Full text: Hessenland (1.1887)

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des mächtigen Franken-Herzogs und zur Brechung 
seines Einflusses willkommen war, verurtheilte 
ihn selbst als Landfriedensbrecher zu der enormen 
Strafe von 100 Mark Silbers (die ebeusovielen 
Rossen gleichwerthig erachtet wurden); seine Ge 
treuen aber wie gemeine Räuber zu der ent 
ehrenden Strafe, Hunde zur königlichen Pfalz 
nach Magdeburg zu tragen; indes Brnning, der 
tlrheber des Streites, straflos ausging. 
Was würde König Heinrich zu einer solchen, 
dem ersten Fürsten des Reiches widerfahrenen 
Behandlung gesagt haben! Wohl wurde die 
Strafe gebüßt. Allein sie öffnete Eberhard mit 
einem Male die Augen über den Irrthum, in 
welchem er und sein Bruder besangen gewesen 
waren, als sie dem Sachsenherzoge die Krone 
antragen ließen. Die Rolle der Franken war 
ausgespielt; sie hörten auf. das erste Volk des 
Reiches zu sein, wenn es nicht gelang, Otto das 
Scepter zu entwinden. Und diesen Kampf für 
die Vorherrschaft seines Volkes hat Eberhard auf 
genommen. So sehr Otto den Gedemüthigten 
wiederholt zu begütigen versuchte, ein dauernder 
Friede war der Lage der Dinge nach unmöglich. 
In diesem Kampfe hat man Otto gewöhnlich 
als den Vertreter der Reichseinheit und der 
guten Sache, den an seiner Ehre gekränkten Eber 
hard als den unversöhnlichen Rebellen hingestellt. 
Wenn Eberhard rebellirte, so durfte Otto sich 
nicht einmal beschweren, hatte er doch selbst die 
Rebellion in Schutz genommen. Allein in dem 
entstandenen Kampfe handelte es sich um mehr 
als die Sühne gekränkter Ehre, wie der Ver 
lauf zeigen wird. Leider ist uns aus fränki 
scher Feder auch nicht eine gleichzeitige Kunde 
jener Zeiten und Kämpfe überkommen, und die 
sächsischen Geschichtsschreiber verrathen nur ge 
legentlich, um was es sich handelte. Das aber 
berichtet einer von ihnen, der Mönch Widukind 
von Coroei, daß auch unter den Sachsen Viele 
waren, die Ottos ungerechtes, parteiisches Ver 
fahren mißbilligten; und ehe man den Stab 
über Eberhard bricht, dessen leutseligen, biederen 
Charakter der eben erwähnte Widukind selbst 
rühmend hervorhebt, und dessen redliche Bemüh 
ungen nn» die Rettung der Einheit des Reiches 
unzweifelhaft sind, sollte »nan sich fragen, was 
der für ein Mann gewesen sein muß, gegen den sich der 
Reihe nach sein älterer wie sein jüngerer Bruder, 
sein Schwager, Sohn unb Eidam und die ersten 
Männer des Reiches, geistliche wie weltliche, 
auflehnen! 
Das Erste, was Eberhard that, um zu beweisen, 
wie er über des Königs Gericht denke, war, daß er 
den rebellischen Brüning anfs Neue mit Krieg über 
zog und sein Gebiet verheerte. Bald entbrannte 
der Krieg aller Orten im hessischen Sachsen und 
in Westfalen, und besonders war es Ottos jüng 
erer Bruder Heinrich, gegen de« sich die Er 
bitterung der Franken richtete. Vergebens be 
rief der König einen Tag nach Steele an der 
Ruhr, die Franken kamen nicht. Im Gegentheil 
schlossen sich viele Sachsen, darunter des Königs 
eigener Bruder Thankinar, an Eberhard an. 
Ersterem gelang es sogar, seinen Sttefbruder 
Heinrich in seine Gewalt zu bringen, und er 
lieferte ihn als Unterpfand seines Bundes ge 
fangen an Eberhard aus. 
Zum Unglück für diesen aber erlitt im selben 
Jahre, bei Erstürmung der B»»rg Beleke in 
Westfalen, in welcher Heinrich sich befand, der 
junge Sohn seines Vetters Udo aus dem Nieder-, 
lahngau, Gebhard mit Namen, einen frühen 
Tod, und die Vettern, die bisher treu zu einander 
gestanden hatten, zerfielen: Udo und sein Bruder 
Hermann von Schwaben, »vie auch beider Better 
Konrad K»»rzbold, der Graf der Wetterau, sagten 
sich von Eberhard los und traten zürn Könige 
über. Thankmar aber wurde bei Erstürmung 
der Eresburg durch die Mannen des Königs er 
schlagen. 
Welche anderlveiten, geheimen Triebfedern noch 
thätig »varen, um den Bruch im fränkischen Grafen 
hause zu vervollständigen, entzieht sich völlig un 
seren Blicken. Denn schwer kann »nan sich ein 
reden, daß zu einer Zeit, >vo das Leben des 
Einzelnen so »venig galt, der Tod des jungen 
Gebhard allein eine derartig tief einschneidende 
Kluft zwischen Männern desselben Stamines und 
Blutes geschaffen haben sollte, daß sie sich nach 
her aus den Tod befehden. Da Udo nnd Her 
mann den Hauptvortheil später aus den Kämpfen
        

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