Volltext: Hessenland (1.1887)

60 
Schilderungen der Wohlthaten, welche die von der 
Knechtschaft befreiten Völker von ihnen zu erwarten 
hätten. General C u st i n e eröffnete u. a. am-18. Oktbr. 
1792 den Bewohnern von Mainz nach Einnahme der 
Festung: „Eine Nation, welche zuerst allen Völkern 
das Beispiel gegeben hat, zu ihren Rechten zurück 
zu kehren, bietet Verbrüderung, bietet Freiheit Euch 
an. Krieg den Palästen, Schutz den Hütten." Nach 
Besetzung der Stadt Frankfurt sollte diese freie Reichs 
stadt bald die ihr durch Custine gebrachten Wohl 
thaten kennen lernen. Unter dem Vorgeben, daß sie 
die Armee der Emigranten unterstützt habe, legte er 
ihr eine sofort zu zahlende Kontribution von zwei 
Millionen Gulden auf. Als der Landgraf von Hessen 
leine Truppen bei Hanan versammelte, um in Ver 
bindung mit einem preußischen Korps gegen die 
Franzosen vorzugehen, erließ Custine am 28. Oktbr. 
folgenden Aufruf: 
An die hessen-kasselschen Soldaten. 
Der Landgraf von Hessen hat zahlreiche Schaaren ' 
streitbarer Männer um sich in der Nähe versammelt. 
Denkt er nicht, daß der jüngste Tag für alle un 
gerechten Fürsten und der Tag der Erlösung für die 
von ihnen verblendeten Völker erschienen ist? 
Er lagert diejenigen um sich her, durch welche er 
hofft, seinen wankenden Thron zu befestigen, diesen 
reinsten Theil eines Volkes, dessen Blut er verkaufte 
um seine Schatzkammer zu füllen. Schon dieser einzige 
Umstand wird über das Schicksal dieses Tyrannen 
entscheiden. Ungeheuer! über das sich schon Längst 
der Fluch der deutschen Nation, die Thränen der 
Wittwen, die Du brodlos und das Jammergeschrei 
der Waisen, die Du elend gemacht hast, gleich schwarzen 
Gewitterwolken zusammenthürmten. Deine gemiß- 
brauchten Soldaten werden Dich der gerechten Rache 
der Franken überantworten. Die Flucht wird Dich 
nicht derselben entziehen. Wie wäre es auch nur 
möglich, daß das Volk in der That einem Tiger, wie 
Dn bist, Znflucht gewähren könnte. 
Und ihr, Soldaten der Hessen! die ihr nicht Feinde 
wäret des fränkischen Volkes, die Nation bietet euch 
ein glückliches Schicksal an, täglich fünfzehn Kreuzer- 
wenn ihr dienen wollt, fünfundvierzig Gulden Pension 
und wenr ihr keine Dienste nehmen wollt, das Bürger 
recht, brüderliche Liebe und Freiheit. 
Ich als General der fränkischen Republik mache - 
euch dreses bekannt. 
Adam Philipp Custine, 
Fränkischer Bürger, General der Armeen der Republik." 
Hessens Krieger hab.en dem Bürger- 
General am 2. Dezbr. bei der Erstürmung 
Frankfurts die gebührende Antwort er-« 
theilt. Eine eigenthühmliche Antwort wurde ihm 
dann noch von einer anderen Seite zu Theil. Das 
„Frankfurter Journal" vom 17. Novbr. 1792 ver 
öffentlichte folgenden Briefwechsel: 
Herr General! 
Die Erklärung, die Sie als ein unverschämter 
sranzösischer Bürger in die Frankfurter Zeitung gegen 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zw eng 
den Herrn Landgraf von Hcfsen-Kassct haben ein 
rücken lassen, ist unter aller Bemerkung. Ich kann 
aber als Vasall von diesem meinen Landesfürsten solche 
Ausdrücke von Ihnen, Herr General, nicht unge 
ahndet lassen. Wollen Sie an der Spitze znsammen- 
getaufener Völker als General dienen, so verlange 
ich auch, daß Sie mir eine mündliche Unterredung 
i gestatten werden, welche den Beschluß mit ein paar 
Pistolen machen wird, bestimmen Sie einen Ort, ich. 
komme und fürchte nichts. 
Eisenach, den 9. November 1792. 
Friedrich Treusch von Buttlar. 
Königl. Preuß. Kammerherr. 
Antwort auf vorhergehenden Brief: 
Im Hauptquartier zu Hessen-Homburg den 
16. Novbr. 1792 im ersten Jahre der Republik. 
Der General Custine hat Ihren Brief gelesen, der 
ihm viel Spaß gemacht hat. Schade, dag er Ihren 
Wunsch, (so sehr ihm sonst der Herrn Kammerherrerr 
Wünsche Befehle sind), nicht ein Genüge leisten kann.. 
Seitdem aber die Preußen und Oesterreicher bei ihrem 
Kreuz- und Jammerzug nach Frankreich sich die 
Finger verbrannten, da sie Kastanien ans dem Feuer 
holen wollten, hat er sich entschlossen, sich nicht anders», 
als mit Kanonen zu duelliren. Steht Ihnen eine 
solche Parthie an, so belieben Sie nur Zeit, Stand- 
und Tag anzuzeigen, der General wird nicht der 
letzte auf den Platz kommen. Vergessen Sie aber 
Jhren Kammerherrnschlüssel nicht, vielleicht wirkt 
er, wie bei St. Hubertus, seine Wunder, auch bei Ihnen, 
wenigstens kann er Ihnen gegen die stille Wuth. 
Hülfe verschaffen. 
Der Bürger Daniel S t a m m. 
Aide de Camp des Generals. 
U.-U. 
Briefkasten. 
W. H. Berlin. Wir empfehlen Ihnen die „dienen, 
poetischen Blätter"; dieselben erscheinen in Mainz halb 
jährlich zum Preise von Mk. 1.60 und berücksichtigen auch 
insbesondere talentvolle Anfänger. 
S. L. Tri er. Es ist uns lieb, wenn Sie gelegentlich 
einmal eine größere Auswahl schicken. 
H. L. Fulda, G. G. K a s s e l, u. A. Interessante 
Mittheilungen geschichtlichen oder kulturgeschichtlichen In 
halts sind uns immer willkommen. 
X. Y. F r a n k f u r t. Ungeeignet. 
11. B. in W. bei Marburg. Manuskripte pflezerr 
wir im Falle der Nichtverwendnug immer zurückzusenden. 
R. S. Wanfri e d. Der betreffende Artikel über die 
„Schwälmcr" urußte wegen Mangels an Raum für eine 
spätere Nummer zurückgestellt lverden. 
Etwaige Unregelmäßigkeiten in der Zustellung 
der einzelnen Nummern des „Heffenlaud" bitten 
wir der Redakt., Jordanstr. 15, bekannt zu gebe«, 
damit alsbald Abhilfe geschaffen werden kann. 
er in Kassel. Druck von Wilh. Thiele in Kassel.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.