Full text: Hessenland (1.1887)

M 5. 
1. JMtJ 1887. 
KW. 
Kesseulait-. 
Zeitschrift für hessische Geschichte nnb Literatur. 
Das „Heffeulauk^, Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich, am 
1. und 15. jeden Monats, in dem Umfange von 1*/, Kv-e« Quartformat. Der Abonnementspreis beträgt gleichmäßig 
für hier und auswärts Vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 30 Df-, Auswärts kann unsere 
Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, sowie unter Streifband oder durch den Buchhandel bezogen werden; 
hier in Kassel nimmt der unterzeichnete Redakteur, Jordanstraße 15, und die Expedition, Kölnische Straße 12, Be 
stellungen an. In der Post-Zeitungsliste findet sich das „Heffe«1and" eingetragen unter Nr. 2574a, 1. Nachtrag für 1887. 
' Die Redaktion: F. Zwenger. 
Inhalt: „Au der Weser", Gedicht von W. Bennecke; „Philipp Ludwig II., ein Lebensbild aus der Hanauer Grafen 
geschichte", von F. W. Junghans; „Römische Reste bei Hanau", von Dr. Georg Wolff; „Mondesgruß", Gedicht von 
Paul Stephan; „Rose und Veilchen", Gedicht von W. Wolf (-j-); „Was man vor mehr als 150 Jahren über das 
Hessenland schrieb" von A.; Aus alter und neuer Zeit; Briefkasten. 
-M An dev Mesev. 
Von hochgethürmter Klippe schmalem Land, 
Die ob der Weser sich ;nm Himmel streckt, 
Seh ich hinaus in's alt romanische Land, 
Das Kaiser Karls Gezelte einst bedeckt, 
Denn Heristal, nach seinem Ahn genannt, 
Liegt mirzur Zeit' in Waldesgrün versteckt 
And jenseits stehen des Sollings mächtige Eichen, 
Den alten Paladinen zu vergleichen. 
Ln Heristal der Kaiser einst empfing 
Des Morgenlandes bunte Gotenschaar, 
Denn von deni West zum fernsten Osten ging 
Sein Ruhm, gleich einem Sternbild licht nnd klar, 
Gr selber aber achtet sich gering, 
Dem Herren folgend, dessen Knecht er war, 
Dem er mit seinen Rittern, Streitern allen, 
Sich demuthsvoll bekannte zum Vasallen. 
Ich kenn' den Sch, den halbverborg'nen Stein, 
Drauf einst der erste deutsche Kaiser saß 
And schaute in das weite Land hinein 
And mit dem Schwerte wohl die Gauen maß — 
And seines Auges hellen Glihesschein 
Verdunke 
Gr mnß 
te wohl einer Thräne Naß, 
te beugen all die Kuhnen Helden, 
Denn so befahl es ihm der Herr der Welten. 
j And wieder nach vielhundertfähr'ger Frist 
! Tobt an der Weser eine billige Schlacht, 
! „HieWelf!"— „HieWaiblingen!" derFeldruf ist, 
! Mit Garbarosta kämpft des Löwen Macht, 
i Der Deutsche wieder sich mit Deutschem mißt 
j And den Gesiegten trifft des Reiches Acht. 
1 In Trümmern sinken des Vasallen Heere 
j Vor seines Richters kaiserlicher Wehre. 
Die Weser, die dort nnten ruhig glänzt, 
Lanm eine Welle schlägt im Sonuengold, 
Von Wäldern rings, dem schönsten Schmuck 
umkränzt, 
Sie sah es, wie ein Kaiser einst gegrollt, 
Sie sah, als einst so fröhlich es gelenzt, 
Wie manches Sachsenhanpt zum Staub gerollt. 
Würggalfen heißt bis heute noch die Stätte, 
Wo Sachsenfreiheit fand ihr Ruhebette. 
! So haft du, Weser, seit sein Roß getränkt 
Der stolze Römer einst in deiner Fluth, 
Gar manchen Mann zu deinem Grund versenkt, 
Indeß dn selber färbtest dich mit Glut — 
Lein andrer Strom imHerzen Deutschlands denkt 
Wie du der Deutschen Herrlichkeit und Muth, 
Die einst durch böse Zwietracht arg zer 
spalten 
Vereinet jetzt des Reiches Ganner halten. 
MiUielnr f$*nn#4te.
	        

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