Volltext: Hessenland (1.1887)

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Nach dem Ableben seiner Gattin brachte er 
die Kinder aus deren erster Ehe im Sommer 
1812 zu Verwandten in Hessen. König Jerömc 
hatte aus eigener großmüthiger Initiative dem 
General von Lepel , ein Wiedersehen mit dem 
Sohne angeboten und dem letzteren dazu den 
Besuch der Heimath gestattet. 
Im Winter 1812/13 wurde Lepel zu seinem 
Herrn nach Prag berufen und begleitete den 
selben nach Breslau zur Begrüßung der durch 
den Vertrag von Kalisch verbündeten Monarchen 
von Rußland und Preußen. Er verblieb dann 
im Gefolge des Kurfürsten und wurde ver- 
schiedenlich in das Hauptquartier der Alliirten, 
deren Einzug in Dresden er beiwohnte, ent 
sendet. 
Da der Kurfürst, ehe Oesterreich, in dessen 
Territorium er wohnte, dem russisch-preußischen 
Bündniß beigetreten war, keine kriegerischen Rüst 
ungen vornehmen konnte, versprach er dem Mi- 
uister Freiherrn von Stein, zumeist auf Zurathen . 
Lepels, eine pekuniäre Beihülfe zu den Feldzugs 
kosten von monatlich 50000 Thlr., deren erste 
zweimonatliche Rathe letzterer, nicht ohne Gefahr, 
in die Hände der französischen Armee zu fallen, 
an Minister Hardenberg überbrachte. Ueber die ' 
Beziehungen Lepels zu Stein, die damals be- 1 
gönnen, liegen, wie wir aus der Beilage ersehen ' 
werden, interessante Aufzeichnungen, zum Theil 
mit wörtlicher Wiedergabe der wichtigeren Unter 
redungen, vor. 'Auf die 'Rachricht von der Ein 
nahme Kassels durch Czernitscheff wurde Lepel 
mit dem Obersten von Müller sofort vom Kur 
fürsten dorthin entsendet, um Besitz von Hessen 
zu nehmen.' Sie erfuhren aber rechtzeitig den 
Wiederabzug der Russen und schlossen sich nun 
dem großen Hauptquartier an, in welchem sie 
der Leipziger Schlacht beiwohnten und in dessen 
Gefolge sie nach Frankfurt a. M. kamen. Dort 
unterzeichnete Lepel am 3. December 1813 in Voll 
macht seines kurfürstlichen Herrn den Zutritts 
vertrag zur großen Allianz, durch welchen dieser ; 
wieder in seine Staaten eingesetzt wurde. Die > 
Auswechselung der Ratifikationsurkunden fand in ' 
Basel und Freiburg statt. ! 
Im Sommer 1813 war Lepel dienstthuender ! 
Kammerherr und am letzten Tage des Jahres j 
Geheimer Regierungsrath, geworden. 
Nach der ersten Einnahme von Paris reiste j 
er in höherem Aufträge dorthin, um die Kunst- 1 
und literarischen Schätze zu reklamiren, welche ! 
die französischen und wcstphälischen Behörden ! 
aus den Kasseler Museen und der Bibliothek j 
halten wegführen lassen. Diese Mission scheiterte, > 
weil durch die Kapitulation von Paris die Be- j 
! stände des Musee Napoleon garantirt waren. 
1 In den Jahren 1814—15 wirkte Lepel als 
! zweiter Bevollmächtigter des Kurfürsten, der in 
zwischen Besitz seines Erbes ergriffen und eine 
I Armee von 21000 Mann aufgestellt hatte, auf 
dem Wiener Kongresse. Er nahm thätigen An 
theil au ben Verhandlungen über die deutschen 
Angelegenheiten. Einzelne Noten sind im ersten 
Entwurf seiner Feder entflossen und auch bei 
1 der Redaktion der Bundesakte wirkte er eifrig 
> mit. Auch hierüber sind detaillirte Angaben im 
I Nachlasse vorhanden, von denen die erste Anlage 
handeln wird. 
. Auch die Verhandlungen zwischen Preußen 
und dem Kurfürsten, in welchen von diesem 
gegen Abtretung der Niedergrafschaft Katzenellen 
bogen und der Grafschaft Plesse ein Theil des 
Bisthums Fulda, einschließlich der Stadt, als 
Grvßherzogthum Fulda erworben wurde, waren 
Lepel anvertraut, ebenso die Auseinandersetzung 
mit Hessen-Darnfftadt wegen Retrocession resp. 
Ersatz von vier . Hanau'schen Aemtern, welche 
Napoleon dem Großherzoge überwiesen hatte. 
Im Jahre 1816 erhielt Lepel statt der in seinen 
Wünschen liegenden und ihm anfangs zugesagten 
Stelle des Gesandten am neu errichtetcn Bunde, 
den diplomatischen Posten am Wiener Hofe. 
Er traf dort zur vierten Vermählung des Kaisers 
Franz ein und begab sich im Februar nach 
München, wo er.ebenfalls beglaubigt war, zur 
Ueberreichung seiner Kreditive. Dort traf ihn 
die Weisung: sich unverzüglich nach Frankfurt 
zu verfügen und die Stelle des Bundestags- 
■ gesandten, erst provisorisch, dann definitiv, zu 
übernehmen. 
Seine Vorgänger hatten einem, den Kurfürsten 
gravirenden Beschlusse der Versammlung gegen 
über keine Verwahrung eingelegt. Es handelte 
sich nut die Herausgabe der ehemaligen Güter 
des deutschen Ordens, dessen Aufhebung Napoleon 
im Jahre 1808 dekretirt und dessen Besitzungen 
er dem Landesherrn geschenkt hatte. Von der 
westphälischen Regierung waren die Güter zum 
Theile verkauft worden. Der Kurfürst nahm 
nach seiner Rückkehr von dem Nichtveräußcrten 
Besitz und erließ, da die Käufer der bereits 
veräußerten Güter durch die Gerichte in ihrem 
Besitze geschützt wurden, eine Verordnung, wo 
nach dieselben, gegen den Kaufpreis und den 
Ersatz nachweislicher Meliorationen zurückzuer 
statten seien. Hierdurch mußte namentlich ein 
Domänenkäufer Hofmann, der die bereits in die 
Katasterrolle eingetragenen Güter in größeren 
Parcellen anderweit veräußert hatte, empfindliche 
Verluste erleiden.
        

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