Full text: Hessenland (1.1887)

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Aueas,sin und Sicolete. Pom September 1883 bis 
April 1884 hielt er sich in Paris auf. Vorher und 
nachher war er auf dem Gebiete der hessischen Geschichte 
thätig. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten führen 
wir an: „Kassel im siebenjährigen Kriege"; er ver 
faßte ferner verschiedene Abhandlungen aus der Zeit 
des Landgrafen Wilhelm VIII., von denen eine über 
die Polisik des Landgrafen Wilhelm's VIII., vor und 
nach dem Ausbruche des siebenjährigen Krieges, in 
Kurzemerscheinen wird. — Er sowohl, wie sein Kollege 
Dr. Lohmeyer haben sich hier durch zahlreiche wissen 
schaftliche Borträge den Ruf tüchtiger Redner er 
worben. — ' 
Hesßsche Kjjchkrschiul. 
Bor der Schlacht. Entgegnung aus dem 
deutschen Lager, Von O. W a ch s', St. Preuß. Major 
a. D. Separatabdruck aus der „Internationale Revue 
der gesammten Armeen und Flotten. Leipzig. Truck 
von Hesse und Becker 1886." 
Die Schrift ist gegen das französische „Avant hi 
Imtaille“ gerichtet, welches der bekannte Führer der 
Patriotenliga, Paul Deronläde, durch eine Vorrede 
einleitete. Wachs wählt für seine Besprechung die 
Vorrede, die Widmung, das erste und das letzte Kapitel; 
er hält den französischen Hetzern gegenüber, was schon 
so oft ihnen vorgehalten wurde — das Unrecht Frank 
reichs, als es Deutschland 1870 den Krieg aufdrängte, 
die Thorheit, nachdem der Gott der Schlachten den 
Deutschen Recht gegeben hatte, immer und immer 
wieder Rache an uns für das selbstverschuldete Unglück, 
eine eigentlich für Jahrhunderte hindurch geübte 
freche Angriffe nnd Mißhandlungen unseres Volkes 
und Landes wohlverdiente Züchtigung, zu predigen. 
Der Franzose stellt grundsätzlich den französischen 
Soldaten als den ersten der Welt hin; sein deutscher 
Gegner hat es nicht schwer, darauf hinzuweisen, daß 
1870/71 iu allen Schlachten, in dem wechselreichen 
Terrain, auf dem Blachfelde, wie hinter Wall und 
Graben der erste Soldat der Welt von dem Deut 
schen geschlagen wurde. Dem französischen Offiziers 
korps ertheilt der französische Verfasser das Lob: zu 
keiner Zeit war es so solid, geschlossen, gleichartig, 
für seine Rolle geschickt wie heute; der Deutsche be- ! 
Leuchtet dieses selbstgefällige llrtheil durch Stimmen 
aus dem französischen Lager selbst, welche etwas 
anders lauten. Als ein höchstwichtiger Punkt, welcher 
in der französischen Armee eine Schwäche bedeutet, 
wird das Fehlen eines obersten Kriegsherrn hinge 
stellt ; es ist auch wirklich ein Mangel für einheit 
liche, denselben Geist der Ehre und Pflicht athmende 
Ausbildung und Grundanschauung in der Armee, wie 
anderseits darin eine gewaltige Gefahr lauert — das 
Emporkommen ehrgeiziger Generale auf Kosten des , 
eigenen Vaterlandes wie zum Unheile anderer Staa 
ten, letztere aber besonders bedrohend. Der Franzose 
beantwortet die Frage „haben wir heute Führer, , 
welche fähig sind, die Massen zu befehligen und sie 
zum Siege zu führen? dahin: „ich bejahe sie ohne 
Zaudern;'" der Deutsche erlaubt sich Zweifel daran. Man 
muß dem Deutschen darin beipflichten, wenn er die Frage 
auswirft „ob die französische Armee dem Verfasser 
des Buches dankbar dafür sein werde, daß er dem 
Feinde fast intimen Einblick in das große französische 
Triebwerk gestatte," deren Verneinung in der Frage 
stellung angedeutet liegt. Das französische Werk war 
nur durch Einsicht in offizielle O.nellen herzustellen, 
' soll außerdem auf Kosten geheimer Fonds des Kriegs 
ministeriums gedruckt sein; wir Deutschen verstehen 
nicht, wie Vaterlandsliebe solche Blüthen treiben kann. 
Das Stärkste, was der Franzose leistet, ist die 
Ausführung, wie im bevorstehenden Kriege seine Lands 
leute siegen werden, nämlich durch Ueberwaschnng! 
Recht erheiternd ist die Betrachtung, welche Wachs 
über den in dem Buche aufgestellten Satz' durchfiihrt, 
„daß die Deutschen nur nach einem ins Einzelne vor 
bereiteten Kriegsplane verfahren hätten und verfahren 
könnten, daß ihnen aber jede Befähigung, in andere 
Verhältnisse als die vorausgesetzten sich zu finden, 
abgehe." Es ist eine dem Franzosen untergelanfene 
Satire, welche jeder Zeitungsleser von 1870/71 zu 
würdigen wissen wird. 
Die deutsche Schrift ist in der immer noch von 
dunkelem Gewölle am politischen Horizonte ver 
finsterten Periode lesenswert!). xn 
Arikflmjte». 
K. A. .Staffel. Ihre uns gütigst zugesandten Artikel 
hadert wir wegen Mangels an Raum zurückstellen müssen. 
W. B. M a r b u r g. Der Redakteur des „Hessen 
landes" beabsichtigt die von Ihnen angeregte Frage bei 
seiner demnächftigen Anwesenheit in Marburg persönlich, 
mit Ihnen zu sprechen. 
L. X. H a n au. Besten Dank für Ihre interessanten 
Notizen. Dieselben werden Aufnahme in der nächsten 
Nummer finden, weiche überhaupt von besonderem Inter 
esse für Hanau sein wird, weil für dtesetbe eine Reihe 
, von Beiträgen Hanauer Mitarbeiter bestnnmt ist. 
Nach Wiesbaden. Der Abdruck größerer Artikel 
aus dem „Hessenland" ist überhaupt n u r gestattet, wenn 
der Verfasser und die Redaktion ihre (Genehmignng dazu 
ertheilt haben. Der besondere Vermerk „Nachdruck ver 
boten" wird dadurch überflüssig. Freundlichsten Gruß. 
8. L. Trier. Gedicht vorbehaltlich einer kleinen ledig 
lich die Form berührenden Aenderung zum Abdruck an 
genommen. Wir bitten Sie aber uns mitzutheilen, wie 
Sie das Gedicht zu unterzeichnen wünschen. 
MF Trotz verhältnismäßig großer 
Auflage ist die Nummer 1 des „Hessen 
land" vollständig vergriffen. — Um 
übrigens de« zahlreichen Reklamationen 
dieser Nummer z« genüge«, werden 
wir dieselbe in «ener Anflage erscheine« 
lasse« und mit der nächsten Nummer 
versenden. — 
Die Redaktion. 
Verantwortlicher Redakteur F. Zw eng er. Td'uek und Verlag »on F. Zwenger in Kassel.
        

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