Volltext: Hessenland (1.1887)

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Sah n inmitten dem Gefild 
Reiten blank mit Schwert und Schild 
Ein Geschwader Panzerreiter, 
Lauter echte Quiutenstreiter. 
Und voran dem reis'gen Troß 
Karle Quint auf weißem Roß, 
Der sie überragte Alle, 
Wie ein Thurm die Kirchcnhallc. — 
Trug auf goldig-gelbem Haar 
Einen Hut, der wunderbar 
Prangte in der Purpurfarbe 
Wilden Mohnes einer Garbe. 
„Wer mag, werther Meister mein, 
Wohl des Hutes Träger sein?" 
„„Wer's auch sein mag; ohne Zweifel, 
Gott sei bei uns! nicht der f f f Teufel!.. 
Und das Roß in raschem Flug 
Zu ihm hin die beiden trug: 
„Das ist Euch zu Nutz und Frommen, 
Daß Ihr ungesäumt gekommen! 
Abgesessen!! Und sodann 
Zeigt Euch als der rechte Mann! 
Denn, mein Meister, laßt's Euch sagen, 
Jedes Roß ist zu beschlagen. —" 
Wie der aus beut Sattel flink 
Rüstig au's Hanthieren ging; 
Hier die Hufe zierlich stutzend, 
Dort mit neuen Eisen putzend. 
Stolz und in erhab'ner Ruh 
Sah indeß der Führer zu, 
Tadelnd hjer und lobend dorten 
Sachgemäß mit kurzen Worten. 
Und als jener nun behend 
War gekoinmen bis an's End', 
Thät er seinem Mundschenk winken: 
„Gebt dem Meister Eins zu trinken!" 
Sprach's und spornte rasch das Roß, 
Stob davon mit seinem Troß; 
Nur der Mundschenk blieb, der alte, 
Daß er seines Amtes walte. 
„Nun, mein Meister, schwinget Euch 
Hinter mich auf's Roß m's Zeug; 
Denn je flinker, um so schneller ' 
Sind wir vor dem Spund im Keller!" 
Klaus hob noch in raschem Lauf 
Ein paar alte Eisen auf, 
Schob sie in die Schurzfells-Tasche, 
Daß er aus dem Berg sie pasche. 
D'rauf zum dunklen Felsgestein 
Hurri schurri ging's hinein * 
Bis zum Keller in der Ecke 
Mit der Ampel an der Decke. 
Fässer — hundert — riesengroß, 
Lagen da im Erdenschooß, 
Tausendjähriges Getränke, 
Nur gewärtig, daß man's schwenke. 
„„Wisset, werther Schenke mein, 
Habet da ein Trinkhorn fein, 
Laßt das Rößleiu seiner Straßen 
Und uns fest das Hörnlein blasen!..."" 
Und das Hörnlein bliesen sie, 
Bis die Hähne krähten früh, 
Bis sie alle beide trunken 
Vor den Faßhahn hingesunken. 
Indeß aber saß und spann — 
Seiner harrend — Marie-Ann'; 
Spann vom glatten, gold'nen Wockeu 
Ab des Flachses seid'ne Flocken. 
Saß bis zu der Nacht hinein, 
Bis der Mond durch's Fensterlein 
Halben Auges lächelnd blickte, 
Wann sie sich zur Spule bückte. 
Spann, bis daß im Ost der Tag 
Wie in Rosen-Dannen lag,^ 
Doch verschlossen blieb die Schmiede, 
Die doch früh sonst Funken sprühte. 
Blieb verschlossen — Tag für Tag — 
Das ertrage, wer's vermag! 
Marie-Ann' hat nichts gesprochen, 
Doch ihr Herzchen frug mit Pochen: 
„Schätzte er mich so gering, 
Daß er ohne Abschied ging? — 
Draußen giebt es reich're Mädcheu ; 
Wenn er " ach! da riß das Fädchen — 
Das ertrage, wer's vermag! 
Armes Herz, was soll Dein Schlag?! 
Marie-Ann' hat nichts gesprochen, 
Doch ihr Herz ist schier gebrochen. 
Freud-' und wortlos saß sie daun 
Sieben Jahre lang und spann 
Zwischen Hangen, zwischen Bangen, 
Bleiches Grämen auf den Wangen. 
Sieben Jahre sind es heul 
Wieder um die Vesperzeit, 
Kömmt mit einem Male munter 
Klaus im Dorf den Weg herunter. 
Lenkt zur Schmiede seinen Lauf, 
Stößt die ruß'ge Schalter auf, 
Legt ab seine Siebensachen, 
Frisch die Esse anzufachen. 
Da — von drüben — welch' ein Schrei 
Stürzet Marie-Ann' herbei: 
„Wo hast, Böser, Du die sieben 
Jahre Dich umher getrieben? ..." 
„„Sieben Jahre? . . Bist wohl nicht — 
Mädchen, sieh mir in's Gesicht! . . . 
Antwort nimm auf Deine Frage: 
Bei dem Quint' zum Hufbeschlage. — 
Lächelst, Mädchen? . . . Na, merk' auf! 
Greift zur Schurzfells-Tasche drauf, 
Mit den jüngst gepaschten Eisen, 
Was er sprach, schnell zn beweisen.
        

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