Full text: Hessenland (1.1887)

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La libcrte m’enchänte, 
Mais j’ai grand ap petit 
Le bon Dieu me dit: Chante, 
Chante, pauvre petit! 
L’amouv daus ma detresse 
Daigna me consoler; 
Mais avec la jeunesse 
Je le vois s'envoler. 
Pres de beaut6 touchante 
Mon eoeur en vain pälit. 
Le bon Dieu me dit: Chante, 
Chante, pauvre petit! 
Chanter, ou je m’abuse, 
Est ma täclie ici-bas. 
Tons ceux qu’ainsi j'amuse. 
Ne m’aimeront-ils pas? 
Quand un cerele m’enchante, 
Quand le vin divertit, 
Le bon Dieu me dit: Chante 
Chante, pauvre petit! 
Mein Kerns. 
Ich tret' auf diese Erde 
Arm, schwach und leidend hin, 
Wo fast erdrückt ich werde, 
Weil ich nicht größer bin. 
Und rührend leise Klagen 
Stimmt' ich mit Thränen an. 
Da hört' ich Gott mir sagen: 
Singe, du armer Mann! 
Des Uebermüth'gen Wagen 
Bespritzt mich unverhofft. 
Grobheit muß ich ertragen 
Von Macht und Reichthum oft. 
Es will mich niederschlagen 
Manch stolzer Blick — doch dann, 
Dann hör' ich Gott mir sagen: 
Singe, du armer Mann! 
Der Mangel schmerzt wie Nesseln, 
Und Müssiggang verdammt: 
Drum schmiegt' ich mich in Fesseln 
Bon einem kleinen Amt. 
Nicht frei sein kann ich wagen, 
Sonst ficht mich Hunger an. 
Doch hör' ich Gott noch sagen: 
Singe, du armer Mann! 
Trotz Unglück sah' die Liebe 
Einst tröstend auf mich hin. 
Doch nach dem ersten Triebe 
Sah ich auch sie entfliehn. 
Und sieht bei Liebesklagen 
Die Schönheit stolz mich an, 
Dann hör ich Gott mir sagen: 
Singe, du armer Mann! 
Ja singen, Lieder singen 
Ist wahrlich mein Beruf! 
Und Liebe wird erringen 
Der, der Vergnügen schuf. 
An festlich schönen Tagen 
In Freundeskreisen, dann 
Hör' ich Gott mir sagen: 
Singe, du armer Mann! 
Die Uebersetzung der Lieder BärangePs ist nach 
? der Angabe in * den „Hessischen Erinnerungen" 
(Kassel 1882 bei G. Klaunig) größtentheils auf der 
- Veranda dtr Seelig'schen Färberei an der Fulda enP 
standen. Mit der Familie Seelig eng befreundet, 
verbrachte Philippine Engelhard dort an warmen Früh 
lingstagen einige Stunden, um bei dem Dufte der 
Blumen und dent Gesänge der Nachtigallen zu denken 
und zu dichten. — Philippine Engelhard pflegte fast 
alljährlich ihre Kinder und Enkel, die auswärts 
lebten, zu besuchen. Auf einem solchen Besuche bei 
ihrer ältesten, unter dem Namen Julie durch mehrere 
didaktische Dichtungen rühmlichst bekannten Tochter 
Karoline, ereilte sie nach kurzem Krankenlager in 
ihrem fast vollendeten 75. Lebensjahre zu Blanken 
burg mn Harz der Tod. Zehn Kinder nnd zwei 
unddreißig Enkel beweinten ihr Hinscheiden, nnd all 
gemeine aufrichtige Trauer herrschte tn der literari 
schen Welt Deutschlands, als sich die Kunde von 
ihrem Tode verbreitete. 
! Die Erinnerung an diese durch die vortrefflichsten 
Gaben des Geistes und des Herzens ausgezeichneten 
Frau, die gleich groß dasteht als Dichterin, Haus 
frau, Gesellschaftsdame und Patriotin, die in jeglicher 
Beziehung als das Musterbild eines deutscher! Weibes 
gelten kann, aufzufrischen, ist der Zweck vorstehender 
nach den vorhandenen Quellen entworfenen Lebens 
skizze. Auch das darf nimmer vergessen werden, 
daß Philippine Engelhard im vorigen Jahrhundert, 
zur Zeit, als. wälsche Kunst nnd Literatur hier 
blühten, neben Casparson und Tobias Dick allein die 
deutsche Poesie vertrat. Ehre ihrem Andenken. 
4?*trMtmnfcr Zrr,errgev. 
Aus dem Leben Doktor Uaso's. 
Ülemstädtisches Lebensbild von M. Herbert. 
«Fortsetzung.) 
enn die kleine Stadt wirklich ein fashionables Naso von de» Gewohnheiten eines „Kursiirschteu" 
Viertel besessen Hütte, würde der Doktor sonderbare Begriffe hatte. 
" doch nicht darin gewohnt haben. Seine Devise Die Wohnung unseres Freundes war hoch 
war: „Ich will ungenirt leben, wie ein Kurfürscht." gelegen. Sein quadratfvrmiges, blindes Fenster 
Wenn man diese Art der Ungenirlheit in hr . blinzelte vereinsamt zwischen den Giebelwänden 
Rühe betrachtete, mußte man gestehen, daß Dr j des schmalen Hauses. Die Augen der Per-
        

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