Full text: Hessenland (1.1887)

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Palmenzweig mit Lorbeerblättern und schwarz-weiß- 
goldener Schleife von der christlichen Studentenver 
bindung Wingolf in Marburg, die der Verstorbene 
vor 40 Jahren mitbegründet hatte und der er bis^zn 
seinem Tode mit Liebe und Treue 'anhing. Litera 
risch hat sich Busch durch Herausgabe einer biblischen 
Geschichte und einer Katechismuserklcu nng bethätigt. 
In Gemeinschaft mit dem verstorbenen Schulinspektor 
Dr. Chr. Röth und dem Weisenhausinspektor Hebel 
hat er auch ein Volksschullehrbuch herausgegeben. 
Seine Verdienste wurden schon vor Jahren aller 
höchsten Ortes durch Verleihung des Kronenordens 
anerkannt. * * A. onib* 
Ludwig Sigismund Ruht. 
Am 8. März starb dahier der vorhinnige Direktor 
des Museums und der Akademie der bildenden Künste, 
Geheimer Hofrath 8. S. R u h l, im 93. Lebensjahre. 
Unsere älteren Leser werden sich gewiß noch des 
Mannes erinnern, den man vor erwa dreißig Jahren, 
auf einem kleinem Schimmel, gefolgt von einem 
reitenden Bedienten, gewöhnlich in der Wilhelmshöher 
Allee spazieren reiten sehen konnte. Es kannte ihn 
Jeder von Ansehen den Geheimen Hofrath Ru' 1, aber 
gewiß war die Zahl derer, denen es vergönnt war, 
ihm persönlich näher zu treten, eine sehr geringe, und 
so kam es, daß er, als er sich im rcifeveu Alter 
immer mehr vom Leben und von der Kunst zurück 
zog, bald ganz aus dem Gedächtniß der Lebenden 
verschwand. Ruhl war ein Mann von unleugbar be 
deutenden Anlagen, geist- und talentvoll in hohem Grade. 
Zu seinen frühesten Arbeiten gehören eine Anzahl 
kleiner mit miniatnrartiger Feinheit ausgeführte Ge 
mälde, religiöse nnd romantische Scenen darstellend, 
wobei es ihm freilich weniger um ein frisches Erfassen der 
Natur zu thun war als um die Nachahmung alt 
deutscher und niederländischer Künstler. Auch in 
späteren größeren Gemälden „Tod der Bianca Capello", 
„Jakob II. in Versailles" u. A. ist das Bemühen, 
die Figuren nach bestimmten Regeln aufzubauen und 
die Gewänder akademisch richtig zu legen vor 
herrschend. Bedeutenderes leistete Ruhl als Zeichner, 
wie seine Umrisse zu Shakespeares Dramen und seine 
allegorische Geschichte Roms beweisen. Früh schon 
gab der Künstler das Malen auf; er zog sich immer 
mehr, fast bis zur Umnahbarkeit, zurück, urn sich ganz 
und gar auf die literarische Thätigkeit zu legen. Ruht 
schrieb unter dem Namen „Cardenio" und veröffentlichte 
mehrere Bände Erzählt ngen. Sein langes Leben, er war 
am 10. Dezember 1794 geboren, umfaßt eine so hoch 
interessante, ereignisreiche Geschichtsepoche, daß man 
wohl mit Sicherheit annehmen darf, er habe als geist 
voller Beobachter und vielen bedeutenden Menschen 
persönlich Nahestehender, Aufzeichnungen hinterlassen, 
deren Veröffentlichung früher oder später zu er 
warten sein dürfte. A. K. 
Ferner ist uns von befreundeter Seite folgende 
interessante Mittheilung über den Geh. Hofrath L. S. 
