Full text: Hessenland (1.1887)

M 4. 
15. Februar 1887. 
Kesseukaud. 
Zeitschrift für hessische Geschichte «nd Literatur. 
Inhalt: „Der Verbannte", Gedicht von D. Saul; „Zu hessischem BolkStume" (Schluß) von H. von Pfister; „Die 
Zerstörung der Stiftskirche zu Hersfeld" von Professor Dr. Adolf Müller; „Philippine Engelhard, geb. Gatterer" 
l Schluß» von F. Zwenger; „Aus dem Leben Dr. Naso's" (Fortsetzung) von M. Herbert; „Liebesrecht", Gedicht von 
Nataly von Eschstruth; „Das träge Weib", Gedicht von Julius Gräfe: „Die schenste Zeit", Gedicht in Schwälmer 
Mundart von Kurt Nutzn; Aus alter und neuer Zeit; Hessische Bücherschau; Briefkasten. 
H Dev Uevvannte. H 
Du halt verfolgt mich und verbannt, 
Doch blieb iih dir treu, mein Vaterland. 
Dn nahmst mir Ehre, Glück und Drot 
And stichelt mich ans in bitt're Aot. 
Keine Schmach, die dn nicht gehäuft auf nrich 
And dennoch liebt meine Seele dich; 
Mein Her; mit Füßen tratest du schier, 
Doch es jauch;te mit dir und meinte mit dir. 
And Jahr auf Jahr verging, versank, 
Ann bin ich elend und heimwehkrank. 
Gebeugt ist mein Nacken, mein Haar erblich, 
Zur letzten Reise rüst' ich mich. 
Doch ehe ste in den fremden Sand 
Min; betten, höre mich Vaterland! 
Von -einen Dergen, -einen Ätt’n 
Girren Hauch laß meine Stirn bethan'n. 
Send' einen Gruß mir, einen nur, 
Arid wär' es ein armer Halm -er Flur; 
And wär' es nur ein verwelktes Matt, 
Das eirrst daheim gegrünet hat. 
So will ich vergessen, was du mir gethan — 
Mein Vaterland, ich sterbe -ran. p. 
In hessischem Uolkstnme. 
Bon 
H. Pfister. 
(Schluß). 
§ angbarkeit der Wege in Dörfern war ehemals 
genau auf's Bedürfnis der Einwohner be 
rechnet, d. h. beschränkt. Allerdings gaben 
sie in solcher Verfaßung, bei schöner trockener 
Witterung, des Ortes Innerem ein angenehmeres 
Aussehen denn gepflasterte Gaßen. An Kot bei 
naher Witterung war man seit Jahrtausenden 
gewöhnt; er belästigte den Landmann nicht, der 
nur zu Sonntagen und bei festlichem Anläße sein 
Schuhwerk schwärzt, und für den vielleicht die 
Bach im Orte die beste Straße war. 
Ob zwar Ungeneigtheit hessischer Bauern und 
Ortsbürger — doch ebenso anderwärts in 
Deutschland — zu längerer Bequemlichkeit auch 
nur kurze Mühe zu übernehmen, geschliffenem Groß 
städter tadelhaft erscheine, weil diese Nachläßig- 
keit gerade für den Verwöhnten empfindlich wird. 
so verdienen die Landleute doch aus niehreren 
U fachen billige Entschuldigung: wegen bergiger 
Beschaffenheit unseres Landes, wegen gerechter 
Scheue vor Kosten, die ihrer bedingten Armut 
nicht unbeschwerlich fallen, sowie wegen geringes 
Bedürfnisses bei minderem Verkehre. — 
Unsere meisten Dörfer sind mit Brunnen 
reichlich ausgestattet, die entweder zu Tage stehen 
und nur mit Gemäuer ausgefüttert sind, oder 
die bei größerer Tiefe mit einer Radkurbel, etwa 
auch einem Schnellbalken versehen sind. In 
ersterem Falle haben sie dann eine bretterne Be 
dachung über sich. — Früher mochte jeder Bauer 
seinen eigenen Backofen beptzen; man findet sie 
noch als Halbkugeln von Laimen gestaltet; oben 
mit Ziegeln belegt. Vor Jahrzehenden schon führte 
jedoch unbefugter Eingriff befangener Beamter
        

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