Full text: Hessenland (1.1887)

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davontrugen, so liegt es nahe, anzunehmen, daß 
Otto in Franken ähnlich wie zuvor in Baiern 
verfuhr und den einen Vetter gegen den anderen 
ausspielte. 
Noch aber gab sich Eberhard nicht verloren. 
Scheinbar verlassen, suchte er auf den Rath 
seines Freundes, des Erzbischofs Friedrich von 
Mainz, einen Ausgleich mit dem Könige. Er 
warf sich seinem Bruder Heinrich zu Füßen und 
bewog ihn, als Vermittler aufzutreten. Gleich 
zeitig aber fachte er in Heinrichs Brust den 
schlummernden Funken an, der später zur lichten 
Flamme werden sollte und das Reich an allen 
Enden entzündete: er eröffnete ihm die Aussicht 
auf den Königsthron, und beide Männer schlossen 
einen folgenschweren Bund, von dem Otto 
Nichts ahnte. 
Auf Heinrichs und des Erzbischofs Verwendung, 
und da ein gleichzeitiger Einfall der Ungarn 
Täckse» heimsuchte, ließ Otto sich zum Frieden 
geneigt finden. Eberhard wurde seiner herzog 
lichen Würde für verlustig erklärt und zu einer 
gelinden Verbannung nach Hildesheim verur- 
theilt. Und ob er zwar bald vom Könige wieder 
zu Gnaden angenommen und in die früheren 
Ehren wieder eingesetzt wurde, so kann man doch 
leicht denken, daß an der allgemeinen Lage sich 
wenig änderte. 
Bald brach denn auch der Krieg aufs Neue 
aus. Heinrich und sein Schwager Giselbert 
von Lothringen erhoben zuerst die Fahne der 
Empörung. Aber Otto brachte beide in große 
Noth, und nun erst, im Spätsommer d. I. 938, 
griff auch Eberhard wieder in den Kampf ein. 
In beiden Verbündeten, heißt es, habe er die 
Hoffnung auf die Königskrone genährt, während 
er selbst doch mit dem Gedanken umgegangen 
sei, sie sich aufs Haupt zu setzen. Und zum 
Beweise führt man seine eigenen Worte an, 
die er scherzend zu seiner Gemahlin gesprochen 
habe: Noch kosest Du auf dem Schooße des 
Grafen; bald wirst Dn aber in eines Königs 
Armen ruhen. 
Gewiß ist diese angebliche Aeußerung Eberhards 
nichts anderes als damaliger Klatsch, zumal sie uns 
ein Italiener, Bischof Lindprant von Cremona, 
der sie am Hofe König Ottos hörte, verzeichnet hat. 
Niemand wird sie belauscht haben; und ebenso 
wenig steht es fest, von welcherlei Art die Ab 
machungen zwischen den Verbündeten waren. 
Wenn man sich erinnert, daß im Vorjahre der 
Kampf von Seiten der Verbündeten Herzog 
Eberhards mit besonderer Erbitterung gegen des 
Königs Bruder Heinrich geführt wurde, ein 
Kampf, der dem jungen Gebhard das Leben 
kostete, so darf man vermuthen, daß gerade das 
Festhalten Eberhards an Heinrich ihm die Herzen 
seiner Vettern dauernd entfremdete. 
Sie bildeten jetzt gerade die wichtigsten und 
eifrigsten Bundesgenossen des Königs; mit ihnen 
belagerte Otto die festen Burgen Eberhards 
am Rhein, Briseg, das heutige Ober- oder Nieder 
breisig in der Nähe von Andernach und anderes, 
wogegen Eberhard sich mit Giselbert in dessen 
Herzogthum vereinigt hatte und zum Entsätze 
heranzog. 
Vergebens versuchte Erzbischof Friedrich von 
Mainz, der erste Prälat des Frankenlandes, eine 
Versöhnung zu Stande zu bringen. Der König 
verwarf seine Vorschläge, und so verließ er, und 
mit ihm viele andere Bischöfe und Herren, das 
Lager, um sich den Feinden anzuschließen; ein 
Beweis, daß deren Sache des guten Kernes 
nicht entbehrte. 
Die Lage Ottos war eine verzweifelte, und 
Widukind von Corvei sagt selbst, daß die Herr 
schaft der Sachsen verloren schien?). Da half 
Otto sein gutes Glück. Eberhard und Giselbert 
waren bei Andernach über den Rhein gegangen, 
wohl um des Königs Rückzugslinie zu bedrohen 
und ihn zur Aufhebung der Belagerung zu nöthigen. 
Otto entsandte dagegen Herzog Hermann von 
Schwaben mit Udo und Konrad Kurzbold gegen 
sie, doch waren diese zu schwach, um sich in 
einen Kamps einlassen zu können, und begnügten 
sich damit, jenen in der Ferne zu folgen. Da 
1) An Breisach in Schwaben zu denken, ist natürlich unmöglich, 
und wenn selbst spätere Quellen diesen Ort bezeichnen, so beruht . 
das offenbar auf einem Mißverständniß; denn wie käme Eberhard 
an den Oberrhein, und selbst wenn er dort Stützpunkte gehabt hätte, 
so waren die von keinem Belang in dem vorliegenden Kampfe. 
2) Die Worte: nec ultra apes rcxnrpiltt — Saxones, können 
kaum anders gedeutet werden.
        

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