Full text: Hessenland (1.1887)

Nachdem aus der „Grafschaft Katzeuelleu- j 
bogen" ein Apffel-Banm, der jährlich in der Christ- I 
Nacht in einer Stunde blühet und Aepfel trägt, der 
Rhein-Fall bey Stadt G o a r, welcher das bey Bingen 
unter die Erde versenckete Wasser wieder empor wirft, 
beschrieben worden ist, wird weiter genannt: 
„Schwalbach, ein Flecken, hat berühmte Saner- 
brnnnen, deren ein jeder seinen besonderen Namen 
hat, als der Linde-Brunn, der Wein-Brunn, der 
Stock-Brunn, der Koch-Brunn, der Grind-Brunn, der 
Katzen-Brnnn rc. und eine Stund davon das be 
rühmte warme Bad, oder sogenannte Schlangen-Bad. 
Unter denen Sauerbrunnen übertrifft der Wein- 
Brunn die andern alle, denn er ist am Geschmack 
wie ein neuer Wein, und so er des Morgens in 
seiner natürlichen Hitze getrunken wird, ss empfindet 
man solches alsobald im Kopfs, und macht gantz 
trunken." 
Bey dem Flecken Berstadt ist eine Milch-warme 
Quelle, deren Ablaufs sich mit dem vorbeyrinnenden 
Bach vereiniget, in welchem Krebse gefangen werden 
von sonderbarer Eigenschaft, sintemahl die, so ob der 
Quelle gefangen werden, roth, die aber, so man unter 
derselben bekommt, im Sieden gelb werden. 
Homberg, eine Stadt mit einem Schloß, welches 
auf einem hohen freyen Berg ligt, im Nieder-Hessi 
schen, von welchem man über 100 Städte und 
Dörfer zehlen kan. Daselbst ist auch ein Brunn, 
der 80 Klassier tief ist. 
Spangenberg, eine Stadt mit einem Vesten , 
Berg-Schloß. Bey der Stadt ein Berg auf welchem ' 
eine große Menge kleiner runder Steine gefunden wor 
den, die alle von Natur das Zeichen wie eine Spange auf 
sich haben. *) 
Trefurt, eine Stadt und Amt, welche drey Grund- , 
Herren hat. Ein Theil gehört nach Hessen-Cassel, 
der andere dem Chur.-Fttrsten zn Mayntz, das dritte 
dem Chur.-Fürsten zn Sachsen. Jeder hat daselbst 
seinen besonderen Amtmann, auch seine besondere 
Bürgerschaft und Gassen. 
In Hessen ist der hohe Berg, W e i s n e r genannt, 
welcher oben einen Raum und Ebene hat, fast drey 
viertel Meilen lang, darauf etliche tausend Aecker 
Wiesen, auf welchem das schönste Graß wächst, so 
fast einen Menschen bedecket; auch sind allda schöne 
Brunnen und Quellen, die mit großem Geräusch 
zwischen den Steiullippen herunter fallen. 
Fnlda, die Haupt- und Resideutz-Stadt der ge 
fürsteten Abiey gleichen Namens, allwo eine vortreff 
liche Bibliothek aus lauter auf Pergament geschrie 
benen Büchern, dergleichen an Alter und Menge in 
gantz Tentschland nicht zn finden. Der Abbt ist ein 
Fürst des Reichs, und der Römischen Kayserin Ertz- 
Cantzler, auch hat er den Vorzug über alle Aebbre 
in Teutschland und Frankreich, trügt auch die Würde 
eines Cardinals. Allhier ist Carolus Magnus ge 
boren isu*!). Die Kirch zu St. Michael soll mit dem 
Tempel zu Jerusalem übereinkommen. 
*) (£$ sind damit die Encr ini ten gemeint, die 
fossilen Säulenglieder der Seelilie. t 
Von der Wetteraü. 
D i e tz, hat ein doppeltes hohes Schloß, in der' 
Grafschaft gleichen Namens, welche wegen ihres Reich 
thums die güldene Grafschaft genannt worden. Zwey 
Meilen vor der Stadt ist das bekannte warme Bad 
an der Lohne, das Emser-Bad genannt, gehöret zum 
Theil dem Landgrafen zu Hessen, anderen Theils 
aber dem Grafen von Nassan-Katzenellenbogen zn, 
welche beyders. Vögte und Pfleger dabey gesetzet und 
bestellet. 
Han an, eine schöne, lustige und wohl-bevestigte 
auch Residentz-Stadt des Grafen von Hanau, am Fluß 
Kintz, nahe am Main, wird in die alte und neue 
Stadt abgetheilt; hat schöne und prächtige Kirchen. 
Es ist sonderlich die neue Stadt wohl werth zu be 
sichtigen, nicht allein wegen der schön angelegten Forti- 
fication, als auch nach der Architectnr-Knnst aufge 
führten herrlichen Gebäuen. Das Schloß in der 
Stadt ist zwar schön, aber eine halbe Stunde von der 
Stadt siehet man ein vortreffliches ohnlängst nach der 
Italiänischen Manier gebautes Schloß, Philipps-Ruhe 
genannt, welches mit schönen Zimmern und einem lusti 
gen Garten versehen. Nicht weit von dieser Stadt ist 
ein Eichen-Wald, dessen Bäume aber niemals Eicheln 
tragen, deßwegen er auch der verfluchte Wald genannt 
wird. Es wird auch kein Holtz zn Gebäuen darinn ge- 
fället. 
Bei Büdingen, eineul Flecken ist ein Acker, darinn 
viele Kröten-Steine,*) die so wol äußer- als innerlich das 
Gisst abtreiben; sie haben eine schöne Bezeichnung einer 
Kröten. 
Wetzl ar, eine Freye Reichs-Stadt, ist jetzt wegen 
des Cammer-Gerichts bekannt, das Anno 168?) von 
Speyer dahin verleget worden." A. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Der 29. Februar ist der Todestag eines knrhcssischen 
Staatsmannes, dessen Name heute noch, fast ein 
Menschenaller nach dem Hinscheiden desselben, den besten 
Klang hat. Am 29. Februar 1860 starb zu Hanan 
der Staatsrath Bernhard Eberhard, der lang 
jährige Oberbürgermeister von Hanan, später Vorstand 
des Ministeriums des Innern im Märznnnisterium, 
das nach ihm seinen Namen führte. Geboren am 
C». April 1795 zn Schlüchtern, als der Sohn des dortigen 
Pfarrers Andreas Ludwig Eberhard, besuchte er das 
damals in seiner Vaterstadt blühende Gymnasium, die 
alte Klosterschule, aus welcher s. Z. so viele bedeutende 
Männer hervorgegangen sind, studierte hiernach zu 
Marburg, Wetzlar und Gießen Rechtswissenschaft, 
wurde l 817 in Hanan Obcrgerichtsadvokat, 1821 
Staatsanwalt oulvocatus fisei) und 1829 Bürger 
meister von Hanau. Er war Mitbegründer der 
knrhcssischen Verfassung vom 5. Januar 1831 und 
hervorragendes Mitglied der kurhessisch m Stände- 
kammer ununterbrochen bis zum Jahre 1848. Am 
19. März des letztgenannten Jahres wurde er zum 
*) Ebenfalls Muschelkalkversteinernngen, (Terebrntula 
vulgaris, gem. 9ochmuschel).
        

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