Full text: Hessenland (1.1887)

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Auf den Wunsch dieser vaterländischen Zeit« 
schrift soll nun versucht werden, das lauge frucht 
bringende Leben Georg Ferdinands an der Hand 
der von ihm hinterlassenen Aufzeichnungen, von 
denen einige im Original als Anhang") folgen 
werden, zu schildern. 
Es handelt sich darum, das Bild eines her- ! 
vorragend begabten und unterrichteten, streng ' 
rechtlichen und echt patriotischen Mannes, der 
unerschütterlich fest bei dem verharrte, was er 
einmal für recht erkannt hatte — zu zeichnen, 
und zu berichten, wie es diesein Manne beschicken 
war, bei wichtigen und hochinteressanten Ereig 
nissen seines Zeitalters Augenzeuge und Mit 
arbeiter zu sein. ! 
Georg Ferdinand von Lepel wurde am 27. 1 
November 1779 zu Spangenberg, dem damaligen , 
Garnisonsort seines Vaters, geboren. Er war j 
ein so wenig kräftiges Kind, daß der Gedanke, ! 
ihn dereinst dem Militärdienste zuzuführen, früh- ! 
zeitig aufgegeben wurde und die Eltern beschlossen ' 
den geistig begabten Knaben dem Studium zu ; 
widmen. Die Versetzung des Vaters nach Kassel < 
gestattete den Besuch des dortigen Lyceums, in ' 
welches Georg Ferdinand im Herbst 1788 ein 
trat. und welches er zu Ostern 1796 verließ, »m 
an den Universitäten Marburg und Göttingen 
Jura und Staatswissenschaft zu studiren. 
Selten mögen die Räume der Kasseler Schule 
einen fleißigeren Besucher gehabt haben, der mit 
größerer Leichtigkeit das Vorgetragene erfaßt , 
und behalten hätte. Hand in Hand mit der Er 
ziehung durch die Lehrer ging die des Eltern 
hauses. 
Vor allem pflanzte die vortreffliche Mutter 
den Keim eines ernst religiösen Sinnes in das 
jugendliche Herz und stählte es dadurch gegen 
manchen Angriff der Verführung. Der Vater 
verstand es den schwächlichen Körper durch Ab 
härtungen zu kräftigen und allmählich die Be 
fürchtungen der gefährdeten Widerstandsfähigkeit , 
desselben zu vermindern. 
Im Jahre 1798 bat der hessische Legations 
sekretär am Reichstage zu Regensburg, von 
Starkloff um Abberufung und ganz unerwartet ! 
wurde der noch nicht 19 Jahre alte Jüngling • 
Georg Ferdinand zu seinem Nachfolger ernannt. 
Er mußte seine Studien in Göttiugen in raschester 
Weise zum Abschluß bringen und schon am 6. 
Oktober seinen Dienst antreten. 
Die ziemlich geringen Geschäfte am Reichstage 
gestatteten ihm indessen sich wissenschaftlich weiter 
*1 Der hochinteressante Inhalt des Anhanqs betrifft „Tic ! 
Unterzeichnung der deutschen Bund-satt- vom I«. Juni I«l5 zu Wien, I 
totme die Bekanntschaft und die B-rhandlnnqe« G. FchcPel's «jt ! 
dem Minister Freiherrn von und znm Stein." Anm. d. Red. 
jetzt erst sein Wachs 
thum volle' . in reichen! Maße zu gute. 
Sechs un halbes Jahr dauerte diese Ver 
wendung in ,,-tgensburg. Gerade als sich gegen 
Ende der Zeit erhebliche Verbesserungen des 
sehr mäßigen Gehaltes, welcher dem auf jede 
Zulage aus dem Elternhause verzichtenden jungen 
Manne gar inanchc Entbehrung auferlegte, durch 
Uebernahme der Vertretung neu hinzutretender 
kleiner Fürsten darboten, erfolgte seine Ernennung 
zum Geschäftsträger in Wien, wo sich der inzwischen 
Kurfürst gewordene Landgraf durch eine Ge 
sandtschaft vertreten lassen wollte. An der Spitze 
derselben stand der Rcichstaxsgesandtc Freiherr 
von Günderode. Derselbe kehrte jedoch bald 
nach Regensburg zurück und Lepel blieb allein 
in Wien. 
Als im Spätherbste des Jahres 1805 der 
österreichische Hof bei Annäherung der französt- 
scheir Arinee die Hauptstadt verließ, folgten die 
Vertreter der befreundeten und präsumtiv alliirten 
Staaten demselben nach Ollmütz und von da 
nach Troppa». Nach dem Preßburger Frieden 
konnte dann im Januar 1806 die Rückreise nach 
Wien stattfinden. Nach Vernichtung des preußi 
schen Heeres bei Jena und Auerstädt im Herbste 
dieses Unglücksjahres wurde das kurfürstliche 
Haus Hessen durch Napoleon von der Liste der 
Regierenden. gestrichen und der Friede von Tilsit 
zerstörte jede Hoffnung auf Wiedereinsetzung des 
selben. 
Lepel, der glänzende Anerbietungen, in den 
höheren diplomatischen Dienst des neuen König 
reichs Westphalen einzutreten, abgelehnt hatte, 
verblieb seinein angestammte» Herrn treu >md 
beharrte in seinem Dienste zunächst als Privat- 
Geschäftsträger. Er selbst sagt als „Geschäfts 
mann des Kurfürsten" bei der österreichischen Re 
gierung. 
Als der Kurfürst Wilhelm I. im Frühjahr 
1809 bei der Erhebung des Kaiserstaates gegen 
seinen Bedränger ein kleines Truppenkorps ver 
schiedener Waffen in Prag zu errichten begann, 
begab sich Lepel dorthin und wurde zu mehreren 
Missivllen in das österreichische Hauptquartier 
verwendet. Nach Abschluß des Wiener Friedens 
»ahm er seine Thätigkeit als Privat-Geschäfts- 
träger wieder auf. 
Er vermählte sich jetzt mit einer Wittwe 
Christiane Hille, geb. von Stubenrauch, die ihm 
aber nach kurzer Frist durch den Tod wieder ent 
rissen wurde.
        

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