Full text: Hessenland (1.1887)

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welches allein schon genügt haben würde, den Ruf 
Renouard's als ausgezeichneter Militäcschriftsteller 
dauernd zu begründen. Z. 
Eine Wahrnehmung, welche wir vor einigen Jahren 
machten, mag als Beleg dafür dienen, wie zäh unser 
hessisches Landvolk an den ihm von seinen Vorfahren 
überkommenen Gebräuchen und Gewohnheiten festhält. 
In der Gewarkung-des Dorfes Balhorn gewahrten 
wir einen Landmann, welcher mit Abernten seines 
Ackers beschäftigt war. Wir gaben ihm unser Ver 
wundern darüber zu erkennen, daß er die Frucht an 
den Enden des Ackerlandes stehen gelassen hatte, so 
daß ein schmaler Streifen des Ackers in dessen ganzer 
Ausdehnung mit der reifen Frucht noch bestellt blieb. 
Der Landmann entgegnete uns, dies Verfahren hätten 
seine Eltern und Großeltern so beobachtet und er setze 
es auch fort, denn das sei rathsam, damit das Land 
auch das kommende Jahr eine reiche Ernte biete. S 
Hermann der Gelehrte. Der Urenkel 
Heinnch I. hatte eine von Unruhen und Kriegen fast 
S ausgefüllte Regierungszeit, 1377—1413. Die 
rrbündnisse der Sterner, später die Bengler oder 
Schlegler, die Erzbischöfe von Mainz, Herzog Otto 
der Böse von Braunschweig, Landgraf Balthasar 
von Thüringen, mehrere Grafen und Herren, hatten 
es auf die Vernichtung Hermanns abgesehen. Schon 
sein Oheim, L. Heinrich II., der Eiserne, war so bedrängt 
worden, daß er in seinen alten Tagen L. Hermann, der 
ursprünglich zum Geistlichen bestimmt war, zum Mit 
regenten annahm. Da ereignete es sich, daß die Mehrheit 
der adeligen Vasallen demLandesherrn feindselig gegen 
über stand. In dieser Bedrängniß berief Hermann 
1372 die Abgeordneten der Städte Hessens nach 
Marburg. Hier redete er auf dem Marktplatze die 
Erschienenen an, stellte rhnen thränenden Auges die 
hohe Gefahr vor und daß er mit einem Hellerbrode 
alle seine treugebliebenen Ritter speisen möge. Wie 
ein Mann erhoben sich da alle Abgeordneten, riefen 
ihm Muth zu und verhießen, mit Leib und Gut zu 
ihm zu stehen. Und die Hilfe der treuen Städte 
stärkte die beiden Landgrafen, daß sie den Sieg er 
langten. Doch gab es auch unter den Rittern 
Getreue, die zum Fürsten hielten. Solch einer war 
Eckebrecht von Grifte, Befehlshaber der Burgen über 
Gudensberg. Die Stadt war von dem Feinde ge 
nommen und erlitt schreckliche Drangsale, auch die 
tiefer liegende Wenigenburg war erstürmt. Da suchte 
8. Hermann's Gemahlin, Margarethe von Hohen- 
zollern, weiterem Blutvergießen Einhalt zu thun und 
forderte Eckebrecht auf, die Obernburg zu übergeben. 
Doch dieser rief ihr von der Höhe der Burgmauer 
zu: „Gnädige Frau, hebet Euch hinweg" u. s. w. 
Treu und muthig stand die hochherzige Margarethe 
ihrem Gemahl in seinen fast ununterbrochenen Kämpfen 
zur Seite, bis endlich seine Herrschaft befestigt war. 
Wie Hermann selbst der einzige männliche Sproß 
des hessischen Hauses zu seiner Zeit war, so überlebte 
ihn nur einer seiner 4 Söhne, Ludwig I., der 
Friedfertige, sodaß also das Bestehen des Fürsten- 
geschlechtes wiederholt gefährdet war. Kt. 
Hessische Kücherschau. 
Die „d e u t s ch e R c v u e über das gesammte Leben der 
Gegenwart" von Rich. Fleischer bringt in dem letzt 
erschienenen Hefte (December 1886) Pag. 353—36& 
vom Dr. Dechend ^in Marburg einen bisher noch 
nicht veröffentlichten Briefwechsel König Friedrichs II. 
mit dem Erbprinzen Friedrich von Hessen- 
Kassel. Dieser Briefwechsel behandelt die folgenden 
Ereignisse (1756—1760) :^1). die Uebernahme eines 
preußischen Kommandos Lurch 'den Erbprinzen. 2) 
Operationsplan für den Westen; erste Aufgabe des 
Prinzen. 3) Operationen bis zum Abschluß der 
Konvention von Zewen: der Erbprinz in Wesel, 
Lippstadt und bei der Alliirten Armen. 4) Ereig 
nisse in Sachsen und Theilnahme des Erbprinzen 
daran bis zu seinem 1760 erfolgten Dienstaus 
tritt. - ^ 
Briefkasten. 
P. M. Kassel. Sie fragen an, ob wir nur Bei 
träge von den Mitarbeitern annehmen, welche in der 
von uns veröffentlichten Liste genannt sind. Dies 
ist nicht der Fall; wir hoffen vielmehr, daß auch 
viele unserer Leser zugleich unsere Mitarbeiter werden^ 
Natürlich behalten wir uns Prüfung jeder Einsendung 
und Entscheidung über deren Aufnahtne vor, wie das 
für jegliche Redaktion geboten ist; je sorgfältiger und 
strenger diese Prüfung ist, desto mehr erfüllen wir 
unsere Pflicht dem Publikmu gegenüber, desto eher 
darf das „Hessenland" Anspruch erheben, in unserem 
engeren Vaterland sich einzubürgern. 
A. Tr. Wien Besten Dank. Das erste Gedicht wird 
gelegentlich verwandt, das zweite in einer der nächsten 
Nummern gebracht werden. Freundlichen Gruß. 
O O. Marburg. In dem Gedichte F. Löwe's 
in Nr. 1 hat sich Strophe 6 ein Druckfehler ein 
geschlichen; es muß heißen: „Doch auch gilt's seiner 
Ehre Hut" (nicht Gut). Durch diese Feststellung 
dürfte Ihre Frage erledigt sein. 
G. K. Hannover. Brief mit zwei Einlagen er 
halten; deren Verwendung erfolgt in der gewünschten 
Weise. 
.1. (Ir. Dresden. Wir werden Ihnen in aller 
Kürze schreiben. 
A. y. B. Wiesbaden. Sendung erhalten, 
findet in einer der nächsten Nummern Verwendung. 
Besten Dank und freundlichsten Gruß. 
.1. F. D. Fulda. Besten Dank. Sie erhallen 
in den nächsten Tagen brieflich Antwort. 
4. W. Kassel. Man abonnirt hier inK assel 
auf das „Hessenland" entweder drrekt bei dem 
Redakteur und Verleger F. Zw eng er, 
Jordanstraße 15, oder in der Expedition, Kölnische 
Straße 12, Part. Auch die hiesigen Buch 
handlungen nehmen Bestellungen ' an. Die 
Zeitschrift wird den Abonnenten, sei es durch die 
Post, sei es durch Kolportage frei in's Haus ge 
liefert. Die Abonnementsbetrag wird, soweit noch 
nicht direkte Einzahlung erfolgt ist, in den nächsten 
Tagen durch den Einkassierer erhoben. 
Verantwortlicher Redakteur F. Zwenger. Druck und Verlag von F. Zwenger in
        

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