Full text: Hessenland (1.1887)

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Noch darf eine besondere Gattung Namen 
unsere Aufmerksamkeit beschäftigen; es sind die 
auf — ingshausen und — ingerode. Wenn die 
Nachkommen eines Ello vaternamisch die Ellinge 
hießen, so nannte der fränkische Stamm die An 
siedelung solcher Leute Ellingishusun, der sächsische 
Hinwider Ellingahusun. Jenes meint: zu den 
Häusern des Ellings; das andere: zu den Häusern 
der Ellinge. Diß trifft so genau mit sprachlicher 
Scheide zusammen, daß man auch darnach die 
stammheitliche ermitteln möchte. Warum fügen 
die Chatten solche Orts-Namen mit dem Wes 
fälle der Einzahl, die Niedersachsen mit dem der 
Mehrzahl? — 
Hertingshausen bei uns, Mengeringhausen 
dort! Wäre diß nur sprachlicher Zufall? läge 
nicht vielmehr bewußtes Tuen zu Grunde? hätte 
etwa bei den Chatten das Haupt einer Sippe 
— wie das eines schottischen Klanes — doch 
größeres Ansehens genoßen? Vor solch Einem 
traten die Übrigen zurück. Auch die im Bnchen- 
gaue und in dessen Umgegend vorkommenden 
Namen: Bellings, Breunings, Wallings, u. s. w. 
fallen hierher; ihnen fehlt nach dort beliebter 
Weise nur der zweite Teil, sie sind bloß gelegte 
Wesfälle der Einzahl. Ein Bewohner darf also ! 
nicht etwa Breuningser heißen; er ist ein Breu- j 
niuger. ; 
Nun aber von Ellingshausen zu Ellingerode, i 
Hier erscheint auch bei fränkischem Stamme jene > 
sächsische Namens-Form. Die Verfaßung solcher j 
Reutungen muß also bereits wohl eine andere ‘ 
gewesen sein; der Schluß uralter Sippe lag , 
nicht vor. Leute aus unterschiedlichen Dörfern 
hatten sich zusammen gefunden, und nach dem ■ 
Namen Fürnehmster ober Reichster unter ihnen 
ward nun das neue Ort benannt. — 
— 
Ältester, und unseren chattischen Volks-Stamm 
geradezu kennzeichnender Würden-Name für das 
Oberhaupt eines Dorfes war Grebe (richtig 
gesprochen mit breitem gebrochenem ä, wie in 
„lebe"). Dieser Name galt ursprünglich durch, 
vom Reinhartswalde zum Odenwalde, von Sankt 
Goar bis zur Rhönc. Schultheiße galt für den 
Greben, und darneben, in so ferne er zugleich 
Orts-Richter war. Der Grebe — das meint 
„Bruern-Graf" — war die weitere Würde, worin 
des Schultheißen Amt mit begriffen ward. 
Die althessische Greben-Ordnung war meister 
haft, und der Ausdruck nie gänzlich verlorener 
Gemeinfreiheit unseres edlen Stammes. Ob der 
Name heute auch leider keine amtliche Geltung 
mehr habe, so sollten volkstümliche Schriften ihn 
doch lebendig erhalten, gegenüber dem verwäßerten, 
ausDörfern ungehörigen Ausdrucke„Bürgemeister". 
Am Zähesten hatte Niederhessen am Namen 
„Grebe" gehalten. — 
Man ist heute so leicht geneigt, „freiheitlich" 
und „bewahrsam" etwa gar als Gegensätze zu 
faßen. Wo es sich um innere Gliederung des 
gesamten volkstümlichen Lebens handelt, um 
Wahrung alter Ordnungen, woltätiger Schranken 
der Stände und Verbände, da gelte es sich zu 
stemmen wider neuzeitliche Zersetzung, wider 
Auflösung alles Volkes in eine Herde unterschieds 
loser Einzelinge! Wo hinwider Schutz und 
Schirm höchster, freiheitlicher Güter, Abwehr 
jeglicher Vergewaltigung in Frage kömt, da 
müßen gerade die Ersten und Vornehmsten im 
Lande Wächter sein der Gemeinfreiheit ihrer 
Blutes-Genoßen. So faßte das germanische 
Altertum den mannhaften, nicht liebedienerischen 
Beruf des Adels. 
' 
Die Zerstörung der Stiftsirreclfe nt Heesfeld. 
Äe mehr neuerdings der drohende Krieg mit Nach manchen Wechselfällen neigte sich zu 
A Frankreich das Tagesgespräch bildet, um so näher Anfang des Jahres 1761 das Kriegsglück wieder 
liegt es, sich zu vergegenwärtigen, was uns de- einmal dem Herzog Ferdinand von Braunschweig 
vorstünde, wenn es — was Gott verhüte! — zu, welcher als Feldherr Friedrichs des Großen 
den Franzosen je wieder gelänge, siegreich über * mit den verbündeten Truppen von Hessen, Han 
den Rhein vorzudringen und deutsches Land zu nover und Braunschweig den Krieg auf dem 
besetzen. Wie das ganze westliche Deutschland, 1 westlichen Schauplatz gegen die Franzosen führte, 
so hat es auch Hessen hinlänglich erfahren, wie . Siegreich drang er in Westfalen und Hessen vor, 
jene erobertes Gebiet zu behandeln pflegen, nahm am 12. Februar 1761 die Stadt Fritzlar, 
Dies haben sie namentlich auch im siebenjähri- welche die Franzosen stark befestigt hatten und 
gen Kriege bewiesen, in welchem das Hessenland aufs hartnäckigste vertheidigten, im Sturm 
durch Einquartierungen, Lieferungen aller Art und gelangte, die Franzosen immer vor sich her- 
und fast unerschwingliche Brandschatzungen seitens treibend, bis in die Nähe von Hersfeld. 
der Franzosen ganz entsetzlich gelitten hat. i Hier befand sich das Hauptmagazin für die
        

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