Volltext: Hessenland (1.1887)

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zu kämpfest. Am 9. August endlich kan« die 
Stunde seiner Erlösung. Als er, es war an 
einem Sonntag, in der' Altstadt zur Kirche läuten 
hörte, sagte er zu Appelius: Die Glocke hat 
mir in meinem Leben nicht so geläutet, wie jetzt. 
Als ihm darauf der Pfarrer erwiderte: Diese 
Glocke ruft jetzt Euer Gnaden zum himmlischen 
Engelsgesang. Jetzt werden Euer Gnaden mit 
den Engeln zu Chore gehen, so fing er mit Heller 
Stimme das Lied: Allein Gott in der Höh' sei 
Ehr an zu singen, in welches die Umstehenden 
mit einstimniten. Darauf forderte er dieselben 
auf, nieder zu knieen und zu beten. Leise zwar 
aber verständlich betete er die Worte mit. be 
sonders das Unser Vater und den christlichen 
Glauben. Bald darauf entschlief er gerade, als 
inan in der Altstadt nach beendeter Predigt das 
gewöhnliche Kanzelgebet für den Grafen sprach. 
Vor seinem Ende vertheilte er seine Gebet- und 
Erbauungsbücher an seine Kinder. Seinem ältesten 
Sohn Philipp Moritz schrieb er in seine kleine j 
Bibel, die ihn auf allen seinen Reisen begleitet 
hatte: Fürchte Gott und halte seine Gebote. — 
Halte Dich in Deinem ganzen Leben an Gott; 
seine Hülfe und sein Beistand fiub Dir nöthig, i 
Seinem Sohn Wilhelm Reinhard schrieb er in 
sein Gebetbuch: Gehorche und diene Deiner i 
frommen Mutter, der Du unter dem Herzen 
gelegen. Seine Leiche wurde am 23. September 
iu der Gruft der Marienkirche beigesetzt. Die 
Leichenrede hielt der Inspektor Georg Fabricius 
von Windecke» über Offenbarung Johannis 14, 
Vers 12 und 13: Hier ist Geduld der Heiligen; 
hier sind die da haltest die Gebote Gottes und 
Georg Ferdinand 
(1779- 
f m Jahre 1760 kam der erste Lepel aus 
Pommern, der Wiege dieses alten Geschlechts, 
nach Hessen. 
Der damals 14 Jahre alte Knabe Gottlieb 
Christoph Gustav von Lepel' trat als Page in 
den Dienst des Landgrafen Wilhelm VIII. Er 
wllrde bald Offizier und war bei Hereinbruch 
der Katastrophe von 1806 General-Major beim 
Dragoner-Regiment Landgraf Friedrich. 
Dem kinderreichen und pekuniär wenig be 
mittelten Mann blieb beim Untergang des Kur 
staates keine andere Wahl, wie die: den Ver 
hältnissen Rechnung tragend, weiterzudienen. 
Erst westphälischer Brigade-, dann Divisions 
General, Gouverneur von Braunschweig, zuletzt 
; den Glauben an Jesum. Und ich hörte eine 
> Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: 
! Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, 
von nun an. Ja der Geist spricht, daß sie ruhen 
! von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen 
nach. An dem Tag der Beisetzung wurde in 
allen Kirchen des Landes über denselben Text 
gepredigt und neunmal geläutet. Der in der 
Gruft der Marienkirche stehende Zinnsarg des 
Grafen enthält der Sitte der Zeit gemäß eine 
lange und pomphafte Inschrift. Ein Grabdenkmal 
von ihm ist nicht vorhanden. Das schöne Epitaph, 
welches man für das seine hielt und dessen wir 
oben gedachten, hat er selbst seinem Vater Philipp 
Ludwig I. setzen lassen. Daß es diesem ange 
hört, beweisen die rechts und links angebrachten 
Wappen der Ahnen. Eine Inschrift dagegen be 
sitzt es nicht, woraus denn sehr leicht der lang 
jährige Irrthum entstehen konnte. 
Als Gründer der Neustadt hat es Philipp 
Ludwig verdient, daß ihm auf einem der öffent 
lichen Plätze ein dieses großen Mannes würdiges 
Denkmal gesetzt wird. Dian ging schon einmal 
lebhaft mit dem Gedanken um, ihm ein solches 
zu setzen, um dadurch eine Pflicht der Dankbar 
keit zu erfüllen: Der Akademielehrer und Bild 
hauer Leuchtweiß entwarf bereits das Modell 
zu einem Standbild Philipp Ludwigs, welches 
in dem Sitzungssaal des Neustädter Rathhauses 
aufgestellt ist. Die Ausführung desselben kam 
1 jedoch nicht zn Stande. Hoffentlich ist im Jahre 
' 1897, am 300 jährigen Jahrestag der Gründung 
j der Neustadt Hanau, die Zeit gekommen, wo ihin 
Hanau diese Schuld der Dankbarkeit abträgt. 
Freiherr v Lepel. 
-1873.) 
Chef der Militärsektion des Staatsrathes, erhielt 
er durch Königliches Diplom vom 26. März 1812 
die Freiherrnwürde und starb im August 1813. 
Von den zehn Kindern- welche seine Gattin, 
Marie Karoline von Stiernberg, ihm geschenkt 
1 hatte, wuchsen nur 6 empor. Mit dem ältesten, 
| Georg Ferdinand, werden sich diese Blätter be- 
! schäftigen. Bier seiner Brüder wurden west- 
phälische Offiziere; drei derselben kämpften gegen 
- Rußland. Nur einer davon kehrte von dort zu- 
; rück, folgte wieder den hessischen Fahnen, avan- 
cirte zum General-Lieutenant und General-Adju 
tanten des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, war 
Kommandant der Residenz und starb, nachdem 
i er den Wandel fürstlicher Gunst reichlich er- 
! fahren hatte, 1855 zu Kassel.
        

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