Ruhl zugegangen: 
Der Geheime Hofrath Ludwig Sigismund 
Ruhl neigte sich in seinem Jdeengang den Anschau 
ungen des Grafen August von Platen zlt und trat 
aus diesem Grunde zn dem Letzteren in ein freund 
schaftliches Verhältniß. Die Stellen aus dem Tage 
buch Ptaten's, soweit dasselbe veröffentlicht ist, lauten 
bezüglich Rnhl's folgendermaßen: „19. November 
1823. Ein Brief von Ludwig Sigismund Ruhl aus 
Kassel. Der dunkle Zusammenhang der Wesen, den 
man Sympathie nenne, sey ihm etwas Unerklärbares, 
dem er nicht länger nachgrübeln wolle. Er selbst 
habe, von dem Augenblick an, da er mich in meinen 
„Lyrischen Blättern" kennen gelernt, etwas für mich 
empfunden, wa nur wenige für wer ige fühlten. 
Schon lange, ehe ich es ahnen konnte, sey er meinem 
vergeistigten Selbst verbunden gewesen, und scheue 
sich nicht dieser Stimme Worte zu geben. Vielleicht 
würde künftig ein persönliches Zusammen treffen mich 
überzeugen, daß sein Geist und Leben dem meinigem 
verwandt seyen. Er bitte mich ihn mit einem Blatte 
zu beglücken, das Nichts enthalten solle, als die Ge 
nehmigung seiner Gefühle." 
1824. 1. Februar. Ruhl hat mir mit einem Brief 
voll Dank und Freunde sein Bild geschickt, das ich 
verlangt hatte. Ruhl und Grimm urtheilen sehr 
günstig über den „gläsernen Pantoffel." 
„25. Jnli. Einen kurzen Spruch aus Hafis für 
Ruhl gesucht, den sich derselbe aus ein Petschaft 
stechen lassen will." 
„1825. 21. Mai. Ruhl schreibt mir, daß man 
auf dem Königsstädter Theater in Berlin durch 
Verluittelung eines Baron Minutoli den „gläsernen 
Pantoffel" und den „Berengar" wahrscheinlich aus 
führen werde, den ersten mit Auslassung der Stelle 
gegen Friedrich 11., der „Rhampsinit" dagegen habe 
weder bei den Theatern, noch bei anderen Personen 
in Berlin Glück gemacht." 
Anknüpfend an diese Auszüge aus dem Platen 
scheu Tagebuche dürfte die Mittheilung eines Briefes 
von Interesse sein, den Ruhl vor sieben Jahren schrieb, 
als Schreiber dieses ihn um eine Auskunft über 
Platen bat. Die Handschrift ist fest und deutlich, 
für die völlige geistige Frische des damals 86jährigen 
Mannes zeugt der Jmhalt. Derselbe lautet: „Kassel, 
6. Oktober 1880. Euer Wohlgeboren geehrtes 
Schreiben hatte ich die Ehre zu erhalten nnd bedauere 
nur daß ich jetzt nach so langer Zeit außer Stande 
bin dem mir ausgedrückten Wunsch entsprechen zu 
können. Bald uach dem Tode des Grasen Platen 
bat mich Professor Wilhelm Grimm um dessen an 
mich gerichteten Briefe. Ich konnte ihm dieses Er 
suchen nicht abschlagen, namentlich nicht zu dem mir 
angegebenen Zweck. Somit ist denn nichts mehr von 
diesen! Besitz in meinen Händen und ich kann auch nicht 
angeben, ob Herr Hermann Grimm als Milerbe, diese 
Briefe der Aufbewahrung werth gehalten. Doch dies 
bedürfte ja nur einer Anfrage von Ihrer Seite. Berlin 
sah ich bald ein, war nicht der Ort wo Platen, der mir 
mehrere Seiner Arbeiten im Ms. zusandte, auf Aner 
kennung rechnen konnte; das von Savigny'sche Haus 
nnd ein kleiner Kreis anderer Personen ausgenommen, 
wo ich diese Sachen vorgelesen, verhielt sich das Publi 
kum sehr theiluahmlos dagegen, woran denn auch der
        

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