Full text: Hessenland (1.1887)

4 4 ^4j-‘h<^M MAw !bö «\ 
}?'■$ -HV '^'Sf/- ^r'^'nV v A|>~^ x hV ch^ \t/ -V/ '-s, ->'- '<*?' it, i,v -3/ ^'-\H i*/ >p- ,*r -*♦/ \V 
In hessischem Kolkstnme. 
Von 
H. von Pfistev. 
„LLic Menscheu denken und leben, so bauen 
und wohnen sie" — ist ein Ausspruch Herders. , 
Welch reicher Stoff, diesem nach einen Blick auf 
Wohnungen wilder und geschliffener Böller zu 
werfe»! Doch bleiben wir in Deutschland und > 
schauen uns insonders um, was im Hesscnlande 
bestund und hie und da auch noch bestehet. 
Altheimische Hütten der Chatten waren schlicht 
im Holze gleich Blockhäusern erbauet, mit Strohe, 
Zweigen oder starkem Rohre gedeckt, und nur 
an einigen Stellen mit reiner glänzender, ans 
einem Tohne gewonnener Farbe bestrichen. Naa) 
Stämmen abweichend, war deutscher Wohnbau 
nachbarlich enger oder zerstreneter. Öfters wol 
bestund solche Dorfschast, wie zumal bei den 
Niederdeutschen, nur aus räumlich eigen gelegenen 
Gehöften, je nach dem ihren Erbauern eine 
Quelle, Waide, ein Gehölze behagt hatte. So 
läßt sich noch, bis in verhältnismäßig jüngere 
Jahrhunderte, auch bei uns urkundlich die Ge- 
schiedenheit eines Ortes erweisen: das heutige 
Besse z. B. bestund ans drei bis vier Dorf- 
schafts-Teilen, als Gruppen seiner Gehöfte: Alt-, , 
Ober-, Mittel-, Nieder-Besse; sie dürften Weiler ; 
heißen (vom Zeitworte „weilen"). — Wol gab j 
es auch Städte, und zwar schon zu römischer ! 
Zeit. Dieser Begriff und Name beruhete jedoch i 
wesentlich im Umstande einer Befestigung und 
entsprechender Verteidigungs-Fähigkeit. Man , 
denke sich den Bezirk eines verschanzten Lagers, 
darin die Gehöfte der Stadt gelegen waren, l 
Solcher Schutz mochte dann immerhin dem Ge 
werbe, der Entfaltung einiger Betriebsamkeit, so 
wie Handels und Wandels günstig werden. Ge- j 
schüft erwuchs hier auch durch den Verkehr, den 
größere gottesdienstliche Feste, sowie Tagungen j 
(Madungen) des ganzen Stammes, der Abgc- | 
ordneten naher und ferner Gaue mit sich brach- ; 
len. Der Bezirk unserer alten chattischen Stammes- J 
Hauptstadt Metze, die in einer Urkunde des > 
achten Jahrhundertes Matziachi heißt, — der 1 
Form Mattiaknm bei Ptolomäus entsprechend — j 
schloß sicherlich vor allem die Befestigungen des ! 
Odenberges ein. ' 
Engeres Zusammenschließen der Gehöfte des 
platten Landes in unserem Verstände zu mehr 
und mehr geschlvßenen Dörfern ist in erkenn 
baren Fristen fortschreitend erfolgt. Ersten stär 
keren, vielleicht stärksten Anstoß gab darzn die 
Erbauung christlicher Kirchen, deren Friedhofs- 
Mauern zum Teile die alten Ringwälle vertreten 
mochten, in deren Schutz zuvor ans den verein 
zelten Gehöften einer Dorfschaft sich Hab und 
Gut flüchten ließ. 
Von der alten Art jener zerstreikteren Anlage 
des gesamten Wohnbaues gibt nicht nur hier 
und da die Gegenwart uns sichtbar Zeugnis noch, 
— und zwar für unser chattisches Gebiet zumal 
im Buchcngaue sowie an mitteler Lahn im 
Diezischcn, um Limburg, u. s. w. — vor allem 
doch tritt es geschichtlich in Orts-Namen und in 
Sagen hervor. 
Die Erde ist auch heute noch weit genug um 
anders denn gepfercht darauf zu wohnen. Be 
quem für jedes einzelne Haus — und dieses 
Wort meinte ursprünglich mit Nichten das tote 
Gebäude, sondern dessen Jnsaßen, und war unser 
echter alter Ausdruck für familia, wie noch das 
Beiwort häuslich als familiaris gilt — geeignet 
für den Einzelnen als Heim, gesund für Alle, 
so taten's unsere Ahnen. Seinem Einzeltume 
gab der Freie den Rang eines besonderen Ganzen, 
sein häuslich Recht verteidigte und bewahrte er 
nnbiegsam; wo aber im Verhältnisse zum Stamme 
er dann stund, gab dennoch er nur scheu Freiheit 
eigener Rechte auf. Der Mann wollte nicht 
untergehen im Volke und State; Gemeinschaft 
und Gesetz waren nicht um ihrer selbst, sondern 
um der einzelnen Häuser willen da. Alle dachten 
und lebten frei und unabhängig, Haus für Haus 
Aus solcher Sinnes-Art entsprang eben so 
wol die Anlage der einzelnen Hütte als das 
ganze unverkittete Steinich des deutschen stat- 
lichen Wesens. Am Heime mußte bürgerliche 
Freiheit haften, während Heiligkeit alter Sitte 
doch Abschweifungen zu tausendfacher Manig- 
faltigkeit in einzelnem Leben aufhielt.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.