Full text: Hessenland (1.1887)

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Georg Ferdinand Freiherr n. Fepel. 
(1779—1873.) 
(Fortsetzung.) 
f nt Jahre 1818 hatte sich Lcpel zum zweiten 
Male vermählt, mit der Freun Elise von 
Günderode. Die Verbindung mit der Frank 
furter Patriciertochter brachte ihm das Recht der 
Aufnahme in die Ganerbschaft Alt-Limpurg. Er 
behielt nach seiner Verabschiedung seinen Wohn 
sitz in der freien Stadt, deren Bürger er ge 
worden war. 
In die gesetzgebende Versammlung Frankfurts 
gewählt, führte er zeitweise den Vorsitz, wurde 
Senior des evangelischen Kirchenvvrstaudes und 
mit der Verwaltung bedeutender Vermögen von 
Korporationen und Privaten betraut. 
Bei einem Besuche der alten pommerschen 
Stammgüter, den Lepel um jene Zeit unter 
nahm, trat die Frage und Aufforderung an ihn 
heran, ob er nicht bei einigen derselben, welche 
damals leider Schulden wegen subhastirt wurden, 
das agnatische Vorkaufsrecht ausüben solle. Aber 
bei allem Familiensinn, den er bis an sein Lebens 
ende für die Geschichte seines Geschlechts und 
nicht nur für die direkten Angehörigen allein, 
sondern auch für die weit zerstreut lebenden 
Träger des Namens warm bethätigte, konnte er 
sich doch nicht verhehlen, daß man in vorge 
rückten Jahren das bis jetzt fremd gebliebene 
Gebiet der Landwirthschaft nur selten mit Er 
folg betritt. Die Güter blieben in fremder 
Hand. 
Die Ehe wurde mit Kindern reich gesegnet 
und die Sorge um die spätere Existenz der vier 
Söhne, für deren Zukunft die Stadt Frankfurt 
nur die Aussicht auf die Anwaltscarriere bot, 
bestimmte Lepel, aus den lieb gewordenen Ver 
hältnissen mit ihrer Unabhängigkeit zu scheiden. 
Der im Jahre 1831 zum Mitregenten seines 
Vaters, des Kurfürsten Wilhelm II. ernannte 
Kurprinz Friedrich Wilhelm hatte dem treuen 
Diener seines Großvaters Vorschläge zum 
Wiedereintritt in den Staatsdienst gemacht. Die 
selben betrafen zunächst die Uebernahme der 
Ministerien der Justiz und des Innern. 
Lepel lehnte diese Anerbietungen ab, weil er 
weder irr Justiz noch Verwaltung gedient hatte 
und sich deshalb nicht für geeignet hielt. Als 
aber im Jahre 1836 das auswärtige Amt frei 
wurde und ihm dasselbe und gleichzeitig, um 
eine höhere Dotirung der Stelle zu ermöglichen, 
die Oberhofcharge des Oberkammcrherrn ange 
tragen wurde, entschloß er sich zur Annahme. 
Die nie verleugnete Liebe zur Heimath mag in 
seiner Brust das entscheidende Wort gesprochen 
haben. Auf keiner Seite und in keiner Weise 
wurden indessen die Hoffnungen erfüllt, die sich 
an seinen, namentlich in Hessen allseitig mit 
Freuden begrüßten Wiedereintritt in den Dienst, 
knüpften und auch von den zwei Söhnen, welchen 
dadurch die Wege für künftige Saniere auf 
heimischem Boden geebnet werden sollten, hat 
nachmals jeder einem anderen Herrn in Ehren 
gedient. 
Nur zwei und ein halbes Jahr konnten die 
unter glänzenden Auspicien übernommenen Stellen 
von ihm behauptet werden. Die Charaktere des 
Regenten und seines Ministers waren zu ver 
schieden. Lepel war kein Verehrer der 1831 ge 
gebenen Verfassung, mußte dieselbe aber 
bei Uebernahme seines Amtes beschwören und 
konnte und wollte nichts befürworten und aus 
führen, was sein Eid ihm nicht zulässig erscheinen 
ließ; er glaubte, die Schranken die durch die 
selbstgegebene oder vereinbarte Verfassung gezogen 
waren, aufrecht erhalten zu müssen. Durch und 
durch Monarchist betrachtete er das Recht des 
Fürsten mit dem des Landes identisch, in Fällen 
aber, in welchen das persönliche mit dem Staats 
interesse kollidirt, ging seiner Ansicht nach das 
letztere voran. 
Meinungsverschiedenheiten, ob die heimgefallene 
Rotenburger Quart dem Staats- oder Familien- 
Fideikommiß gehöre, und ein aus gewichtigen 
Gründen nicht ausgeführter Befehl in Betreff 
des Anschlusses der Grafschaft Schaumburg an 
den Zollverband führten, nachdem andere Frik 
tionen vorangegangen waren, zum Bruch. Ab 
forderung des Oberkammerherrnschlüssels, nöthigen-
        

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