Full text: Hessenland (1.1887)

351 
setzen. Da er im Jahre 1746 in Höchst begann, 
nachdem er im Sommer 1745 zu Weißenau bei 
Mainz einen vergeblichen Versuch gemacht hatte, 
eine Fabrik zu errichten, so hat er etwa acht bis 
neun Jahre in Fulda gearbeitet und zwar mit 
erheblichem Erfolg, denn wie Zais S. 10 bemerkt, 
erhielt er daselbst von dem Beichtvater des Königs 
Ludwig XV. durch Vermittlung der Jesuiten 
Molitor (war dies vielleicht ein Fuldaer?) 
und Sussman wiederholt Briefe mit der 
Aufforderung, im Elsaß eine Fabrik zu errichten. 
Erst später gelang es dem französischen König, 
eine solche einzurichten. 
Aus seiner Stellung in Fulda ist Löwenfinck 
ohne solche Differenzen geblieben, die ihn bei 
dem damaligen Landesherrn, dem Fürstabt Amand 
von Buseck, unmöglich gemacht hätten, denn von 
Höchst aus ist er noch oft und auf längere Zeit nach 
dieser Stadt, wo er auch eine Braut hatte, ge 
kommen, worüber schließlich bittere Klagen ein 
liefen, da in seiner Abwesenheit sein jüngerer 
Bruder die Leitung führte, mit welcher es recht 
schlecht aussah. 
Die Höchster Gründung verdankt ihren Ursprung 
zwei Frankfurter Kaufleuten, die zugleich Factore 
der Mainzischen Spiegelfabrik zu Lohr waren 
und mit Löwenfinck einen Vertrag schloffen. 
Anfangs 1749 wurde Löwenfinck, der sich mit 
seinem Personal nicht vertragen konnte, aus Be 
fehl des Kurfürsten ausgewiesen. Er ging nach 
Straßburg, wo sein jüngerer Bruder, wahrschein 
lich auf seinen Betrieb, schon mit Einrichtung 
einer Fabrik beschäftigt war, "und ist auch dort 
gestorben. 
„Schon eine Woche .nach Eröffnung der An 
stalt (zu Höchst) drohte eine auswärtige Frage, 
indem der Fuldaische Hof seine angeblichen Rechte 
auf den Maler Heß geltend machte. Letzterer 
wurde nämlich durch den Vicedom Freiherrn von 
Buseck vorgefordert, obwohl er mit dessen Wissen 
nach Höchst übergezogen. Auf Verwendung des 
kurfürstlichen Kämmerers Freiherrn von Fechen- 
bach, des Schwiegersohnes von Buseck, erledigte sich 
jedoch der Streit zu Gunsten von Heß, so daß 
dieser in Höchst verbleiben durfte." (Zais S. 6). 
„Die Bereitung der Farben war im Beginn 
der Fabrik Heß übertragen. Nach der Berufung 
des jüngeren Löwenfinck versahen die beiden 
Brüder das wichtige Amt. In der Herstellung 
einer Purpurfarbe aus Gold wird Heß als der 
Lehrmeister von Löwenfinck genannt, der schon 
früher zu Fulda von demselben Lehrer die Zu 
richtung der hell- und grasgrünen Farbe, ferner 
des Zitronen- und Schwefelgelbs erfahren hatte. 
Eine andere Aussage läßt den Löwenfinck die 
Kenntnisse der Farbenbereitung, ehe er nach Fulda 
kam, durch einen gewiffen Ernst für 50 fl. er 
halten." 
Heß, geboren 1698 zu Fulda, war eine äußerst 
vielseitige Natur. Maler, „Arkanist," der die 
„Geheimnisse" der Farbenbereitung kannte — das 
Renommee einer Fabrik hing hauptsächlich von 
dieser ab — auch Bossierer und Former, der die 
künstlerische „Figurierung" besorgte, war er auch 
in der Technik nicht unerfahren. Kein Wunder, 
daß man ihn von Fulda nicht ziehen laffen 
wollte, 1749 machte man ihn auch zum Inspektor 
der Höchster Fabrik. 
Nach dem Jahre 1750 wird er nicht mehr 
erwähnt und wir wiffen nicht, was aus ihm ge 
worden ist. 
Die Leistungen von Löwenfinck und Heß ge 
statten einen Rückschluß auf die Fuldaer Fabrik, 
die sich schon damals (1746) einer hohen Blüthe 
erfreute. 
Wenn Löwenfinck auch nicht die erste Ein 
richtung derselben besorgt haben sollte, denn von 
einem JeremiasPitsch*) aus Rothenburg an 
der Tauber, der 1748 zu Höchst als „Dreher" 
arbeitete, sagt Zais S. 136, er habe früher Fa 
briken zu Ansbach, Fulda und Oettingen ein 
gerichtet, was wohl auf einen erstmaligen Versuch 
zu beziehen ist, so hat er doch auf Grund einer 
zehnjährigen Erfahrung, die er zu Meißen sam 
melte, unstreitig viel dazu beigetragen, daß der 
Ruhm der Fuldaer Fabrik sich über die Grenzen 
Deutschlands verbreitete. 
In der ersten Zeit ihres Entstehens hat Höchst 
noch verschiedene Arbeiter aus Fulda herangezogen. 
So einen „Brenner" Heinrich Eberhard, 
einen „Buntmaler" (Emailmaler) Philipp Be 
thel, einen „Blaumaler" (Glasurmaler) Georg 
Adam Keib. 
Ein Bossierer Buchwald ging 1748von Höchst 
nach Fulda; von 1761 ab finden wir ihn in 
Norddeutschland (Marieberg, Kiel, Eckernförde). 
Seine Punschnäpfe, die die Form einer Mitra 
hatten, sind berühmt. 
Für die Zeit von 1752 bis 1798, in welchem 
letzteren Jahre die Höchster Fabrik einging, 
fließt das Material sehr spärlich. Von Be 
ziehungen zu Fulda hören wir nichts. 
Ueber diese Fabrik müßte sich natürlich ein 
nicht unerhebliches Actenmaterial angesammelt 
haben. Allein es ist nach den Versicherungen 
meines verehrten Freundes, des Verfaffers obiger 
Monographie, in dem Staatsarchiv zu Marburg, 
wo jetzt das Archiv des Fürstenthums Fulda auf 
bewahrt wird, kein Blatt mehr über dieselbe vor- 
*) Schon der Umstand, daß Pitsch >745 als einfacher 
„Dreher" in Höchst arbeitete, spricht nicht dafür, daß er 
eine Persönlichkeit von solchen Fähigketten war, wie sie 
jut Neueinrichtung einer Fabrik erfordert wurden.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.