eine flam 
mende Nöthe überzog, legte er° ihr sanft die 
Hand auf die Schulter, drückte einen Kuß auf 
Friihliirgsjubel. 
O Frühling, du trauter, du bunter Gesell, 
Wie leuchtest du mir in das Herze so hell! 
Du machst es mir jung und du machst es mir weit, 
Du spendest Mir Liebe und Seligkeit! 
Ich liebe dein Grün, deiner Blüthen Gedüst, 
Der Vöglein Gesang in der würzigen Luft! 
Ich liebe das Feld und ich liebe den Wald, 
Die Thäler, die Höhen, wo's Echo erschallt! 
Ich liebe den Tag in buntfarbiger Pracht, 
Ich liebe die stille, die lauschige Nacht! 
Ich liebe der Sonne erwärmenden Strahl, 
Der blinkenden Sternlein unendliche Zahl. 
Des Himmels unmeßbar azurenes Zelt, 
Ich liebe die ganze, die prangende Welt! 
Ach köstlicher, wonniger Frühling mein, 
Mit dir will ich jubeln und fröhlich sein. 
Kugo Krederking. 
Weltverloren» weltvergessen — 
Weltverloren, weltvergessen, 
Mitten in Waldeinsamkeit, 
Blickt von grüner Bergeshöhe 
Dort das Schloß aus alter Zeit. 
Graue Mauern, runde Thürme, 
Glänzend schieferüberdacht 
Und vom Epheu grün umwuchert, 
Boten Trotz der Zeiten Macht. 
Rings umher in weitem Bogen 
Zieht des Walles grau Gestein; 
Dunkle Haine, Matten, Weiher 
Schließt in seinen Ring er ein. 
Aber draußen dehnt die Haide 
Schimmernd sich im Sonnenglanz — : 
Schwanke Gräser, bunte Blüthen 
Fern bis an der Wälder Kranz. 
Tiefe, friedensvolle Ruhe, 
Wie dein Zauber mich umspinnt! 
Wie in deiner stummen Sprache 
Alles eignen Reiz gewinnt! 
Und mir ist, als nahe freundlich 
Eine Maid mit blondem Haar, 
Und sie ging mir still zur Seite 
Und sie reicht' mir Blumen dar — — 
ihre Stirn und sagte: „Gehe in die Küche und 
lasse die Erbsen nicht anbrennen. Du bleibst 
hier, damit Basta!" 
(Fortsetzung folgt.) 
An des Weihers klarem Spiegel 
Träumt das Herz so reich wie nie 
Und empfindet, süß erschauernd, 
Deine Nähe, Poesie! — — 
Und dies stille Fleckchen Erde 
Findest du im Hessenland, 
Tief im alten Reinhardswalde —: 
Sababurg wird es genannt. 
Aich. Hrömner. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Althessisches. Das treffliche.Gedicht ^Hessen- 
Treue^ von I. Grineau in Nr. 3 unserer Zeitschrift soll 
manchen Leser wohl unwillkürlich zu der Erwägung 
hin leiten,, wie doch jene unselige, s. g. westfälische 
Zwischenzeit — sei es in der Verfaßung des Landes, 
sei es in Denkungs-Weise des Volkes — aber auch 
so gar keine Spuren hinterließ; wie sie über Nacht 
gleich bösem Traume und Albe überwunden ward. — 
Hohes Verdienst ist es des Landgrafen-Kurfürsten 
Wilhelm's. Gerade er war hier am Platze; ein 
echt deutscher Mann, dessen unbeugsames Wesen es 
meisterlich verstanden, mit eisernem Besen allen Unrat 
der Franzosen-Wirthschaft wieder auszufegen. So 
begrüßen wir es, entgegen verknöchertem Sinne staubiger 
Acten-Freunde, mit hoher Genugthuung, daß unser 
Kurfürst sämmtliche Acten Jerome's und der unter 
ihm amtierenden Französlinge einfach vernichten 
ließ. Er sah in der siebenjährigen fremden Ver 
gewaltigung des Landes nur eine Fortdauer des 
Kriegs-Zustandes zwischen Frankreich und Hessen- 
Kassel, und das mit vollem Rechte. Denn nicht Je 
rome, sondern Er, ob auch in Böhmen weilend, war 
all die Jahre einzig rechtmäßiger Herrscher von Gottes 
Gnaden. Wie eine knorrige hessische Eiche stehet er 
in der Geschichte da, und es kennzeichnet so ganz die 
mattherzige Gegenwart, wenn wir des Dankes ver 
gehen, den wir ihm schulden. Er hat verhütet, daß 
ein Bruch in unsere stolze zweitausend-jährige Ge 
schichte kam; er hat ermöglicht, den Faden just da 
im Oktober 1813 wieder zu knüpfen, wo er im 
November 1806 gerißen war. Ruhm ihm und treues 
Gedächtnis für alle Zeit! 
Seine Rückkehr ins Land muß man nicht bei hä 
mischen Winkel-Schriftstellern nachlesen, sondern wie 
ein Jakob Grimm sie schildert. Da befahl er zu 
nächst daß alle noch brauchbare, nach althessischer 
Heeres-Ergänzungs-Ordnung pflichtige Mannschaft sich
        

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