Full text: Hessenland (1.1887)

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Zir der Angabe in der „Hess. Ehrentafel, Nr. 22 dieser 
Zeitschrift, wonach Oberstlieutenant v. Boyneb u rg für die 
bei Hochstädt bewirkte Gefangennehmung des Marschall 
Tallard von der Königin Anna 2000 Pfund Sterling 
erhalten hat, bemerken wir, daß diese Angabe auf die 
Bemerkung in dem Werke Will). Beck's „die neuere 
Kriegsgeschichte der Hessen" Marburg 1790 sich stützt. 
Diesem entgegen ersehe ich in der erst jetzt mir zu 
Gesicht gekommenen „Grundlage zur Militär-Geschichte 
des Landgrttflich Hessischen Corps- Cassel 1798, als 
deren Verfasser der Hess. Kriegsrath G schwind be 
zeichnet wird, Seite 71, daß Dem von Byyneburg 
„am 10, Aug, 1736 eine ^Remuneration von 4000 
Dukaten aus der Hess. Kriegskafferescxibirt worden, 
weil diejenige, zu der sich die Krone England anfangs 
verstanden, in Rückstand gerathen.- Kchw. 
Kacl Gerok, der tiefinnige und formvollendete 
schwäbische Sänger hat den Hessen im „Landkalender 
für das Großherzogthum Hessen 1888" einen präch 
tigen poetischen Gruß entboten, einen „Schwaben 
gruß ins Hessenland-, der in herzlich warmen 
Worten die mancherlei Hessen und Schwaben ver 
knüpfenden Bande feiert. Das klangvolle Lied beginnt 
mit der Strophe: 
„Der Schwabe beut dem Hessen 
Die warme Bruderhand, 
Ihm bleibet unvergessen 
Ein altes Liebesband, 
Da Hessen sich und Schwaben, 
Der Hirsch zusammt dem Leu, 
um Streit verbrüdert haben 
n ritterlicher Treu." 
Folgt dann eine Verherrlichung Philipps des Groß 
müthigen, der bekanntlich den Herzog Ulrich in sein 
Land zurückführte. Merkwürdig nur, daß der Sänger 
nicht des Kommandanten von Hohentwiel gedacht hat, 
Konrad Wiederholds, eines Hessen, der im württem- 
bergischen Dienste sich unsterblichen Ruhm erwarb. 
Das Gedicht schließt mit der Strophe: 
„Um solch ein Heim zu haben 
Am Neckar und am Rhein, 
Laßt gern uns „dumme Schwaben" 
Und „blinde Hessen" sein; 
Laßt nimmer uns vergessen 
Das alte Liebesband, 
Reicht, Schwaben, Euch und Hessen 
Die warme Bruderhand." 
S. 
„In Nr. 23, S. 339 des werthen Heffenlandes" 
wird nach dem Berichte des Prof. Karl Vogt (in der 
Wiener „Neuen freien Presse-) über die Hinrichtung 
des Raubmörders Heß zu Gießen mitgetheilt, daß 
der als „Galgenpater- fungirende Kirchenrath Engel 
den ungeberdigen Delinquenten mit den Worten zur 
Ruhe brachte: - „Was wachste für Sache, laß dich 
köppe, Hessche, thu mir's'zu Gefalle." Nach dem 
Berichte verschiedener Augen- und Ohren-Zeugen dieses 
noch heute in Gießen allbekannten Vorfalles war in 
dessen die Fassung des tröstlichen Zuspruches des 
„alten Kirchenräthchen's- diese: „„Heß, thu' mer 
doch de eenzige Gefalle unn laß dich köppe!-'£ — 
Wir werden hierbei erinnert an eine andere, in 
der Mitte der fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts 
zu Gießen erfolgte Hinrichtung.' Ein bis "dahin .durch 
aus unbescholtener, allgemein geachteter Bauer/aus' 
Allertshausen in der Rabenau, namens Jphännes 
Römer, hätte im Jähzorne einen Flurschützen erschlügen. 
Römer hatte wohlnicht die Absicht des Todschlages gehabt, 
sondern seinem Feinde nur. ein gehöriges „Kochet- 
(Tracht Schläge) zuweisen wollen; die Schläge waren 
aber allzu wuchtig ausgefallen und der Flurschütz 
war unter den Streichen des Zaunpfahles auf immer 
verstummt. Vor der Hinrichtung Römer's brachte 
ihm die Ehefrau als letztes Liebeszeichen noch einen 
leckeren Kuchen, dann nahm sie den Abschied für 
dieses Leben mit der gewohnten Redensart: 
No, Hannes, dann mach's gaud! — 
Aus Heimach und Fremde. 
Seminarlehrer I. S. Auth f. Am. 11. 
December starb zu Fulda der Seminarlehrer Johann 
Sebastian Auth in seinem 68. Lebensjahre. Geboren 
zu Fulda studirte derselbe nach absolvirtem Gymnasium 
an der katholisch-theologischen Lehranstalt seiner Vater 
stadt Theologie, wurde am 16. December 1847 zum 
Priester geweiht und hiernach als Katechet an der 
dortigen städtischen Knabenschule angestellt. Im Jahre 
1862 wurde er zum Lehrer der Naturwissenschaften an 
dem katholischen Lehrerseminar zu Fulda ernannt, in 
welcher Stellung er bis zu seinem Lebensende verblieb. 
Wiederholt war er auch mit der Versehung der Di- 
rectorialgeschäfte dieser Anstalt beauftragt. Der Ver 
blichene war ein würdiger frommer Priester, ein ge 
wissenhafter Lehrer, wohlwollend gegen Jedermann 
und wegen seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften 
hochgeachtet von seinen Kollegen und geliebt von 
seinen Schülern. R. i. p. 
Marburg. Die alma mater Philippina wird in 
diesem Wintersemester von 862 Studierenden besucht, 
die sich wie folgt auf die einzelnen Fakultäten ver 
theilen: Theologie studieren 212, Rechtswissenschaft 
104, Medizin 256 und Philosophie 290 (Philosophie, 
Philologie und Geschichte 135, Mathematik und 
Naturwissenschaft 98, Pharmacie und Zahnheilkunde 
I 57). Außerdem besuchen mit Erlaubniß des Rektors
        

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