Volltext: Hessenland (1.1887)

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Bruder Eberhard, zu Gunsten des Sachsenherzogs ' 
Heinrich auf die Krone zu verzichten; und ! 
Eberhard, nicht minder einsichtig wie Konrad, j 
gab den Beweis bewunderungswürdiger Selbst- ! 
losigkeit, indem er dem Sachsen die Krone an 
bot. Diese That allein sollte uns den Mann 
werth machen, der keineswegs der war, als 
welcher er oft geschildert wird: ein schwacher, 
eitler Charakter, nach des eigenen Bruders An 
sicht unfähig, die Krone zu tragen. Wäre er der 
gewesen, er hätte sicherlich nicht entsagt. 
Wenn Franken und Sachsen zusammenstanden, 
war die Einheit des Reiches gerettet. Immerhin 
war es ein verhängnißvoller Schritt, zu welchem 
Konrad den Bruder überredete. Gewiß lag beiden 
nichts ferner als der Gedanke, die Herrschaft 
von den Franken auf die Sachsen zu übertragen, 
und keiner der Zeitgenossen hat die Wahl Hein 
richs so aufgefaßt. Auf fränkischer Erde, 
zu Fritzlar, dem Sitze der Konradiner, wurde 
Heinrich zum Könige der Franken erhoben, — 
die eigentliche Wahlhandlung hatte wohl an der 
alten Malstätte der Hessen, ans der Mader 
Haide, stattgefunden, — und dort sollte er auch 
die Krönung empfangen. Doch lehnte er be 
kanntlich die feierliche Salbung von der Hand 
des Erzbischofs von Mainz ab, — wie wir an 
nehmen dürfen, aus Rücksicht auf Eberhard, in 
dessen Herzen die untergeordnete Rolle, die er 
dabei spielen mußte, ein Gefühl der Bitterkeit 
sicher erzeugt haben würde?) 
Ueberhaupt blieb das Verhältniß zwischen 
Heinrich und Eberhard das beste. Kein Mißton 
störte ihr gutes Einvernehmen; Eberhard, seit 
Konrads Tode Herzog der Franken, leistete wie 
derholt dem Könige, besonders in lothringischen 
Angelegenheiten, wichtige Dienste, und Heinrich 
seinerseits vergaß des Dienstes gegen die Kon 
radiner nie, was er u. a. dadurch bewies, daß 
er das Herzogthum Schwaben an Eberhards 
Better, Hermann verlieh, sodaß es fast schien, als 
werde König Kourads Voraussetzung, daß bei 
der Wahl Heinrichs Sachsen die Ehre, Franken 
den Vortheil haben würde, in Erfüllung gehen. 
1) So erklärt sich meiner Ansicht nach am einfachsten die sonst 
in jeder Hinsicht auffällige Weigerung Heinrichs, die Salbung anzu 
nehmen. 
Da mit einein Schlage änderte sich das Ver 
hältniß, als Otto I. den Thron bestieg. Zwar 
wurde auch er nach alter Sitte auf fränkischem 
Boden, zu Aachen, zum Könige gekrönt; zwar 
tauschte auch er dabei das weite sächsische Ge 
wand mit deni enganliegenden fränkischen und 
nannte sich König der Franken. Allein er war 
Sachse und fühlte sich als solcher, und er wollte 
auch, daß die Herrschaft des Reiches bei den 
Sachsen sei. 
Seine Stammes-Genossen fühlten dies bald 
heraus, besonders die, welche den Franken nn- 
j mittelbar Unterthan waren. Denn seit alters 
j war mit dem fränkischen Hessengau auch der 
sächsische, die Gegend zwischen Weser und Diemel 
und jenseits dieses Flusses bis Beverungen hinab, 
verbunden, und so erklärt sich auch der oben be 
reits bei Gelegenheit der Babenberger Fehde er 
wähnte Umstand, daß in dem Heere des älteren 
Konrad einer der drei von ihm aufgebotenen 
Heerhaufen aus Sachsen bestand. 
, Aus welcher Zeit die Hoheit des fränkischen 
! Grafen herrührte, ist schwer zu sagen. Bereits 
! Tacitus erzählt, daß ein den Cheruskern ver- 
' wandtes Volk, die F o s e n, von den Chatten unter 
worfen wurden und man hat mit gutem Grunde 
! die noch heutigen Tages für die Anwohner des 
Diemelstromes übliche Bezeichnung „Deimel- 
Fosen" (hochdeutsch mißverständlich als Diemel- 
Füchse gedeutet) init jener Nachricht in Ver 
bindung gebracht. Die Sachsenkriege Karls des 
Großen mochten jene Oberhoheit aufs Neue be 
festigt haben, genug, sie war vorhanden. Jetzt, 
nach Heinrichs Tode, meinten nun die hessischen 
Sachsen, daß die Reihe zu herrschen an ihnen 
sei und weigerten Eberhard den Gehorsam. 
Der Erste, der sich offen gegen ihn auflehnte, 
war der Sachse B r u n i n g. Er that es zu sei 
nem Schaden, denn Eberhard zog vor sein festes 
Schloß Elmeri und zerstörte diesen damals an 
sehnlichen Ort (er wird eine civitas genannt) 
so von Grund aus, daß nicht einmal vom Namen 
eine Spur sich erhalten zu haben scheint. 
Unzweifelhaft war Eberhard als Lehnsherr des 
widerspenstigen Vasallen zu dem Schritte befugt. 
Doch Otto, dem der Anlaß zur Demüthigung
        

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