Full text: Hessenland (1.1887)

s 
Rechnung machen können. Seine Hochfürstliche 
Durchlaucht werden nicht unterlassen, den sich 
daselbst aufhaltenden Kurgästen alle nur möglichen 
Arten von Vergnügen und Belustigungen zu 
zu verschaffen; wie dann zu diesem Ende die 
französische Truppe bereits befehligt worden ist, 
Höchstdenselben zu dieser Zeit nach Hofgeismar 
zu folgen. Außer denen sonst daselbst gewöhnlichen 
und vorzüglichen Recreationen werden die Fremden 
durch aufzuführende Schauspiele, von der Fürst 
lichen Kapelle gegebene Concerts und mehr andere 
Belustigungen, solche zu ihrer Erholung diensame 
Arten sich zu vergnügen finden, die sie anderwärts 
vergeblich suchen dürften. Diejenigen, denen es 
hierum weniger, als um ihre Gesundheit zu 
thun sein möchte, finden hier ebenwohl alles, 
was sie in solcher Absicht nur wünschen mögen. 
Wir berufen uns in diesem Stücke auf das 
Schreiben eines auswärtigen fränkischen Arztes, 
welcher ebenso berühmt, als in seinem Urtheil 
über die Brunnen und Bäder in Deutschland zu 
unseren Zeiten für klassisch gehalten wird. Dieser 
rechtfertigt durch seine Erfahrung, Geschick- und 
llnparteilichkeit völlig unser Angeben." 
Dieser Arzt schreibt: 
„Ich habe schon vorhin sehr beträchtliche Er 
fahrungen von den herrlichen Wirkungen des 
Bades zu Hofgeismar gehabt, bin daher nach- 
gehends durch die mit demselben angestellte sehr 
genaue Untersuchung überführt worden, daß 
Hessen an diesem Bade einen wahren Schatz 
besitzt, welcher gewiß mit allen andern um den 
- - —h| 
Wj-pi«e Engelhard, geb. Katterer. 
Magdalene Philippine Gatterer erblickte am 
21. Oktober 1756 zu Nürnberg das Acht der Welt. 
Sie war die dritte Tochter des berühmten Historikers 
Johann Christoph Gatterer, damaligen Lehrers am 
Gymnasium zu Nürnberg und Professors der Reichs 
historie und der Diplomatik an dem dortigen Audi 
torium Aegidianum, einer Arr Lyceum. Ihr Vater 
Gatterer war der Sohn eines Dragonerunteroffiziers, 
welcher in der kleinen Festung Lichten«» bei Nürn 
berg in Garnison stand. Der Wiffenstrieb des jungen, 
Vorzug streitet. Es würde zu weitläufig fallen, 
wenn ich in einem Schreiben alle die Beschwer 
lichkeiten und Krankheiten mit Namen anführen 
wollte, wider welche dasselbe ein sicheres Mittel 
an die Hand giebt. Soviel kann ich aber über- 
hccpt versichern, daß kein andres Bad, 
welches mir bekannt ist, ein mehreres 
als dieses und in manchen! Zufall 
dieses ein mehreres, als j e n e s l e i st e n 
wird. Durch Landesvätcrliche Vorsorge ist 
dieser Schatz Hessens nicht nur erhalten, sondern 
auch dergestalt verschönert und ausgezieret worden, 
daß er bereits jetzt alle andern Orte 
wo man dergleichen Hülfsmittel sucht, 
weit hinter sich läßt." 
Wie besucht damals das Bad Hofgeismar 
war, ergiebt die Kurliste vom 22. August 1771, 
nach welcher bis dahin 438 Kurgäste sich dort 
eingefunden hatten. — 
Eine bedeutende Aenderung in dem Kasseler 
Zeitungswesen riefen in diesem Jahrhundert zu 
nächst die Ereignisse in den Jahren 1806, 1830, 
1848 und 1866 hervor. Eine größere Anzahl 
Zeitungen entstand und verschwand wieder mit 
Aenderung der politischen Zeituinstände. In der 
gegenwärtigen Zeit, wo jede politische Partei ein 
Organ zur Vertretung ihrer Parieiinteressen für 
nöthig hält, ist dem deshalbigen Bedürfniß mehr 
als Genüge geschehen. Der gewaltige Fortschritt 
der Neuzeit hat auch hier, wie in so vielen 
andern Dingen, der früheren Anspruchs- und 
Bedürfnißlosigkeit ein Ende gemacht. 
am 13. Juli 1727 geborenen Johann Christoph 
Gatterer wollte dem in dürftigen Verhältnissen leben 
den und von den Wissenschaften geringschätzig denken 
den Vater nicht behagen; er hatte fernen Sohn für 
ein Handwerk bestimmt und suchte der Lernbegierde 
des eifrigen talentvollen Knaben auf jegliche Weise 
Einhalt zu thun. Hinter dem Rücken fernes Vaters 
trieb jedoch der junge Gatterer seine Studien weiter, 
er zog sich zu diesem Zwecke auf den Boden zurück, 
hob aus dem Dache Ziegel aus, um sich das nöthige 
Licht zu verschaffen, und als er die Stadtschule in 
Nürnberg besuchte, übernahm er das Einheizen der 
Klaffenzimmer, um Gelegenheit zu haben, jeden 
Morgen einige Stunden vor dem Unterrichte «nge-
        

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