Full text: Hessenland (1.1887)

UlorrdesgvnH. 
„Guter Mond, schaust du mein Lieb 
Bon der Hiinmclswachr, 
Sag' ihm, was hinaus mich trieb. 
Einsam in die Nacht. 
Sag' ihm meiner Liede Schmerzen, 
Meine Herzenspein, 
Aber sag' von treuem Herzen 
Sollt' gegrünt es sein." 
Lächelnd sah der Mond den Knaben an 
Lächeld zog er weiter seine Bah». 
Doch als jenen Schlummer längst nmfangen, 
Zu der stillen Geisterstunde, 
Da auf blnm'gem Wiesengrunde 
Elfen ihr.n Reigen schwangen, 
Schlich er in ein Schlnfgemach sich ein, 
Wo da ruht ein holdes Mägdelein. 
Und er küstt die Lilienwangen, 
Küsit den Mund, de» rosenrothcn 
Und es lächelt traumbefange», 
Ahnt es wohl den Liebesboten? 
fiUtitl Htepynrr. 
|U*fV irnd Ueilihen. 
Ein keckes Röschen sprach zn mir: 
„Komm her, du darfst mich brechen; 
Bertrau' mir, ich verspreche Dir: 
Reicht soll mein Dorn Dich stechen." 
Wer leicht verspricht, der hält nicht Wort, 
Dacht' ich für mich und ich ging fort. 
Das Veilchen, das war nicht so keck. 
Es senkte scheu die Lider, 
Als ich zn seinem Grasversteck 
Mich beugte froh hernieder. 
Hier griff mit Herz und Hand ich zn — 
Und das, mein Lieb, das wärest Du! 
1U. iUotf. 
U)öf. ma« war mehr als 150 Jahre« über 
das Heffenland schrieb. 
Jtn Jahre 171* wurde zu „Augspurg" gedruckt 
und „war zn finden bei Joy. Christ. Wagner" da 
selbst ein „Wercklein", welches jetzt recht selten ge 
worden ist. Sein erstes Bändchen enthält eine „Com- 
pendiöse Cosmographia oder - Geographisch-Historische 
Beschreibung allerhand auserlesener Merkwürdigkeiten, 
so in Europa zn finden. Insonderheit von den 
größesten Städten, prächtigsten Residentzen, Schlössern, 
Palästen und Luft-Häusern, fürtrefflichen Kirchen, 
Klöstern nnd Capellen, verwunderlichen Bergen, 
Thälern nnd Höhlen; wnnderbahrlichen Seen, Flüssen, 
Brunnen, Teichen und anders mehr." Das „enriense" 
! Büchlein ist der Borrede gemäß zunächst bestimmt 
J für alle „Prüceptores nnd Jnformatores der Jugend", 
dann „können davon Profitiren die Passagiers; sie 
finden alle nützlichen und merkwürdigen Sachen kürtz- 
lich beisammen." Endlich ist es bestimmt „für viele 
Lenthe, die in ihrem Zimmer ans dem Wagen ihrer 
Gedanken bisweilen zürn Zeitvertreib eine Tour in 
die Welt thun, und in diesem, oder jenem Lande 
remarqnable Dinge zn betrachten Lust haben." 
Von Hessen schreibt unser „Wercklcin" nun 
Folgendes: 
„Hessen liegt fast mitten in Deutschland,.... hat aller- 
i ley Bergwercke, gute Steinbrüche, fruchtbare Mast- 
Wälder, herrliche Vieh-Zucht, Wein-Wachs nnd dergl. 
Gütigkeit der Natur. 
Cassel, die Residentz- ^ und _ Haupt-Stadt des 
Land-Grafen von Hessen-Cassel, ist schön und ziem 
lich groß, auch sehr wohl bevestiget. Diese Stadt 
hat rings herum viel schöne Gärten; die Gassen sind 
lang, und wegen der dnrchfließenden Druffel sehr 
sauber. Das Schloß ist ein sehr prächtiges Gebäu. 
sehr erhoben und regulär erbauet, und sieht man auf 
allen Seiten schöne Felder. Der Fluß fließt unten 
vorbey, nnd macht eine liebliche Insul, m welche 
man über eine schöne Brücke geht. Man siehet in 
der Insul die Fürstlichen Gärten, einen großen Teich 
nnd einen Entengraben. Das Mühlspiel ist gegen 
j Mittag der Insul über. Die Reitschul, welche an das 
j Schloß stößet, ist herrlich, nnd mit zwey Gallerien, 
I eine über die andere nmfangen, so in Form eines 
j halben Monds gemacht, und vergüldet, davon man 
' das Ringel-Rennen nnd Pserd-Tnrnieren sehen kan. 
Um dieselbe herum seynd allerhand schöne Brunnen, 
wie auch der Saal fijr die Comödianten nnd Balletten, 
mit einem Amphitheater Es sind in dem Schloß 
viel schöne Gemächer nnd große Säle. Der soge 
nannte güldene Saal ist eines von den schönsten Ge 
mächern, so man sehen mag, in welchem alle Fürsten, 
so in Hessen regieret haben, gemahlet sind, sammt 
den Bildnissen etlicher Monarchen in der Christen 
heit. Nahe bey dem Schloß ist ein sehr schönes Hans, 
daselbst die Kantzley." Das Zenghanß ist ein großes 
Gebäu nnd wohl werth zu sehen, weil es über alle 
Massen wohl ausgerüstet ist. In dieser Residentz- 
Ttadt sind auch zu sehen der Dohm zn St. Martin 
ans der Freyheit, die Pfarr-Kirche, das Kaufs- und 
Rathhanß, nnd anders mehr. 
Z i e g e n h e i m, eine Stadt und considerable Bestnng 
hat vor diesenl seinen eigenen Grafen gehabt, 
davon der letzte Anno 145/» Graf Johann der Grolle, 
so stark gewesen, daß er einesmals zn Frankenberg 
ein Fuder Wein. so ihm im Wege gestanden, beyseits 
gehoben: nnd als ihn seine Mutter hierum gestraft, 
daß er seine Lcibes-Stürke nicht so liederlich miß- 
branchen solle, seye er als obalb hingegangen, nnd 
habe es wieder an seine vorige Stelle gesetzet. 
H i r s ch f e l d, die Haupt-Stadt dieses Fürftenthums, 
daselbst ist die Dohm-Kirche remarqnable, welche sehr- 
hoch nnd groß, ruhet auf 1t» Pfeilern, und hat die 
Fenster gantz zn oberst, ist dennoch so Helle, daß man 
j nicht leicht ihres gleichen antreffe;! soll."
	        

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