Full text: Hessenland (1.1887)

Eberhard , 
Graf von Hessen, Herzog von Franken. 
Z u den Zeiten der letzten Karolinger herrschte 
im Hessengau, im Ober- und Niederlahn- 
gau und in der Wetterau, also im alt- 
schattischen Gebiete, ein Grafenhaus, das die Ge- 
schichte wegen des vom Vater auf ben ältesten 
Sohn forterbenden Namens „Konrad" die 
Konradiner genannt hat. Die Grafschaft im 
Hessengau, als dem ättesten Sitze der schattischen 
Franken, fiel jedesmal dem erstgeborenen der 
Söhne zu; er stand dem Baugerichte auf der 
Waber Haide vor unb hatte seinen Wohnsitz 
in Fritzlar. 
Hier in ber Stäbe biefer ©tobt war es aud), 
wo Konrab b. ?(., ©raf im Reffen« nnb Ober* 
tabngau, i. $. 905 in ber berühmten fjfebbe 
feines ©eftletteS gegen Ibafbert oon Babenberg 
©tludjt nnb geben oertor. $)enn obgleid) ge« 
lüftet, ba er fortwäbrenb ber tjäufigen Streif« 
güge feines SEßiberfadjerS gewärtig fein muffte, 
fteint bennod) Konrab burt beffen plöfslidieS @r« 
fdjeinen etwas übervafdjt worben gu fein, ©r 
gog tm oon fjfriblar °uS & re i föecrbaufeit, 
babon einer aus ©adffen beftanb, ber anbere 
wat)rfd)eintid) im Dbertafjngau, ber britte im 
,'peffeugau aufgeboten war, entgegen. 16er beim 
elften Ingriff fd)on wenben fid) gwei ber ,f>cer« 
Raufen gur ; oergebenS, baff Konrab fie 
mit lautem 3 uru f beftwört, für äßeib unb Kinb 
unb ben oätertidjen |>eerb gu ftreiten; nur ber 
britte, auf ben bic Söorte beS ©rafen rneljr ©in« 
brud matten, unb ber atfo wotjt, wie wir an« 
neunten bürfcn, aus ben unmittelbar beteiligten 
Reffen beftanb, folgt mutig bem fjfülfter. ®ie 
©djaaren prallen aufeinanber. ®a gleit beim 
erften Inftnrm finft Konrab, aus oielen SBunben 
blutenb, tobt oom Stoffe. ®er ©ieg gehört bem 
Babenberger, unb brei Sage lang burtgiefyt 
berfelbe, alles um fit b er oerbeerenb, ben ©au; 
bann febrt er, reit mit Beute betaben, gum 
feften Babenberg tfeim. 
@S War IbatbertS fester Sriumpb. Senn 
ber ntättige ©influß ber Konrabiner am Königs« 
Ijofe bewirfte halb feinen unb feines gangen 
©efttedjteS jüben ©turg unb ließ jene um fo 
t)öt)er fteigen. Konrab, ber ättefte @ol)n beS bei 
Sfrifclar gefallenen ©rafen, war b.alb ber erfte 
Btann in ber Umgebung Subwig beS KinbeS; auf 
il;n gingen gum großen Steile bie geben unb 
SBürbett ber Babenberger über, fobaß er feit 
bem ©turge biefes Kaufes gerabegu als §ergog 
ber ^raufen genannt wirb, ©eine eigentlidje 
©rafftaft war ber |>effengau. ©ein Araber 
©berljarb erbte ben ©bertafingau, j»nb beiber 
Bettern, Ubo, Hermann unb Konrab, mit bem 
Beinamen Kurgbotb, ftanben ben übrigen ©auen 
oor. lllein bk böd)fte SEBürbe war bem b«ffift tn 
©rafengeft^tk not oorbcljalteti. 
Als König Ludwig das Kind ohne Nach- 
kommenschaft starb, da war Konrad als Urenkel 
ber ©erburg, einer Tochter Ludwigs bes Deut- 
ften, ber SJtann, weiter bie nätften Infprüt« 
auf bie Krone beS gjranfenreiteS Ijatte. ©ie 
warb tm guteil, unb fieben ftwere $abre 
binburt fjat er fie, Wenn aut «it* iwmer gliicf« 
lich fo bot ru^ntreit getragen. 
Siodj auf bem Söbtenbette war er mit ber 
Sorge um baS Steid), das in die eingelnen 
Stammesherzogtümer zu zerfallen drohte, be- 
schäftigt. Er sah ein, daß um die widerstrebenden 
Bestandtheile zu vereinigen, wenigstens zwei der 
deutschen Stämme unwanbelbar J zusammenstehen 
müßten. Aus diesem Grunde bewog er seinen
        

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